Weiter alles offen

Bürgermeisterwahl: Mühlhans aus dem Rennen, Seller und Ortlieb in der Stichwahl

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Konzentriert, aber flink bei der Arbeit: Nur eine Dreiviertelstunde nach dem Abschluss der Wahl stand das vorläufige Ergebnis auch schon fest.

Benediktbeuern – Wie von Wahlbeobachtern und den Kandidaten selbst erwartet, erlangte keiner der drei Bewerber um das Bürgermeisteramt im ersten Durchgang die absolute Mehrheit. Am 14. Juli findet nun die Stichwahl zwischen Toni Ortlieb (Benediktbeurer Bürger) und Hanns Frank Seller (CSU) statt. 

Heiß war es, in den vier Räumen, in denen zusammen 2.044 Stimmzettel (davon 864 per Briefwahl) ausgezählt wurden. Die Teams aus je sechs Wahlhelfern, einem Wahlleiter und einem Schriftführer arbeiteten nichtsdestotrotz hochkonzentriert, so dass bereits eine Dreiviertelstunde nach Schließung der Wahllokale das vorläufige Ergebnis vorlag. Toni Ortlieb und Rudi Mühlhans waren ins Rathaus gekommen und stellten sich dem Ergebnis vor Wahlhelfern und einigen Bürgern. Hanns Frank Seller zog die heimischen vier Wände und eine telefonische Unterrichtung durch Wahlvorstand Inge Ambrugger vor. Auf den derzeitigen Vizebürgermeister entfielen 43,34 Prozent, Ortlieb konnte 30,66 Prozent der Stimmen für sich verbuchen und Mühlhans genau 26 Prozent. Somit wird es in zwei Wochen eine Stichwahl zwischen Hanns Frank Seller und Toni Ortlieb geben. 

„Mir macht Kommunalpolitik unverändert Spaß“

Rudi Mühlhans hingegen ist aus dem Rennen. Er ergriff als Erster das Wort und bedankte sich bei den Wahlhelfern und allen Benediktbeu­rern, die zur Wahl gegangen sind. Man habe einen sehr fairen Wahlkampf geführt, weshalb er auch in Zukunft von einem „sehr guten Miteinander“ und einer „konstruktiven Zusammenarbeit“ für die Gemeinde ausgehe, sagte der 52-Jährige. Die Wahlbeteiligung von 68 Prozent nahm er als „sehr gutes Zeichen nach vorne“. Enttäuschung ließ sich Mühlhans nicht anmerken, vielmehr lobte er die gute Teamleistung der FBM. Das „eigentlich stärkste Team“ im Gemeinderat (vor dem Zuwachs der CSU durch die rückkehrende Benediktbeurer Mitte) freue sich auf den Wahlkampf 2020, sagte er. Die Frage, ob er dann erneut auf der FBM-Liste kandidieren werde, ließ Mühlhans offen, weil dies „heute noch nicht das Thema“ sei. „Mir macht Kommunalpolitik unverändert Spaß“, betonte er. Auch wenn sein Arbeitgeber nun „ein großes Problem weniger“ und er selbst mehr Zeit zum Stadtradeln habe, räumte der Sozialpädagoge dann doch noch ein, sich mehr erhofft zu haben. Er habe den Wahlkampf nicht so intensiv gestalten können wie letztes Mal, da er beruflich sehr eingebunden war, erklärte er. Sein Wunsch für die Stichwahl sei „100 Prozent Wahlbeteiligung“, ansonsten glaube und hoffe er, dass es mit jedem der beiden verbliebenen Kandidaten konstruktiv vorangehen werde. 

„In vierzehn Tagen pack ma wieder o“

„Jetzt bin ich erleichtert“, strahlte hingegen Toni Ortlieb und beglückwünschte Benediktbeuern zu seiner „Vorzeigefunktion für Demokratie im Landkreis“. Das Dorf habe „wahnsinnig gewonnen“, weil man „sauber miteinander umgegangen und sauber aufgetreten“ sei, stellte er fest. „Wahnsinnig“ war für ihn auch die Wahlbeteiligung, vor allem vor dem Hintergrund des brütend heißen Wetters. „In vierzehn Tagen pack ma wieder o und schaun weiter“, meinte Ortlieb. Ein erster Schritt in die Zukunft sei getan, und egal wer schließlich Bürgermeister werde, „es gibt ein gutes Miteinander, und das braucht Benediktbeuern“. Er sei von einer „reinen Persönlichkeitswahl“ ausgegangen, erklärte der 45-Jährige, aber auch die „in Bayern immer noch starke CSU“ dürfe man nicht unterschätzen. Auf deren Liste hätte Ortlieb unbestätigten Gerüchten zufolge sogar kandidieren können, wozu er diplomatisch meinte: „Ich bin bei den Benediktbeurer Bürgern groß geworden und möchte langfristig berechenbar bleiben.“ Einem möglichen Amtsbonus von Vizebürgermeister Seller setzt Ortlieb die Chance auf einen Neuanfang entgegen. „43 Prozent für Frank, das bedeutet im Umkehrschluss, dass 57 Prozent anderer Meinung sind“, machte Ortlieb deutlich. Jetzt werde er erstmal mit Familie und Unterstützern feiern, in den nächsten zwei Wochen gelte es, nochmal richtig „Gas zu geben“ und die Wähler von Mühlhans zu gewinnen. 

„Der denkt realistisch“

Hanns Frank Seller war bei einem Hoffest im Kreise seiner Familie, um Freunde und Unterstützer anzutreffen. Beim Besuch durch die Pressevertreter zeigte er sich gelöst und gut gelaunt. Allerdings nicht, was die Wahlbeteiligung angeht, die er im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern für enttäuschend hielt. Bei der Europawahl habe die Beteiligung bei fast 80 Prozent gelegen, erklärte Seller, dass es, „jetzt, wenn es direkt unser Dorf angeht“, nur 68 Prozent waren, sei frappierend. Zufrieden zeigte er sich hingegen mit seinem Ergebnis, für das er weniger einen Amtsbonus verantwortlich machen wollte. „Die Politik, die wir gemacht haben, ist bei der Bevölkerung angekommen“, glaubt Seller. „Der denkt rea­listisch“, hätten wohl viele Benediktbeurer gefunden. Abgesehen davon, hätte auch keiner der anderen Kandidaten darüber hinwegsehen können, dass viele kommunalpolitische Punkte ohnehin „bereits gesetzt“ seien. Und dass er im Wahlkampf mit manchen Aussagen durchaus Kante gezeigt und nicht alle Bürger bedient hatte, ist dem CSU-Kandidaten bewusst. „Als Bürgermeister kann ich nur so sein, wie ich bin“, stellte er fest. Bis zur Stichwahl werde er sicher nochmal eine Wahlveranstaltung „machen müssen“. Dabei will er vor allem auf die Wahlbeteiligung zielen und nochmals seine Unterstützer mobilisieren, denn noch sei nichts ausgemacht, alles sei noch offen. Auf die Frage, ob er zufrieden sei mit seinem Gegenkandidaten, meinte Seller: „Ich komme mit allen gut aus und möchte, dass es nach dem tollen, fairen Wahlkampf auch weiterhin fair bleibt.“ Einen ernst zu nehmenden Konkurrenten sieht der 59-Jährige in Toni Ortlieb allemal, denn der könne schon aufgrund seines Alters viele Junge motivieren, weshalb möglicherweise nun Mühlhans-Wähler eher zu Ortlieb tendierten. cw

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