Zorn über die endlose Geduld

Meichelbeckstraße: Gehweg kommt, wegen der DB aber frühestens in sechs Jahren

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Aufgrund der Verkehrssituation sind auf der Meichelbeckstraße vor allem die Fußgänger auf Gottes Segen angewiesen.

Benediktbeuern – Schmal ist sie, kein Gehweg ziert ihre Seiten: Wenn Fußgänger und Radfahrer auf der Meichelbeckstraße unterwegs sind, dann nicht gefahrlos, finden zumindest einige Anwohner. Sie wollen, dass sich etwas ändert. Bis das der Fall ist, könnten aber noch ein paar Jahre verstreichen.

Geduld gehört sicher zu denjenigen Eigenschaften, über die man als Kommunalpolitiker verfügen sollte, will man sein Amt langfristig unbeschadet überstehen. Die mit Blick auf den Gehweg und den Bahnübergang an der Meichelbeckstraße an den Tag gelegte, scheinbar endlose Geduld der Gemeinderäte verursachte vergangene Woche allerdings großen Ärger bei den Anwohnern. Seit mehr als acht Jahren kämpfen diese für mehr Verkehrssicherheit für sich und ihre Kinder. Einen greifbaren Zeit­horizont für die Errichtung eines Gehwegs gibt es auch nach der jüngsten Gemeinderatssitzung nicht. Konkreter wurde es hingegen beim Bahnübergang für Fußgänger. Das von der Deutschen Bahn (DB) mitgeteilte Ausführungsdatum führte bei den zahlreichen Zuhörern allerdings zu Schnappatmung, denn es handelt sich um die Jahre 2025/26.

In der März-Sitzung des Gemeinderates hatten die Anlieger der Meichelbeckstraße einen erneuten Vorstoß gewagt und über Rudi Mühlhans (FBM) ein achtseitiges Schreiben an Vizebürgermeister Hanns-Frank Seller überreichen lassen. Insgesamt 101 unterzeichnende Anwohner hatten darin von der Gemeinde gefordert, im Zuge der neuen Baumaßnahmen mit einem durchgängigen Bürgersteig, ausreichender Straßenbeleuchtung, einem Fußgängerübergang am Bahngleis sowie einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Meichelbeckstraße endlich für die nötige Verkehrssicherheit zu sorgen. 

Das von Anwohnersprecher Christian Kischkies verfasste Schriftstück glich mit seinen zahlreichen Anlagen und mit Quellenangaben versehenen Zitaten aus Verordnungen und Richtlinien zur Verkehrssicherheit auf Straßen, Schulwegen und an Bahnübergängen einer kleinen Doktorarbeit. Weniger Aufwand hatte der Pendler und Vater zweier kleiner Kinder hingegen beim Inhalt, bei dem Kischkies auf zwei nicht weniger ausführliche Schreiben aus dem Jahr 2012 aufbauen konnte. Bereits im Oktober vor sieben Jahren hatten Anwohner auf die erheblichen Verkehrsgefahren hingewiesen, denen Fußgänger und Radfahrer ausgesetzt sind, wenn sie den Großteil der schmalen, einst auf geringen Verkehr ausgelegten Straße, auf deren Fahrbahn zurücklegen müssen. Ein Gehweg war selbst nach dem Bau einer neuen Wohnanlage im Jahr 2009 nicht errichtet worden, was Seller im März mit gescheiterten Grundstücksverhandlungen begründet hatte. Der Rathausvize hatte sich damals über den späten Einspruch der Anlieger (lange nach der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans) gewundert, jedoch versprochen, die Gemeinde werde die Anregungen ernst nehmen und den Bürgern entgegenkommen. 

Entsprechend hoffnungsvoll lauschten diese nun Sellers Ausführungen zu einem Mitte April stattgefundenen Ortstermin mit Gemeinderäten, Bauhofleiter und DB-Vertretern. „Wir haben auf einer Seite genügend Grund, um den Gehweg auf Gemeindefläche fortzuführen“, versicherte Seller. Auch das Gespräch mit der DB habe positive Ergebnisse gezeigt. Die Bahn könne nämlich einen Fußgängerübergang als zusätzliche Sicherungsmaßnahme im Rahmen der im letzten Jahr durchgeführten Modernisierung fördern, weshalb die Gemeinde die Kosten nicht alleine tragen müsse, sondern sich diese mit dem Landkreis und der DB aufteile. Als „Wermutstropfen“ bezeichnete Seller dann die zeitliche Umsetzung. „Vor 2025/26 geht bei der Bahn umbaumäßig in unserer Region gar nichts“, teilte er mit. Eine Alternative sahen die Gemeinderäte nicht, denn wenn die Kommune früher tätig werden will, müsste sie eine Streckenführung mit großem Umweg wählen, da aufgrund von Bahnrichtlinien ein Radius von 27 Metern zum Andreaskreuz frei bleiben muss. Einstimmig beschloss das Gremium, am gemeinsamen Vorgehen mit der DB festzuhalten und dieser sowie dem Landratsamt als nächsten Schritt eine Entwurfsplanung zukommen zu lassen. 

„Das ist lächerlich“, urteilte eine Anwohnerin nach Ende der öffentlichen Sitzung vor dem Rathaus. „Sie haben versprochen, sich darum zu kümmern, und nun gibt sich der gesamte Gemeinderat damit zufrieden, dass die nächsten sechs bis sieben Jahre wieder nichts passiert“, wetterte sie. Passiert seien hingegen schon mehrere Unfälle mit Sach- und Personenschaden. Dass die Gemeinde nicht mehr Druck auf die DB ausüben kann, will der dreifachen Mutter nicht in den Kopf. Sechs Wochen vor der Bürgermeisterneuwahl ist sie auf den kompletten Gemeinderat wütend und grummelt: „Nach dem heutigen Abend kann ich keinen der drei Kandidaten wählen.“ 

Auch Kischkies, der die Meichelbeckstraße nur mit Taschenlampe betritt und seine Kinder nicht von der Hand lässt, ist enttäuscht. „Warum wurde hier nicht gleich ein Fußgängerüberweg errichtet wie in Bichl?“, fragt er und weist auf die viel höhere Frequenz durch Studenten, Klosterbesucher, Pendler und Schulkinder hin. „Lachhaft“ findet er die Vorgänge inzwischen, zumal schon im Bericht zur Dorferneuerung von Mai 2011 die Punkte „Neubau eines Rad- und Fußweges im Bereich der Allee an der Meichelbeckstraße“ und „Verbesserung der Fußgängersituation im Bereich der Kreuzung Bahnhofstraße/Bahngleis/Meichelbeckstraße“ aufgeführt seien. Das Anwohnerschreiben hatte der Sprecher auch an zuständige Behörden wie Landratsamt, Straßenbaubehörde und Straßenverkehrswacht adressiert, es auf Wunsch der Gemeinde im März aber noch zurückgehalten. Nun hat Kischkies keine Geduld mehr, will das achtseitige Werk den Behörden zuschicken und erhofft sich Unterstützung von übergeordneter Stelle. cw

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