Säen mit Weitblick

Penzberger Naturschützer wollen heimische Wildblumen sehen

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Darauf fliegen nicht nur Schmetterlinge: Der Nektar von Margeriten lockt auch Honig- und Wildbienen an.

Penzberg – Tütchen auf, Saat raus und abwarten. Klingt einfach, ist es aber nicht. Wer den Insekten etwas Gutes tun möchte und in seinem Garten Samen in die Erde streut, aus denen bienenfreundliche Blumen wachsen sollen, der muss bei der Wahl des Tütchens genau aufpassen.

„Viele Samentütchen, die im Handumdrehen ein knallbuntes Meer von Blumen für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge verheißen, halten nicht immer, was sie versprechen“, weiß Hannelore Jaresch von der Penzberger Ortsgruppe des Bund Naturschutz. 

Der Wille ist da, aber an der Ausführung hapert es gelegentlich. In zahlreichen Penzberger Gärten werden im Frühjahr Samen in die Erde gesetzt, die eine naturnahe Blumenwiese versprechen. Artenvielfalt verheißende lange Stängel anstelle eines kurz getrimmten Rasens. Doch ein genaues Auge sollte darauf geworfen werden, zu welchem Tütchen man greift, um nektar- und pollenreiche Blüten zu erhalten. „Geworben wird oft mit einem schnellen, problemlosen Aufgehen der Saat von meist einjährigem Blütenflor“, weiß Jaresch. Auch der Bauhof setze auf eine solche Saat, dem „Eschweger Blütenzauber“, um es auf kleinen Verkehrsinseln und schmalen Straßenrändern bienenfreundlich blühen zu lassen. Die Pflänzchen seien „im ersten Jahr sehr bunt und blühen für viele Blumenfreunde sehr attraktiv, müssen jedes Jahr aber neu eingesät werden“, betont die Naturschützerin. 

Doch nicht allein der Aufwand gibt Jaresch zu denken, denn diese Saatmischungen seien darüber hinaus „überwiegend Zuchtformen oder fremdländische Samen“, die den heimischen „Wildbienen kaum Nahrung bieten“. Wer nun glaubt, die Insekten seien da flexibel und nicht allzu wählerisch, der irrt: „Da sich die meisten Wildbienen in Laufe der Evolution auf ganz bestimmte Blüten spezialisiert haben, profitiert höchstens die nicht vom Aussterben bedrohte Honigbiene von dem ein oder anderen Exemplar des Blütenzaubers“, sagt Jaresch. Doch eben nicht allein die Honigbienen, sondern auch die Wildbienen sind für die Bestäubung von knapp 90 Prozent der Blütenpflanzen und 75 Prozent aller wichtigen Nutzpflanzen von großer Bedeutung. 

Dass der Bauhof und damit die Stadt eine Samenmischung anbietet, auf welche die Wildbienen nicht fliegen, bedauert der Tierschützerin: „Jeder Gartenbesitzer und jede Kommune, die mehr gegen das Verschwinden unserer Insekten tun will, sollte Wildblumensamen aus regionalem Saatgut mit Qualitätssiegel verwenden“. Vorstellig geworden ist die Naturschützerin mit ihrem Anliegen beim Bauhof bereits. Doch dort habe man ihr gesagt, dass die Samen schön aufgehen würden und sehr beliebt bei den Penzbergern seien. Schließlich habe man ihr geraten, mit ihrem Anliegen Kontakt zu Andreas Wowra, in der Stadt zuständig für Klimaschutz und Grünordnung, aufzunehmen. 

Doch selbst wenn die Stadt weiterhin auf den „Eschweger Blütenzauber“ setzen sollte, so kann Jaresch zumindest auf die privaten Gärtner hoffen, denen sie auch verrät, wie sich eine Samenmischung am besten auf Rasen aussäen lässt. Zunächst müsse der Boden umgegraben, von Unkraut und Wurzeln befreit und zu fein­krümeliger Erde verarbeitet werden. Danach können die Samen hinein­gestreut werden. Anschließend müsse die Fläche festgewalzt werden, hierfür könne eine Schaufel oder auch ein Brett verwendet werden. Dann „muss die Erde feucht gehalten werden“, sagt Jaresch, ehe nach etwa sechs bis acht Wochen die Samen zu sprießen beginnen. Theoretisch können Samen der Margeriten, Wilden Möhre, Schafgarbe, Glockenblume oder auch des Wiesensalbeis, die allesamt nicht nur Honigbienen, sondern auch Wildbienen und Schmetterlingen gefallen, im kommenden Jahr noch einmal keimen, wenn entweder rücksichtsvoll, „nur zweimal im Jahr, im Juni und September“, oder überhaupt nicht gemäht werde, erklärt Jaresch. ra 

Wer wissen will, wo sich gebietseigene Wildblumensamen kaufen lassen, der kann sich an die Ortsgruppe Penz­berg des Bund Naturschutz unter Tel: 08847/698602 wenden.

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