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„Passgenau“: Berufsorientierungsprojekt muss jetzt ohne Leader-Geld auskommen

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Bilanz nach drei Jahren EU-Förderung gezogen: Petra Zott-Endres und Melinda Veres mit Kirsten Hosse und Ethelbert Babl von der Leader-Aktionsgruppe Auerbergland-Pfaffenwiknel, Robert Ernst von der Agentur für Arbeit, Karin Georgi von der Castringius Kinder- und Jugendstiftung, Penzbergs Wirtschaftsförderin Monique von Eijk und Uli Holdenried von der nach ihm und seiner Frau benannten Stiftung, die „Passgenau“ künftig fördern soll (von links).

Penzberg – Petra Zott-Endres vom Berufsorientierungsprojekt „Passgenau“ wirkt seit jeher eher im Verborgenen und geht eigentlich nur dann an die Öffentlichkeit, wenn eine Zäsur ansteht oder sich mal wieder die Finanzierungsfrage stellt. Und das war nun der Fall.

Vor zehn Jahren übernahm sie unter dem Dach des Familienzentrums Arche Noah das Projekt „Fit für den Beruf“, das seit dem Jahr 2016 unter dem Schlagwort „Passgenau“ firmiert, eine Berufsberatung für Jugendlichen, die noch nicht so genau wissen, was sie nach der Schule machen sollen oder wollen. In den vergangenen drei Jahren wurde „Passgenau“ durch das Leader-Programm der EU bezuschusst, nun ist diese Förderung ausgelaufen, was Zott-Endres und ihre Mitarbeiterin Melinda Veres für eine Bilanz nutzten. 

Mit gezielten Angeboten für junge Leute widmet sich „Passgenau“ nicht nur dem klassischen Bewerbertraining, sondern auch der Entwicklung von Berufsperspektiven, Erfahrungen in der Praxis sowie dem Training von Kommunikations- und Konfliktfähigkeit. Und das offenbar mit Erfolg, denn Petra Zott-Endres stellte nun fest: „Öfter als ich anfangs gedacht hatte, kommen aus unserer Arbeit tatsächlich Ausbildungsverhältnisse zustande.“ Durch den direkten Kontakt mit den Betrieben einerseits und der Entwicklung realistischer Berufsideen andererseits ergibt sich ein angenehmer Nebeneffekt: „Die Zahl der Ausbildungsabbrüche ist überraschend gering“, sagt Melinda Veres. Auf dem Weg zu einer Lehre steht den Jugendlichen ein vielfältiges Angebot zur Verfügung, das auch rege genutzt wird. So wurden in den vergangenen drei Jahren bei den sechs durchgeführten Trainingsworkshops 112 Teilnehmer gezählt, bei den fünf Jobdating-Nachmittagen waren es 102 Jungs und Mädchen. Die größte Resonanz erfuhren aber die fünf Branchenworkshops, die von 265 Jugendlichen besucht wurden. Ein weiteres wichtiges Angebot von „Passgenau“ ist die Biografiewerkstatt, in der sich derzeit 37 junge Leute (darunter auch erstaunlich viele Jungs) mit dem Nähen von Pullovern beschäftigen. „Vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund oder solche, die aus schwierigen Familienverhältnissen stammen, finden hier einen richtigen Ankerpunkt“, so Veres. Nach einem Foto- und einem Kochprojekt wird nun also genäht, wobei die Jugendlichen wohl auch deshalb mit großer Begeisterung bei der Sache sind, weil sie das Design der Pullover selbst entwerfen dürfen. 

Insgesamt 67.200 Euro kostet „Passgenau“ pro Jahr, wobei die Weilheimer Agentur für Arbeit die Hälfte übernimmt. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, allerdings fallen ab diesem Jahr die knapp 15.000 Euro aus dem Leader-Programm weg. Nicht zuletzt aufgrund der 7.500 Euro, welche „Passgenau“ im Rahmen des Penzberger Stadtjubiläums als Spende von Roche erhalten hat, konnte Zott-Endres nun verkünden: „Die Finanzierung ist bis Ende 2020 gesichert.“ Allerdings zieht demnächst die Castringius Kinder- und Jugendstiftung, die pro Jahr 9.500 Euro zur Verfügung gestellt hat, weg. Doch hierfür scheint nun mit der Elisabeth-und-Uli-Holdenried-Stiftung bereits ein Nachfolger parat zu ­stehen. la

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