Kunst des Kleidens

Jugendlichen nähen Mode in der Biografiewerkstatt

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Kleider machen Leute: Maxi Dehmelt, Marlen Bächli, Christian Bätz, Sven Kienitz, Jasmina Werle und Lenja Mühlbauer (von links) lernten beim Nähen nicht nur das Handwerk, sondern auch viel über sich selbst.

Penzberg – Die Truppe ist bunt gemischt, doch jeder Einzelne verschreibt sich ein- und demselben Ziel. Die Jugendlichen, die in der Biografiewerkstatt des Berufsorientierungsprojekts Passgenau zusammenkommen, treffen sich einmal pro Woche, um gemeinsam ein kreatives Projekt voranzutreiben.

„Unser wichtigstes Ziel ist, Talente und persönliche Kompetenzen kennenzulernen und auszubauen sowie Schlüsselqualifikationen zu fördern und ein Jahr intensiver und positiver Gruppen­erfahrung zu ermöglichen“, meint Leiterin Melinda Veres. Und genau dieses Ziel scheint nun auch bei sieben Jugendlichen an der Nähmaschine erreicht worden zu sein. Nach einem Fotografie- und einem Kochprojekt stand nun nämlich die Mode im Fokus. 

Vor knapp einem Jahr waren die Fäden noch auf den Spulen aufgerollt, die Stoffe ruhten in weiter Ferne. Nun aber sind die Spulen leer, die Stoffen leuchten bunt in der Werkstatt, verarbeitet zu Beuteln und Kapuzenpullis. Christian Bätz, Dominik Kärn, Maxi Dehmelt, Sven Kienitz, Jasmina Werle, Marlen Bächli und Lenja Mühlbauer widmeten sich mit den Passgenau-Leiterinnen Melinda Veres und Petra Zott-Endres ein Schuljahr lang dem Modeprojekt in der Biografiewerkstatt. „Wir waren super kreativ und entwarfen Pullis, Kleider und Taschen, die wir dann von Schnitten auf Stoffe übertrugen und nähten“, meint das Septett mit einem zufriedenen Blick auf die Resultate. 

Doch nicht allein die Handarbeit stand dabei im Zentrum, sondern auch das Engagement für andere. Für die Realisierung ihres Projekts kooperierten die Jugendlichen nämlich mit der Nähschule im nigerianischen Owerri, deren Aufbau derzeit vom Asyl-Helferkreis unterstützt wird. Für ihre Einzelstücke verwendeten die Jugendliche neben europäischen Stoffen auch welche aus Nigeria. „Das war einer unserer Kerngedanken, Kleidung zu nähen, die unsere Verbindung zu Afrika zeigt“, erklären die Schüler. Doch nicht allein andere sollten von ihrer Arbeit profitieren, auch sie selbst, denn in der Biografiewerkstatt haben sie Probleme eine Zeit lang vergessen können. Und so trafen sich die sieben dort nicht nur zum Nähen, sondern auch zu Gesprächen. 

Aber ein reines Erleben sollte das fast einjährige Projekt nicht bleiben, auch ein Erlernen stand mit im Fokus. Zwischenmenschlich lernten die sieben Nachwuchsdesigner, einander zu helfen und Hilfe anzunehmen, aber auch der Umgang mit der Nähmaschine erforderte einiges an Übung. Und nicht zuletzt lernten die Jugendlichen viel über sich selbst und ihre Talente. Christian Bätz weiß nun, dass ihn nichts so schnell aus der Ruhe bringen kann, Dominik Kärn hat Gefallen am Designen gefunden, während Maxi Dehmelt und Sven Kientz ihre musikalische Ader fließen ließen und die handwerklichen Herausforderungen mit motivierenden Rhythmen untermalten. Jasmina Werle wiederum hat nicht nur ihre Krea­tivität entdeckt, sondern auch ihr Talent zum Modeln, Marlen Bächli brachte viele Ideen aufs Papier, und Lenja Mühlbauer hätte nie gedacht, dass in ihr eine künstlerische Begabung steckt. 

Im kommenden Schuljahr soll das Projekt in die nächste Runde gehen. Auch dann werden vermutlich wieder zahlreiche Stoffbahnen unter den Maschinen hindurchwandern. ra

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