Schutzengel im Stress

Mitglieder der Lawinenkommissionen beklagen Unbelehrbarkeit und Leichtsinn

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Hoffen auf die Vernunft der Skifahrer und Tourengeher: Toni Stowasser vom Tölzer Landratsamt (links) und Hans Konetschny von der Lawinenwarnzentrale.

Bad Heilbrunn – Die Lebensweisheit „Wer nicht hören kann, muss fühlen“ mag abgedroschen klingen. Was die alltägliche Ignoranz von Warnungen und Maßnahmen bei Schnee und Eis angeht, wissen die Mitarbeiter von Lawinenwarndienst, Polizei oder Bergwacht nur zu gut etwas mit der Redewendung anzufangen.

Die Zahl der Tiefschneefahrer und Tourengänger wächst – und damit auch die Gefahr von Lawinenunglücken. Oft werden die Risiken unterschätzt: Denn Lawinen können nicht nur in den strengen Wintermonaten abgehen, sondern auch bis weit ins Frühjahr und zum Teil in den Sommer hinein. Bei der alljährlichen Besprechung des Lawinenwarndienstes im Bad Heilbrunner Gasthof Reindlschmiede standen natürlich noch einmal die starken Schneefälle des vergangenen Winters und deren Folgen im Mittelpunkt. Einvernehmen herrschte dabei über die zunehmende Ignoranz von Pistensperrungen und Warnhinweisen. Das, was sich oft auf der Straße abspielt, nämlich Rücksichtslosigkeit, Missachtung und Egoismus, finde zunehmend sein Pendant in den Bergen als Spiel-, Sport- und Spaßarena.

„Dabei beobachten wir auch mit Sorge die wachsende Selbstüberschätzung vieler Wintersportler und das naive Vertrauen, dass einen irgendwer schon retten wird, wenn denn doch etwas passiert“, beklagte Toni Stowasser, im Tölzer Landrats­amt zuständig für Sicherheit und Ordnung. An der Versammlung nahmen auch Hans Konetschny, Leiter der Lawinenwarnzentrale, sowie die Obmänner der Lawinenkommissionen aus Kochel, Lenggries und Fall, Mitglieder der Bergwachten, Vertreter von Berg­bahnen, Gemeinden, Polizei sowie von Staatlichem Bauamt und Wasserwirtschaftsamt teil. 

Lorenz Kellner von der Tölzer Polizei hatte noch hautnah das Unglück am Brauneck präsent, bei dem drei Wintersportler am Dreikönigstag 2019 eine Lawine ausgelöst hatten. Vor allem ein Mann hatte dabei einige Portionen mehr Glück als Verstand: er wurde von der Lawine verschüttet und mehr durch Zufall noch rechtzeitig gefunden, weil er mit keinerlei Ortungs- oder anderer Sicherheitstechnik ausgestattet war. Das Trio war trotz Lawinenwarnstufe vier sowie Sperrungen zu einer Tour aufgebrochen. Gegen das auferlegte Bußgeld legten die drei Männer zunächst Widerspruch ein, so dass die Fälle vor Gericht landeten. Erst vor wenigen Wochen nahmen sie nach zähen Verhandlungen den Widerspruch zurück und müssen nun für ihr Vergehen bezahlen. 

Ein anderer Fall, der alle Anwesenden sprachlos machte, handelte von einem Skitourengeher, der eine Sperrung umging und so in eine Lawinensprengung geriet. Anstatt froh zu sein, sie unbeschadet überstanden zu haben, beschwerte er sich anschließend im Tal darüber. Die dabei hinterlegten Personenangaben bescherten dem Mann eine Anzeige und ein saftiges Bußgeld. 

Konetschny und Stowasser appellierten noch einmal eindringlich an alle Wintersportler, ihren Schutzengel nicht unnötig zu strapazieren. Das bedeutet, Sperrungen ernst zu nehmen, nicht abseits der gesicherten Pisten zu fahren und sich als Tourengänger regelmäßig über den Lawinenlagebericht zu informieren. sg

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