Zu seicht? Zu tief? Oder was?

Schilderirrsinn am Huber See: Hubert Helfenbeins offener Brief an den Stadtrat

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Kurze Nichtschwimmer, die ertrinken, und lange Kunstspringer, die nicht einmal untertauchen? Es ist schon sehr unterhaltsam, mit welchen juristischen Kunstgriffen das Badevergnügen am Huber See rechtssicher gemacht wurde. Übrigens an Stegen, die nur zum Flanieren freigegeben sind.

Penzberg – Die Beschilderung am Huber See mag zwar juristisch einwandfrei sein und alle Eventualitäten abdecken, der normale Badegast kann angesichts dessen, was dort als verboten, erlaubt oder angeraten dargelegt wird, aber schon in abgrundtiefe Verwirrung (so tief wie der See?) gestürzt werden.

Hubert Helfenbein jedenfalls kennt sich gar nicht mehr aus, weshalb er sich nun in einem offenen Brief an Bürgermeisterin Elke Zehetner und den Stadtrat gewandt und um Aufklärung gebeten hat. Angesichts der tiefgreifenden Fragen, die Helfenbein dabei aufwirft, nachfolgend der Brief im Wortlaut: 

Gerade sitze ich hier auf dem hinteren neuen Steg am Huber See. Wirklich sehr schön. Ich habe hier am „Huabara“ und am „Eitzi“ schwimmen gelernt. Seither gehe ich hier zum Baden und wusste immer mich richtig zu verhalten. Jetzt allerdings bin ich völlig verunsichert und ­– angesichts der dargestellten Gefahrenlage – auch zutiefst verängstigt. Dabei möchte ich doch nur alles richtig machen. 

Meiner Meinung nach haben Stege grundsätzlich die Funktion oder den Sinn, einen besseren, einfacheren und sichereren Zugang ins Wasser hinein oder aus diesem heraus zu ermöglichen. Beides ist hier leider nicht gegeben: Das Reinspringen ins Wasser ist wegen angeblich zu geringer Wassertiefe durch ein Verbotsschild verboten. Es gibt aber auch keine Leiter, um das Ein- oder Aussteigen aus dem Wasser zu ermöglichen. Aktuell müssen die Badegäste neben den Stegen über den glitschigen und rutschigen Uferbereich direkt ins Wasser, was nicht ganz ungefährlich ist, da man leicht ausrutscht. 

Auf den Stegen befinden sich nun neue gelbe Schilder, die nicht gerade einfach zu verstehen sind. Ich bin lange davorgestanden, bis ich glaubte, einigermaßen zu verstehen, was mir die Schilder sagen wollten, aber ganz kapiert habe ich es nicht. Deshalb habe ich mir, oben am Parkplatz, das Schild mit den Sicherheitshinweisen angeschaut, worauf die Schilder, die sich auf den Stegen befinden, erklärt werden. Danach war ich völlig verwirrt.

Demnach bedeutet das eine Schild: „Für Nichtschwimmer besteht Lebensgefahr, da die Wassertiefe bis zu fünf Meter beträgt.“ Ich dachte immer, ein Nichtschwimmer habe bei weit mehr als fünf Metern, aber auch bei weit weniger, massive Probleme im Wasser. Aber wie ich lerne, scheinen fünf Meter die kritische Grenze zu sein. Außerdem dachte ich, dass das Reinspringen deshalb verboten sei, da die Wassertiefe faktisch zu gering ist – und eben nicht bis zu fünf Meter reicht. Jetzt kenne ich mich gar nicht mehr aus. 

Das zweite Schild, das sich gleich daneben befindet, bedeutet: „Vor Sprüngen ins Wasser wird wegen Verletzungsgefahr eindringlich gewarnt. Die Wassertiefe kann variieren (Untiefen). Am Seegrund können sich u.a. Steine und Wurzelstöcke befinden.“ Das gab mir den Rest. Einerseits fragte ich mich, warum hier vor dem Reinspringen gewarnt wird, da es ja eh verboten ist, aber dann bekam ich es wirklich mit der Angst zu tun, als mir bewusst wurde, dass ich hier seit 50 Jahren völlig ahnungslos zum Baden gehe und jetzt erst erfahre, welche Gefahren hier lauern: Untiefen! 

Was verbirgt sich dort? Vielleicht befinden sich sogar noch urzeitliche Wesen in den Untiefen des Sees, von denen ich bisher keine Ahnung hatte. Puhh, mir wird übel. 

Aber nun gut. Wie gesagt, ich sitze ja gerade hier am Steg und schau‘ ins einigermaßen klare Wasser bis auf den Grund des Sees, um zu sehen, was hier tatsächlich ist, und das beruhigt mich dann doch wieder: am Stegende eine Wassertiefe von zirka 1,10 Metern, am Seegrund kleine Kieselsteine im Baaz, keine Wurzelstöcke und keine Untiefen. Gott sei Dank! 

Dennoch, sehr geehrte Frau Bürgermeisterin, liebe Stadträtinnen und Stadträte: Meine Verunsicherung sitzt tief. Ich bitte Sie daher, mir freundlicherweise folgende Fragen zu beantworten: 

1. Welche Grundidee, welches Konzept verfolgte man bei der Errichtung der Stege? Oder anders gefragt: Was ist der Sinn dieser Stege? 

2. Wer hat die Stege geplant und gebaut und mit welcher Grundidee? 

3. Was haben die Planung und die Errichtung der Stege gekostet? 

4. Macht es Sinn, Stege so zu bauen, dass man dafür dann ein Sicherheitskonzept braucht, das man von der Münchner Rechtsanwaltskanzlei Tacke Krafft erarbeiten lässt, wodurch die Benutzung der Stege praktisch unmöglich, aber natürlich auch zu 100 Prozent sicher gemacht wird? 

5. Was hat das Sicherheitskonzept, inklusive der Beschilderung und Ausarbeitung durch die Rechtsanwaltskanzlei Tacke Krafft, insgesamt gekostet? 

6. Welchen Mängel hatten die alten Flöße? Hätte man Sie nicht noch benutzen können, bis die neuen fertiggestellt werden? 

7. Durften die alten Flöße wegen der mangelnden Rutschfestigkeit nicht mehr benutzt werden? 

8. Wenn es aber an der mangelnden Rutschfestigkeit liegt, müssten dann nicht konsequenterweise auch die Stege und vor allem das Ufer selbst rutschfest gemacht werden? 

9. Ist das Risko nicht zu groß, dass man auf dem Steg ausrutscht und in die Untiefen des Sees stürzt? Ja sollte man aus Sicherheitsgründen nicht dringend ein Geländer um die Stege bauen? 

10. Wäre es angesichts der Gefahrenlage nicht angeraten, den See komplett zu sperren? 

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin, liebe Stadträtinnen und Stadträte, ich hoffe, Sie können meine Sorgen verstehen und meine oben genannten Fragen beantworten, damit ich im nächsten Jahr wieder angstfrei baden kann. 

Natürlich erkenne ich die Mühen, den Aufwand, die viele Arbeit und die sicherlich nicht unerheblichen Kosten für das Sicherheitspaket an. Aber dennoch frage ich mich immer noch, wäre es nicht einfacher gewesen, die Stege mit Leitern zu versehen und sie zu verlängern, dass sie in tieferes Wasser (zum Beispiel in eine Untiefe) führen, so dass man gefahrlos springen und die Stege benutzen kann? la

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