Debatte im Gemeinderat

Bichl: Ortszufahrt bleibt offen

Blick auf die südliche Ortszufahrt nach Bichl.
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Die südlich Ortszufahrt bleibt offen und wird nicht probeweise gesperrt.

Bichl - Der Durchgangsverkehr nervt viele Bichler. Ihm Gemeinderat fiel dennoch eine testweise Sperrung der südlichen Ortszufahrt durch.

Gute 20 Jahre ist es her, da rollte der ganze Schwerverkehr der B472 durch Bichl. Seit August 2000 gibt es die Umgehungsstraße. Auch im Rahmen der Dorfererneuerung wurde baulich einiges verändert, etwa durch Pflastersteine und Verkehrsinseln. Damit, so die Hoffnung, würden Autofahrer rücksichtsvoller sein beziehungsweise gleich die Umgehung nutzen. Doch so ganz ging die Rechnung nicht auf. Immer wieder mal üben sich die Bichler Gemeinderäte darin, dem anhaltend hohen Verkehrsaufkommen Einhalt zu gebieten. Und jedes Mal scheitern die Bemühungen, und alles bleibt beim Alten. So auch nun in der Sitzung des Gremiums.

7000 Fahrzeuge wochentags

„Im Rahmen unserer September-Klausur-Tagung hatten wir beschlossen, ein Verkehrsgutachten beim Straßenbauamt in Auftrag zu geben“, informierte Bürgermeister Benedikt Pössenbacher (UBB). Die Messung ergab, dass die Zahl der durch den Ort rollenden Fahrzeuge wochentags bei rund 7000 liegt. An den Wochenenden sind es rund 2000 Fahrzeuge weniger. „Dabei gab es keinen Unterschied zwischen Tagen mit schönem und schlechtem Wetter“, zeigte sich Pössenbacher über die Messergebnisse verwundert. Eine weitere Erkenntnis der Untersuchung: Die Duchfahrt von Süden durch den Ort ist stärker frequentiert als aus nördlicher Richtung. In einer ersten Überlegung plädierten einige der Räte für eine Einbahnstraßenregelung oder die Verlegung der südlichen Einfahrt – zwei Vorschläge, von denen zumindest Letzterer schnell verworfen wurde. Die Idee der Einbahnstraße wurde kontrovers diskutiert. Während einige der Räte fürchteten, sich und vor allem den Gewerbetreibenden damit zu schaden, indem die Wege komplizierter würden, sah Pössenbacher keine Nachteile für den Handel: „Wir haben hier einen so guten Bäcker und Metzger, dafür nehmen die Kunden gern einen Umweg in Kauf“, befand der Rathauschef. Auch die oft ins Feld geführte „Zone-30-Lösung“ fand vor allem bei Pössenbacher wenig Widerhall: „Die 30er-Diskussion hatten wir doch schon“, wiegelte der Bürgermeister ab. Das Verkehrsaufkommen lasse eine solche Lösung nicht zu.

Testphase als Vorschlag

Ebenso der Vorschlag, zumindest am nördlichen Ortsende für Linderung des Problems zu sorgen, indem einfach das Ortseingangsschild Richtung B 11 verlegt werde, überzeugte Pössenbacher nicht. „Wir können die Tafel nicht problemlos verschieben, wenn da gar keine Bebauung mehr ist“, winkte er ab. Gemeinderat Andreas Zander schlug ein Tempo-60-Schild in Höhe des Netto-Marktes vor: „Vielleicht ist die Ortseinfahrt zumindest von Norden für Manche nicht mehr so attraktiv, wenn das Navi hier ein Tempolimit vorgibt“, unterstrich Zander seine Idee. Pössenbacher versprach, diese Möglichkeit zu prüfen. Weitaus mehr Fürsprecher konnte der Vorschlag, die südliche Zufahrt zumindest testweise zu sperren, verbuchen. „Ich finde, wir sollten es wenigstens mal zwei Wochen lang probieren“, befand Pössenbacher. Zustimmung fand die Idee von einem Teil des Gemeinderats: „Wir sollten schauen, inwiefern die Testphase zu einer dauerhaften Reduzierung des Verkehrsaufkommens in Bichl führt“, so der Bürgermeister weiter.

Knapp abgelehnt

Werner Krönauer hingegen war skeptisch: „Gerade die Einheimischen aus Kochel oder Benediktbeuern nehmen die Ortsdurchfahrt, um nach Penzberg oder Bad Tölz zu gelangen.“ Und die seien es auch, die dann die Alternative beispielsweise über Obersteinbach nehmen, „zumindest, wenn sie nach Bad Tölz oder Königsdorf fahren wollen“. „Warum fragen wir nicht einfach die Bürger“; warf Xaver Bauer ein. Vielleicht hätten ja drei Viertel der Bichler gar kein Problem mit dem Verkehr durch ihren Ort. Rathauschef Pössenbacher ließ abstimmen: Mit sieben zu sechs Stimmen wurde der Vorschlag, testweise die südliche Ortszufahrt zu sperren, abgelehnt. Sandra Gerbich

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