Zu norddeutsch für Oberbayern

Gemeinderat in Benediktbeuern erteilt Fachwerkhaus eine Absage

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Auch wenn es vom alten Forsthaus (1) verdeckt wäre, ein Fachwerkhaus im norddeutschen Stil (2) passt aus Sicht des Gemeinderates nicht nach Benediktbeuern.
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Auch wenn es vom alten Forsthaus (1) verdeckt wäre, ein Fachwerkhaus im norddeutschen Stil (2) passt aus Sicht des Gemeinderates nicht nach Benediktbeuern.

Benediktbeuern – Fachwerkhäuser sind in vielen Regionen Deutschlands gang und gäbe, nur der südliche Teil Bayerns ist weitgehend fachwerkfrei. Nach Meinung der Benediktbeuerer Gemeinderäte soll das, zumindest im Klosterdorf, auch so bleiben.

Wie Bürgermeister Toni Ortlieb rückblickend erläuterte, hatten die Bayerischen Staatsforsten das Grundstück am Steinbacher Kirchenweg vor einigen Jahren erworben, ursprünglich mit dem Fokus, dort Wohnraum für Unternehmensangehörige und deren Familien zu schaffen. Zwischenzeitlich wurde der Grund jedoch im Erbbaurecht meistbietend vergeben. Der künftige Bauherr stammt laut Ortlieb aus Norddeutschland, was sich offenbar im eingereichten Bauplan niederschlägt. Ein „Wikingerhaus mit Drachenköpfen“, so die Assoziation des Rathaus­chefs, ist es zwar nicht, doch einen norddeutschen Charakter könne man dem Fachwerkhaus mit den Pferdeköpfen als Giebelschmuck nicht absprechen. 

Bereits bei der Beratung im Oktober 2018 schlugen zwei Herzen in der Brust der Gemeinderäte. Einerseits war man dem Charme des „Exoten“ erlegen, allen voran Margarete Steffens (CSU) und der damalige Bürgermeister Hans Kiefersauer, der sich „mal was anderes als immer nur die nachgebauten Bauernhäuser“ durchaus vorstellen konnte. Andererseits entsprach das geplante Fachwerkhaus weder der oberbayerischen Bautradition noch der Benediktbeurer Ortsgestaltungssatzung, weshalb die Räte dem Bauherrn zur Auflage machten, den Fachwerkanteil zu reduzieren, eine ortsübliche Dachdeckung zu wählen und wegen der unmittelbaren Nachbarschaft zum denkmalgeschützten ehemaligen Gerichtsschreiberhaus (jetzt altes Forstamt) die Denkmalschutzbehörde zu beteiligen. 

Der Bauwerber hatte daraufhin den Bauantrag zurückgezogen, nun unternahm er einen zweiten Anlauf. Ihre Begeisterung für das „stimmige, ästhetische Haus“ hat Margarete Steffens nicht verloren. „Das Fachwerk ist für mich kein Änderungsgrund“, betonte sie und versuchte die Kollegen damit zu überzeugen, dass das „wunderschöne Haus“ ja nicht an exponierter Stelle stehe, sondern von der Straße aus gar nicht zu sehen sei. Ihr Fraktionskollege Clemens Hammerl sowie Bürgermeister Ortlieb wollten ihr, was die Ästhetik angeht, gar nicht widersprechen. Es sei ein wunderbares Haus, gaben beide zu, jedoch passe es einfach nicht nach Benediktbeuern. „Wer in Oberbayern ist, soll ein oberbayerisches Haus bauen“, resümierte Hammerl. 

Der Ortsgestaltungssatzung entspricht das Vorhaben in mehrfacher Hinsicht nicht, weder mit seiner Fassade, die verputzt, gestrichen oder holzverschalt sein müsste, noch beim Dachüberstand, der unter dem geforderten halben Meter auf allen Seiten liegt. Die Räte versagten dem Bauantrag daher das gemeindliche Einvernehmen. Abzuwarten bleibt allerdings, wie das Vorhaben von Seiten des Landratsamtes und der Denkmalschutzbehörde bewertet wird. cw

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