Zwei Punkte fehlen zu Bronze

Schreiner Florian Meigel verfehlt bei den Wolrd Skills in Russland knapp das Podest

Mit seinem Wettbewerbsstück, dem Modell einer Haustüre, belegte Florian Meigel bei der Weltmeisterschaft den fünften Platz.

Benediktbeuern – Die bayerische Rautenflagge über die Schultern geworfen und ein breites Grinsen im Gesicht. So lächelt der Benediktbeurer Schreiner Florian Meigel neben seinem Werkstück bei den Wolrd Skills in Russland in die Kamera. Doch zufrieden ist er mit sich und seiner Arbeit nicht ganz.

Nach mehrwöchiger Vorbereitung und intensivem Training war Florian Meigel mit hohen Zielen zu den Berufsweltmeisterschaften nach Russland gereist. Der Schreinergeselle aus Benediktbeuern hatte sich vor zwei Jahren für die Teilnahme an den World Skills 2019 qualifiziert, als er Deutscher Meister im Schreinerhandwerk wurde. Im west­russischen Kasan trat er nun in der Sparte Bauschreiner gegen 23 Konkurrenten aus aller Welt an und verfehlte nur um Haaresbreite die Bronzemedaille. 

Sein Traum war Gold, sein Ziel, unter die ersten zehn zu kommen. Dass sein Traum geplatzt ist, kann Flo­rian Meigel verschmerzen. Schließlich war schon im Vorfeld bekannt, dass die internationalen Teilnehmer den Wettbewerb mit ungleichen Voraussetzungen antreten, weil etliche Länder ihren Repräsentanten ganz andere Vorbereitungsbedingungen ermöglichen. Dass er aber das Siegertreppchen um nur zwei Punkte verfehlte, das wurmte ihn schon ein wenig. Hinter einem Österreicher und einem Schweizer, die sich gemeinsam Bronze teilen, landete Meigel auf dem fünften Platz und hat damit sein selbst gestecktes Ziel locker erreicht. Gold holte sich im Übrigen sein Mitbewerber aus Frankreich, Silber ging an Korea. 

„Ich kann mich nicht beschweren“, findet Meigel, denn die Weltspitze liege so eng zusammen, „dass es fast unmöglich ist, unter die besten fünf zu kommen. Eigentlich habe er am zweiten Wettbewerbstag gedacht, dass es „echt gut“ laufe. Die am Ende fürs Podest fehlenden zwei Punkte vermutet der 21-Jährige in zwei „verbockten“ Holzverbindungen. Aus Angst, nicht in den knapp bemessenen 22 Stunden fertig zu werden, habe er die komplizierten Verbindungsstücke wohl nicht sauber genug gearbeitet. „Dabei hatte ich am Ende sogar noch eine Viertelstunde Zeit übrig“, meint er achselzuckend, aber das wisse man halt erst hinterher. 

Mit leeren Händen kehrt der begabte Schreiner jedoch nicht aus der Stadt an der Wolga zurück. Um seinen Hals hängt als Auszeichnung für besondere Leistungen die „Medaille der Exzellenz“, die nur an jene Teilnehmer vergeben wird, deren Arbeit mit mehr als 700 von maximal möglichen 800 bewertet wurde. Und dann ist da noch ein ganzer Sack voller Gastgeschenke, welche die Nationalteams untereinander ausgetauscht haben, darunter lauter nützliche Sachen, wie ein kleiner Handhobel und sogar ein thailändisches Teeservice.

Die Stimmung unter den jungen Handwerkern aus aller Welt sei ausgesprochen gut gewesen, berichtet der Benediktbeurer, der vor allem in seinem österreichischen Konkurrenten einen guten Freund gefunden hat. „Das war schon ein Erlebnis“, resümiert Meigel über seine Reise, bei der er natürlich auch den Kasaner Kreml und die vielen Moscheen in der überwiegend muslimisch bevölkerten Großstadt besichtigt hat. „Hochinteressant“ fand er vor allem den Besuch einer deutschsprachigen Schule, in der fließend Deutsch sprechende junge Russen die Besucher empfingen. „In einem Klassenzimmer hing sogar ein Bild vom Schloss Neuschwanstein“, schmunzelt er, denn die Schüler werden dort auch in deutscher Kultur unterrichtet. Besonders beeindruckt war Florian Meigel von der Eröffnungszeremonie der WM. Jedes Nationalteam zog in einheitlicher Kleidung hinter einem Fahnenträger in die Arena von Kasan ein, dort, wo auch die letzte Fußball-Weltmeisterschaft stattgefunden hat. „Da war einiges geboten, Feuerwerk, Musik, Aufführungen, das hat schon was hergemacht“, erzählt Meigel stolz. Aufwändig gestaltet war ebenfalls die Abschlusszeremonie mit Siegerehrung, bei der ein in Russland sehr bekannter Sänger auftrat. 

Zeit, die vielen Eindrücke zu verarbeiten, hat der junge Schreiner nicht. Kaum aus Russland zurückgekehrt, beginnt für ihn auch schon die Meisterschule in Garmisch, die er nun für die nächsten eineinhalb Jahre in Vollzeit besuchen wird. Danach wird es Meigel wohl erneut ins Ausland ziehen. Ein Jahr lang in fremde Arbeitskulturen zu schnuppern, das reizt ihn. Wo genau, weiß er jetzt noch nicht, aber es wird sich garantiert etwas finden. „Wenn man bei so einem Wettkampf dabei war, kennt man Leute, die Leute kennen“, grinst er. cw

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