Lebendige Durchmischung

Ehemalige Leonardisklinik soll Wohnraum für Senioren, Familien und Pendler weichen

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Ist demnächst wohl ein Fall für die Abrissbirne: die ehemaligen Leonardisklinik, die mehreren Gebäuden weichen soll.

Bad Heilbrunn – Ein Abriss der ehemaligen Leonardisklinik wird immer wahrscheinlicher. Das ursprüngliche Vorhaben, in der Villa Grundler spezielle Wohnangebote für Senioren zu etablieren, wird sich wohl nicht umsetzen lassen. Verschiedene Vorgaben zum Brandschutz und zur Barrierefreiheit sind in dem vor über hundert Jahren als Vorzeigeprojekt des bayerischen Architekten Gabriel von Seidl errichteten ehemaligen Klinikgebäude einfach nicht umsetzbar. Stattdessen sollen auf dem rund ein Hektar großen Areal nun neben Wohneinheiten für betreutes Wohnen und Pflegebedürftige auch Reihenhäuser für Familien und sogenannte Boarding Houses entstehen. 

Bürgermeister Thomas Gründl muss einige auf ihn zukommende Veränderungen erst einmal verdauen. In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses setzten sich seine Gemeinderäte und er damit auseinander, dass die ehemalige Leonardisklinik für die angedachte Nutzung als Seniorendomizil nicht zu retten ist. Auch das ursprüngliche Konzept, nur besondere Wohnformen für Senioren anzubieten, wird sich wohl nicht verwirklichen lassen. Johann Thierer und Christian Smola von der MTB Wohn- und Gewerbebau aus Günzburg stellten dem Gremium ihr neues Bebauungskonzept vor, das auf eine lebendige Durchmischung des großen entstehenden Wohngebiets setzt.

Um die Vorgaben zur Barrierefreiheit und die Auflagen des Brandschutzes umsetzen zu können, würde in der ehemaligen Klinik so ziemlich alles zum Problem: der zu kleine Lift, das enge Treppenhaus, die niedrige Deckenhöhe der Räume. Selbst wenn das komplette Gebäude entkernt würde, eigne sich die Kubatur einfach nicht für Wohneinheiten, die den Ansprüchen für Senioren gerecht werde. „Neu zu bauen wäre da billiger, als die Villa Grundler zu sanieren“, lautete das ernüchternde Urteil von Thierer. 

Stattdessen setzt der Bauträger aus Schwaben auf Wohndynamik und Wandlungsfähigkeit. Was Thierer und Smola darunter verstehen, kostete Gründl und seine Gemeinderäte viel Vorstellungskraft, denn das Areal soll im Wesentlichen drei verschiedene Wohnkonzepte vereinen. Zum einen sollen sowohl großzügige Reihenhäuser für Familien als auch sogenannte Boarding Houses gebaut werden, in denen 15 „hochwertig vollmöblierte Appartements“ (Thierer) untergebracht sind. Diese Singlewohnungen sollen vor allem für Berufspendler, Arbeitssuchende oder Schulungsgäste zur Verfügung stehen, „also Menschen, die sich nur vorübergehend bei uns aufhalten“, erklärte Smola. 

Drei miteinander durch Wintergärten und Begegnungsflächen verbundene Gebäude sind darüber hinaus für das betreute Wohnen von Senioren und pflegebedürftige Menschen vorgesehen. Dazu soll auf der Fläche auch Platz für Sozialräume und eine Praxis geschaffen werden. „Einen Träger dafür haben wir allerdings noch nicht“, räumte Thierer ein. Wie bei anderen Projekten etwa in Garmisch-Partenkirchen und Penzberg habe sich dieses Konzept bewährt, und zur richtigen Zeit sei auch ein Dienstleister gefunden worden. Bei dieser Variante müsste sich – sollte die MTP-Planung umgesetzt werden – Gründl von seiner Idee des reinen betreuten Wohnens verabschieden. Ihm läge vor allem am Herzen, der Vereinsamung im Alter durch alternative Wohnformen entgegenzuwirken,betonte er. 

„Genau das wollen wir auch“, bekräftigten Thierer und Smola. Sie erklärten darüber hinaus, dass von dieser Art des Wohnens nicht nur die Senioren profitierten. Viele ältere Menschen würden von ihren zumeist unterbelegten und nicht altersgerechten Einfamilienhäusern gerne in eine barrierefreie Wohnanlage ziehen, sagten sie bei der Präsentation. „In Penz­berg beispielsweise haben wir 24 Wohnungen vermieten können, weil 17 größere Grundstücke mit Einfamilienhäusern frei wurden“, erklärte Thierer. Diese maßvolle Nachverdichtung erspare zudem das Bauen auf grüner Wiese und reduziere Flächenversiegelungen. 

Diskussionsbedarf zeigte sich aber bei der Frage nach den Stellplätzen. In zwei Tiefgaragen sollen 50 bis 60 Fahrzeuge untergebracht werden. Darüber, inwiefern Senioren und Pflegebedürftige auch Parkplätze benötigten, wurden sich die Gemeinderäte nicht ganz einig. „Wir haben genügend Spielraum für 14 weitere Parkplätze im Außenbereich“, versuchte es Thierer mit einer Lösung. Dass auch nur ein „Schneelager“ vorgesehen sei, wurde von Bürgermeister Gründl ebenso kritisiert wie der Umstand, dass der Plan nur eine Zufahrt zum Wohngebiet beinhalte. „Lieber wäre es mir, man könnte zur anderen Seite wieder rausfahren“, sagte der Rathaus­chef. Josef Schwaller (CSU) wiederum sorgte sich um den Frieden in der Nachbarschaft. „In naher Zukunft geht‘s dort rund mit Kinder- und Verkehrslärm“, sagte er. 

Beschlüsse wurden vom Bauausschuss keine gefasst. Man wolle die neuen Erkenntnisse, vor allem zu den Zufahrtsmöglichkeiten, den Schneeräumplätzen, der Nutzung und der leicht veränderten Geschoßflächenzahl erst einmal auf sich wirken lassen. Mit Blick auf eine lange Bauzeit stellte Gründl jedoch Entscheidungen noch in diesem Jahr in Aussicht. sg

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