Ewige Gegenwart

„Neun Monate“: Markus Kunas zeigt in der Alten Apotheke bemerkenswerte Fotokunst

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„Fotos erschaffen ihre eigene Realität“: Markus Kunas fotografiert eher beiläufig, komponiert seine Arbeiten aber wie ein Barockmaler.

Benediktbeuern – Vor ziemlich genau einem Jahr hat Markus Kunas damit begonnen, sich ernsthaft für die Fotografie zu interessieren. In den Räumen der Alten Apotheke sind nun erste, sehr bemerkenswerte Ergebnisse ausgestellt.

Die Werke machen spontan Lust auf mehr, denn diese Bilder ziehen durch ihr scheinbar mit leichter Hand hingezaubertes Spiel aus Licht und Schatten, Schärfe und Unschärfe sowie ungewohnten Perspektiven den Betrachter sofort in seinen Bann. Mit einer schlichten Ausrüstung, einer Kompaktkamera und einer Analog­kamera verwandelt Markus Kunas alltägliche Motive aus seiner Umgebung – Landschaften, Menschen, Räume – in fotografische Kunstwerke voller Tiefgang. Seine Arbeiten besitzen einen ganz eigenen Stil und Charme, der den Betrachter in einer Bildwelt versinken lässt, in der manches sichtbar ist, anderes verborgen bleibt und die Geschichten zu erzählen scheint. 

Der Fotograf eröffnet die Vernissage ohne viele Worte. „Deshalb mach ich Fotos, damit ich nicht so viel reden muss“, meint Markus Kunas und überlässt einer langjährigen Freundin die Einführung in die Ausstellung. Eine gute Wahl, denn Martina Singer versteht es vortrefflich, die Wirkung der Bilder in Worte zu kleiden. Die Münchner Künstlerin spricht von der malerischen, dichten Atmosphäre, von der menschlich-emotionalen Ebene, von Intimität und zugleich weitem Blick in den Werken. Ihr Lieblingsbild, zwei Kinder an der geöffneten Haustüre, aus der etwas Licht in die schwarze Nacht fällt, erinnere sie an die Alten Meister wie den französischen Barockmaler Geor­ges de la Tour, schwärmt Singer. „Man hat das Gefühl, es passiert etwas unglaublich Wichtiges“, fasst sie die Stimmung der Szene zusammen. Ein anderes Bild zeigt Spaziergänger auf einem stillgelegten Flugfeld und erinnert vom Licht und der Komposition her an die Romantik eines Caspar David Friedrich. „Es hat was Überzeitliches, als ob zu allen Zeiten Leute immer das Gleiche gemacht haben, eine Art ewige Gegenwart“, findet Singer. 

In der Tat wirken viele Werke des 36-Jährigen wie aus vergangenen Tagen, ein Resultat bewusst eingesetzter Effekte wie Unschärfe, von schwarzen Balken eingerahmten Panoramen, Doppelbelichtung oder grober Oberflächenstruktur des Trägerpapiers. Als Tanztherapeut kennt Kunas zudem die Wirkung von Menschen im Raum, nutzt deren Anordnung, Bewegung und nonverbale Kommunikation für seine Bildkomposition. Dabei inszeniert er nichts, sondern fotografiert spontan und bewegt sich dabei mit seiner Kamera so beiläufig, dass er oft gar nicht als Fotograf wahrgenommen wird. „Meine Bilder sind nicht unbedingt meine Bilder, sondern durch meine Beziehung zur Welt entstanden oder durch meine Beziehung zu mir selbst“, philosophiert Kunas. Ihm gefalle die Vorstellung, dass seine Bilder mehr wissen als er, dass sich in ihnen etwas zeige, was er vorher nicht geplant oder bewusst gesucht habe, sondern was erst im Nachhinein einen möglichen Sinn oder eine Geschichte offenbare. „Fotos erschaffen ihre eigene Realität“, findet er und sieht die Herausforderung für sich darin, mit der Kamera kompositorisch und atmosphärisch das Besondere einzufangen, das über den Augenblick hinausgeht. 

Die Kompaktkamera, die er während der ersten neun Monate verwendete, hat übrigens ausgedient, stattdessen hat der Künstler sich eine spiegellose Systemkamera zugelegt und damit gleich die Vernissage festgehalten. Seine Analogkamera behält er hingegen, denn anders als bei der digitalen Fotografie müsse man hier schon genau überlegen, ob es sich lohnt abzudrücken. „Jeder Klick einen halben Euro“, schmunzelt Kunas und vermutet, dass genau dieses Abwarten auf den richtigen Moment am richtigen Ort und zur richtigen Zeit den besonderen Zauber seiner Bilder ausmacht. In den Ausstellungskatalog sollte man ebenfalls unbedingt einen Blick werfen, dort gibt es noch weitere der die in den neun Monaten zwischen September 2018 und Mai 2019 entstandenen Bilder. Erklärende Bildtitel sucht man übrigens sowohl im Katalog als auch an den Wänden vergeblich. Seine Fotos brauchen keine Titel, findet Kunas, denn „Bilder kommen ja gerade ohne Worte aus.“ 

Die Ausstellung „Neun Monate“ ist noch bis 6. Oktober freitags von 16 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr in der Alten Apotheke (Kocheler Str. 14) zu sehen. Der Eintritt ist frei. Auf Anfrage sind alle Bilder in allen Größen käuflich zu erwerben. cw

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