Einsame Kasse

Kurz vor dem Abriss: Ungekannte Stille im Penzberger Wellenbad

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Leere und Staub: Bei einer Besichtigung des Wellenbads wenige Tage vor dessen maschinellen Abbruch zeigte sich Ulrike Franz von den Stadtwerken ein wenig wehmütig.

Penzberg – Er stand da, als wollte er nach wie vor zum Zahlen auffordern: Der Kassenautomat. Er verteidigte wenige Tage vor dem Abriss im Wellenbad seinen Platz. Ein bizarres Bild, das sich da vor Ulrike Franz von den Stadtwerken und Bauleiter Adomas Reizmanas in dem verlassenen Bad auftat. 

Die Decken sind freigelegt, Mauern herausgebrochen, Glasfronten entnommen und alle Räume geleert. Nach der Entrümpelung folgt gerade die Entkernung, „wobei alles bis zum Rohbauzustand entfernt wird“, erläutert Reizmanas. Säcke mit Bauabfällen türmen sich dort, wo einst nach einem Bad in den Wellen oder einem Hecht vom Sprungturm gespeist wurde. Ulrike Franz betritt die Räume der ehemaligen Gaststätte, sie sind nicht wiederzuerkennen. „Alles weg“, sagt Franz. Sie blickt in die Küche, in den Kühlraum und schließlich in den Gastraum, an dessen Wänden das Orange an vielen Stellen abgeblättert ist. Dann steuert sie auf das Wellenbecken zu. Ein Blick nach links und sie starrt auf eine Plastikplane, aufgespannt auf einem Holzgestell. Unter dem kabinenartigen Konstrukt liegt das einstige Kinderplanschbecken versteckt. Nicht die einzige isolierte Stelle an diesem Ort. Eine Schadstoffsanierung werde dort vorgenommen, erklärt Reizmanas und zählt auf: „Küche, Kinderbecken, Umkleide, Sauna.“ Dort, wo Asbest gefunden wurde. „Überall, wo die grauen Fliesen waren“, weiß Franz. Rund 40 Proben des Fliesenklebers waren genommen worden, um die betroffenen Stelle ausfindig zu machen. Selbst Nachproben, die jedoch keine weiteren Belastungen aufdeckten, wurden durchgeführt. Nun wird der giftige Faserstoff entfernt. 

Leere und Stille im Penzberger Wellenbad

Kurz vor dem Abriss: Ulrike Franz von den Stadtwerken und Bauleiter Adomas Reizmanas besichtigen Penzberger Wellenbad © ra
Kurz vor dem Abriss: Ulrike Franz von den Stadtwerken und Bauleiter Adomas Reizmanas besichtigen Penzberger Wellenbad © ra
Kurz vor dem Abriss: Ulrike Franz von den Stadtwerken und Bauleiter Adomas Reizmanas besichtigen Penzberger Wellenbad © ra
Kurz vor dem Abriss: Ulrike Franz von den Stadtwerken und Bauleiter Adomas Reizmanas besichtigen Penzberger Wellenbad © ra
Kurz vor dem Abriss: Ulrike Franz von den Stadtwerken und Bauleiter Adomas Reizmanas besichtigen Penzberger Wellenbad © ra
Kurz vor dem Abriss: Ulrike Franz von den Stadtwerken und Bauleiter Adomas Reizmanas besichtigen Penzberger Wellenbad © ra
Kurz vor dem Abriss: Ulrike Franz von den Stadtwerken und Bauleiter Adomas Reizmanas besichtigen Penzberger Wellenbad © ra
Kurz vor dem Abriss: Ulrike Franz von den Stadtwerken und Bauleiter Adomas Reizmanas besichtigen Penzberger Wellenbad © ra
Kurz vor dem Abriss: Ulrike Franz von den Stadtwerken und Bauleiter Adomas Reizmanas besichtigen Penzberger Wellenbad © ra
Kurz vor dem Abriss: Ulrike Franz von den Stadtwerken und Bauleiter Adomas Reizmanas besichtigen Penzberger Wellenbad © ra

Maschinengebläse ist an den Konstruktionen zu hören. Eines der wenigen Geräusche, das noch über die Fliesen hinwegrauscht. Ansonsten ist es ziemlich still, nur hie und da huscht ein Bauarbeiter vorbei. Eine millimeterdicke Staubschicht auf dem Boden scheint wie eine Lärmdämmung zu wirken. „Die Fliesen können drin bleiben“, meint Reizmanas nüchtern und blickt nach unten, um sogleich nach oben zu schauen. „Die Dachkonstruktion wird beim maschinellen Abbruch entfernt“, ergänzt der Bauleiter. Die Augen von Ulrike Franz wandern zu den Kacheln des Wellenbeckens. Sie haben unter all dem Dreck an Farbe eingebüßt. Tristesse statt Türkis. Ein wenig Sonnenlicht scheint ins Innere, kein Glas bricht die Strahlen, denn die Fenster wurden bereits herausgebrochen. Die Frau von den Stadtwerken erblickt nun das rot-weiß gestreifte Absperrband, das den Zugang zu dem riesigen Becken unterbindet. Dann geht sie weiter. Die grüne Tür des Elektroraums steht weit offen. Innen sind sämtliche Kästen entmantelt und Rohre abisoliert sowie von Abdichtungen befreit. „Alles weg“, sagt Franz, die nach einem wenige Sekunden dauernden Rundumblick den Raum wieder verlässt, um entlang der Spinde zu den Umkleiden zu gehen. Verlassen baumeln die Schlüsselbänder an den Schließfächern herunter. Geöffnete Türen gewähren Einblicke in das leere Innere. 

Wo die Umkleiden vor rund sieben Wochen, kurz bevor das Bad der Baufirma übergeben wurde, einst standen, lässt sich nur noch erahnen. Löcher in den cremefarbenen Fliesen zeigen, wo die Kabinen verankert waren. An der Wand hängen noch die Spiegel über den Waschbecken, kein bisschen schief. Daneben hat sich der orangefarbene Haartrockner auf der Mitte der Schiene positioniert. Mitten im Raum halten sich die gelben Heizkörper an Leitungen von der Decke fest, sie haben die Bodenhaftung verloren. „Alles weg“, sagt Franz und geht weiter. Plötzlich muss sie lächeln, als sie in einem Gang eine zurückgebliebene Plastikpflanze erblickt. Die einzige vergessene Dekoration weit und breit. Heller wird ihr Lächeln, als sie in das Foyer tritt. „Der Kassenautomat ist noch da“, ruft sie und passiert die arbeitslos gewordenen Schrankenanlagen. Ulrike Franz steht nun vor dem alten Automaten, ein wenig verdutzt, dass der Kasten noch immer den Platz für sich beansprucht. 

„Wenn die Asbestsanierung fertig ist“, unterbricht Reizmanas die Stille, „dann werden die Einhausungen abgebaut und der Asbest entsorgt.“ Schließlich folgt der Abbruch. „Bis auf minus eineinhalb Meter“, so der Bauleiter, „dann wird das Ganze mit Kies aufgefüllt.“ Dann ist nichts mehr übrig von dem Bau, in dem jahrelang geplanscht, geschwommen und gelacht wurde. „Es war überwiegend eine Holz- und Glaskonstruk­tion“, sagt Ulrike Franz, die nun vor dem Gebäude steht und darüber spricht, als ob es schon verschwunden wäre, so wie fast alles im Inneren. ra

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