Mahlzeit im Totholz

Weniger Geflatter, weniger Gesang: Gefährdete Vögel in und um Penzberg

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Ein Braunkehlchen auf einem Baumwipfel, ein Anblick, der immer seltener wird.

Penzberg – Eigentlich sollten bereits Ende April unter dem Motto „Kommt (k)ein Vogel geflogen“ Musik zu hören und Bilder zu sehen sein, die auf die Gefährdung der Natur aufmerksam machen. Doch die Corona-Pandemie machte die Matinee in der Stadthalle unmöglich. Das Problem mit dem verklingendem Vogelgesang aber bleibt.

Allen Beteiligten der Matinee, die Musikfreunde Penzberg und Umgebung, die Musikschule, das Gymnasium, die Grundschulen, die Regenwald AG sowie der Bund Naturschutz, war daran gelegen, auf die Veränderungen in der Natur und der Artenvielfalt hinzuweisen. Eindringlich sollten unter anderem Melodien zu hören sein, die darauf aufmerksam machen, dass andere Melodien, die mancher Vögel, verstummt sind. Das Braunkehlchen oder auch der Kiebitz sind etwa zwei Kandidaten, die sich auch hier in der Region immer seltener blicken lassen, vor allem weil sie an Lebensraum verlieren und weil sich die Landnutzung zum Beispiel durch intensive Landwirtschaft verändert hat. „Der Bestand der Kiebitze ist bis zu 90 Prozent eingebrochen“, sagt Hannelore Jaresch, die Leiterin der Penzberger Ortsgruppe des Bund Naturschutz. Die Gründe sind vielschichtig: „Feuchtwiesen werden trockengelegt, die Wiesen und Weiden werden früher und häufiger bearbeitet und stark gedüngt“, zählt die Naturschützerin einige der Ursachen auf. Wenn der Kiebitz dann in Maisfelder oder Getreideäcker ausweicht, dann kommt ihn das nicht selten teuer zu stehen, immerhin wird dort häufig mit Pestiziden gearbeitet und schwere Maschinen rollen über die Flächen. Um das Braunkehlchen steht es nicht besser, es sei „in Bayern vom Aussterben bedroht“, sagt Jaresch. Der kleine Vogel sei auf „extensiv genutztes, mäßig feuchtes Grünland, das strukturreich und von vielen Insekten besetzt und beflogen ist“, angewiesen, erklärt die Naturschützerin. 

Neben Kiebitz und Braunkehlchen werden auch Spatzen, Gartenrotschwänze, Mauersegler, Rauch- und Mehlschwalben sowie Stare immer weniger, was auf den Insektenrückgang oder den Verlust von Brutplätzen in renovierten Häusern oder modernen Laufställen zurückzuführen ist. Doch es gibt auch positive Nachrichten: „Seit einigen Jahren stabilisieren sich die Vogelbestände in Städten, Dörfern und Wäldern“, weiß Jaresch. Doch in der Agrarlandschaft eben nicht. In privaten Gärten sind stark gefährdete Vögel eher selten anzutreffen. Dennoch lassen sich grüne Oasen so gestalten, dass dem Rückgang von Amsel-, Fink- und Meisenbeständen entgegengewirkt werden kann. 

Wer Gezwitscher hören möchte, der kann einiges dafür tun, etwa von einem monotonen Einheitsrasen oder einem Kiesgarten absehen, auf Dünger und Pestizide verzichten, heimische Gewächse, die Beeren tragen, sowie pollen- und nektarreiche Stauden anpflanzen und Wildblumen aussäen. Denn dort, wo sich Insekten wohlfühlen, da wollen auch Spatzen und Buchfinken hin, schließlich „füttern fast alle Vögel ihren Nachwuchs mit Insekten“, meint Jaresch. Generell schadet es also nicht, den Garten käfer- und bienenfreundlich zu gestalten, Totholz-, Stein- und Sandhaufen anzulegen und alte Bäume stehen zu lassen. Auch Wasser behagt den Gefiederten, „denn alle unsere Vögel baden gern“, lächelt Jaresch. Kurz: In einem naturnahen Garten zwitschert es munter. ra

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