Beelzebub auf dem Stuhl

Tag der offenen Tür in Rathaus und Rathauspassage lockt viele Penzberger an

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Da sitzt er nun: Andreas Vetter hat den Bürgermeisterstuhl belegt, ein Bild mit Symbolkraft, das weiß auch Elke Zehetner.

Penzberg – Orange und rot leuchtete der Stadtplatz, doch es war kein Feuer, dass für diese Farbpracht sorgte, sondern der stattliche Fuhrpark von Feuerwehr und Bauhof. Die Farbe Blau erregte dagegen im Bürgermeisterzimmer Aufmerksamkeit, am Tag der offenen Tür in Rathaus und Rathauspassage. 

Der Stuhl ist ihr heilig, da darf nicht jeder rauf. Als neulich die Stadträte Sacher und Eberl im verwaisten Amtszimmer der Bürgermeisterin ein paar Rechnungen prüfen sollten, da wollte ihnen Rathausgeschäftsführer Roman Reis am liebsten die Handys abnehmen. Fotos der politischen Konkurrenz auf dem Bürgermeisterstuhl? Geht gar nicht, da würde die Chefin im Dreieck springen. Wenn das Rathaus aber seine Türen öffnet und die Bevölkerung hereinbittet, wie das am Samstag der Fall gewesen war, kann man sich seinen Besuch nicht aussuchen, auch nicht den, der bei der Gelegenheit den ominösen Stuhl okkupiert. Und so war Frau Zehetner sichtlich um Contenance bemüht, als sich Andreas Vetter, der Beelzebub der SPD, der ihr, Zehetner, die Bürgermeisterkandidatur streitig machen möchte, seinen Weg durch die Menge bahnte und zielstrebig auf dem blauen Ledersessel, ihrem blauen Ledersessel, Platz nahm. 

Allerdings bestand die Attraktivität dieses Tags der offenen Tür nicht nur aus dem Büro der ersten Frau der Stadt, im Rathaus konnten alle Amtsstuben inspiziert werden, daneben in der Rathauspassage auch Bücherei, Volkshochschule und Musikschule, und auf dem Stadtplatz präsentierten die Feuerwehr und der Bauhof ihren Fuhrpark. Der Andrang war so beachtlich, dass Bürgermeisterin Elke Zehetner am späten Nachmittag beeindruckt feststellte: „Die Penzber­ger haben so viel Interesse an ihrer Stadt – da bin ich schier überwältigt.“ 

Während der Nachwuchs auf dem Stadtplatz die Hüpfburg in Beschlag nahm, führte die Bürgermeisterin durchs Rathaus. Vom Bürgerbüro gleich neben dem Eingang ging‘s ins Trauungszimmer, wo Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann über den Bund des Lebens philosophierte, und schließlich in Zehetners Amtszimmer. Neben dem blauen Stuhl stieß dort vor allem die doppelte Türe auf Interesse, die verhindern soll, dass vertrauliche Gespräche nach draußen dringen. 

Die Penzberger zeigten sich an diesem Tag sehr neugierig – und die Kleinsten unter ihnen obendrein sehr wissbegierig, wie sich beim Quiz zeigte, das eigens für den Tag der offenen Tür ausgetüftelt wurde. Um die Fragen korrekt beantworten zu können, galt es erst einmal die Abteilungen im Rathaus zu durchforsten. Dann aber konnten die Quizteilnehmer notieren, ab wie viel Jahren die Ausweispflicht besteht (ab dem 16. Lebensjahr), was seit 2018 neu ist im Bürgerbüro (Foto-Box) oder wie viele Mitglieder der Stadtrat hat (24). Apropos Stadtrat. Der stand in einer Art „Sondersitzung“ Rede und Antwort – und einige Besucher nutzten diesen Dialog auch emsig. Im Sitzungssaal wurde darüber hinaus der Film „Das Rathaus Penzberg – ein Haus mit einer bewegten Geschichte“ von Günter Bergel gezeigt, parallel dazu schilderte Altbürgermeister Hans Mummert seine Erlebnisse vom verheerenden Rathausbrand im Jahr 2009. 

Großes Interesse herrschte auch in der Rathauspassage. Im Obergeschoß zeigte Stadtbaumeister Justus Klement das Modell der Innenstadt und diskutierte über Stadtentwicklung. Im Erdgeschoß zeigten derweil verschiedene Ensembles der Musikschule ihr Können, während nebenan die Volkshochschule mit fremdsprachigen Lesungen ebenso aufwartete wie mit einer Tortenbäckerei oder Kräuterbroten. Und der Nachwuchs konnte das Stadtwappen auf kleine Holzbretter malen. Die Stadtbücherei zeigte währenddessen, wie einfach die Ausleihe von Medien aus dem riesigen Bestand funktioniert, und bot in der Passage auch noch einen Bücherflohmarkt zum Stöbern. 

Und noch was konnten Besucher mit nach Hause nehmen: Nicht nur jede Menge Eindrücke, sondern auch die Penzberger Blumensaatmischung, die im Sommer die Grünflächen im Stadtgebiet so herrlich bunt macht. Laut Bauhofchef Christian Eberl waren nachmittags über 100 Tütchen an die Bürger gebracht. Heißt: Man darf im Jubiläumsjahr schon bald auf ein buntes Penzberg hoffen. arr

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