Keine Geldwechselmaschine

Der Passauer Bischof Stefan Oster weiht den neuen Benediktbeurer Klosterladen ein

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Mit Weihwasser zwischen Sweatshirts und Gin: Bischof Stefan Oster, mit Klosterladenleiterin Simone Spohr im Schlepptau, segnet die neuen Räume, in denen das Sortiment bei der Wiedereröffnung sehr gut ankam.

Benediktbeuern – Vom Glaskubus auf dem Großparkplatz bis zu den Klosterwelten – viele Ideen waren in den vergangenen Jahren in die Überlegungen zur Modernisierung des Benediktbeurer Klosterladens eingeflossen. Am Samstag war es die vermeintlich „kleinste Variante“ von allen, die begeisterte.

Dort, wo vor genau 40 Jahren der Klosterladen neu eröffnet wurde, feierten nun rund 200 Stammkunden, Klosterbesucher, Salesianer und Mitarbeiter, darunter auch der Passauer Bischof und Salesianerpater Stefan Oster, die Wiedereröffnung, Einweihung und Segnung der komplett renovierten und modernisierten Räume. 

Für Oster war es ein „Heimatbesuch“, wie er sagte. Schließlich wirkte er an der ehemaligen Philosophisch-Theologischen Hochschule als Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte, war zudem Pressesprecher des Klosters. Schon deshalb war es ihm ein Anliegen, die Segnung für den Klosterladen vorzunehmen. Bereits am Vorabend hatte Oster eine Lesung aus seinem neuen Buch „Credo“ bestritten. Nun stand also die Segnung des Ladens an. Er selbst habe dort Unmengen an Literatur erworben, „für mich als bibliophilem Menschen war das die erste Anlaufstelle“, erinnerte er sich im voll gefüllten Foyer vor dem Klosterladen. Dabei ging Oster weiter auf den Begriff der Schönheit ein, „diese hat den Sinn tiefer Zwecklosigkeit“, eben einfach weil sie erfreue. Und diese zweckfreie Schönheit könne man nun im Klosterladen finden. Denn die Menschen, die das Kloster besuchten, wollten etwas mitnehmen von diesem besonderen Ort. „Ein Erinnerungszeichen“, so Oster. 

Klosterdirektor Lothar Bily betonte, dass man in einem Klosterladen zunächst eine weitere Einnahmequelle für das Kloster sehen könnte. „Aber das wäre zu flach gedacht.“ Denn der Laden erfülle drei zentrale Aufgaben: Die Formung und Bildung des Menschen über ein reichhaltiges Angebot an Literatur, die Heilung des Menschen, schließlich seien Klöster immer auch ein Ort der Pharmazeutik gewesen, sowie die Heiligung des Menschen über den klassischen Devotionalienhandel. Und so sei der Klosterladen ein Ort für die Achtung der Schöpfung. „Schon deshalb ist es gut, dass wir ihn heute so würdig einweihen“, erklärte Bily.

Simone Spohr, die Leiterin des Klosterladens, widersprach da nicht. Sie erinnerte an die lange Diskussion im Vorfeld der Umbauarbeiten. Da sei ein Glaskubus am Großparkplatz ebenso im Gespräch gewesen wie eine Erweiterung oder ein Laden in den Klosterwelten. Dass es nun eine kleinere Variante wurde, wollte Spohr so nicht sagen: „Es ist vielmehr eine großartige Variante.“ Die neue Optik, so Spohr, spiegele die Wärme und Herzlichkeit wider, die dieser Ort mit sich bringe. 

Ein neues Augenmerk im Verkauf liegt auf christlichem Schmuck. In einer Vitrine im Eingangsbereich finden sich Armbänder, Ketten und Ringe wieder. Das Besondere: Bei den Schmuckstücken handelt es sich um Fairtrade-Produkte. „Nachhaltigkeit und Regionalität sind uns sehr wichtig“, betonte Spohr. Neben den klassischen Devotionalien wie Kreuzen oder Rosenkränzen nehmen auch Klosterprodukte wie Honig, Schnaps und Bier einen großen Teil der Verkaufsfläche ein. Und auch das Religiöse kommt nicht zu kurz: Hochzeit, Taufe oder Erstkommunion sind eigene Themenbereiche in den Regalen und auf den Tischen. Neben theologischer Literatur gibt es auf 86 Quadratmetern auch Belletristik und Kinderbücher. Insgesamt umfasst das Sortiment stattliche 50.000 Produkte. 

Für die Don Bosco Medien GmbH in München, seit gut zwanzig Jahren Betreiber des Klosterladens, ist der Umbau eine gelungene Investition in die Zukunft: „Wir haben unser Angebot nicht primär touristisch ausgerichtet, so wie es andere Klöster tun, sondern vor allem darauf geachtet, dass wir im Sinne des Klosters Produkte anbieten, die wertvoll sind – nicht im materiellen Sinne, sondern sinnstiftend“, fasste Geschäftsführer Stefan Höchstädter das Konzept zusammen und bestätigte, was Klosterdirektor Pater Lothar Bily zu Beginn der Feierstunde definiert hatte: „Klöster sind Sinnstifterorte.“ Und deshalb sei der Klosterladen eben „keine Geldwechselmaschine“ nach dem Motto „Ware gegen Geld“, so Höchstädter. 

Während die Erwachsenen nach der Segnung der Räume durch Bischof Oster durch den Klosterladen stöberten, gab’s für die Kinder ein Zauberprogramm. Zwei Magier boten moderne Zauberkunst und erzählten von Don Bosco und seiner Magie, die junge Menschen schon vor mehr als 170 Jahren in ihren Bann zog. dd

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