Benediktbeuern will mit unkonventionellen Akionen die Verkehrsprobleme in den Griff bekommen

Glühwein und Zitronenschnitz

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Neuralgischer Punkt: Weil der Zebrastreifen an dieser Stelle nicht genehmigt wird, fordert Benediktbeuerns Bürgermeister zumindest eine Verkehrsinsel.

Benediktbeuern – Statt  „Süßes, sonst gibt's Saures!“ könnte es auf Benediktbeuerns Straßen schon bald „Langsam, sonst gibt's Saures!“ heißen. Wenn es um geplante Problemlösungen auf dem Asphalt geht, zeigt sich die Gemeinde nämlich äußerst einfallsreich.

Mit der Beschaulichkeit des Landlebens ist es nicht weit her, wenn man sich mit dem Verkehr beschäftigt. Der öffentliche Personennahverkehr deckt lange nicht alle Wünsche lückenlos und eng getaktet ab, und Car Sharing wird auf dem Land noch zögerlich beäugt. Folge: Die meisten bewegen sich weiterhin mit dem eigenen Auto fort. Benediktbeuerns Bürgermeister Johann Kiefersauer hat deshalb für die Zukunft ein paar verkehrstechnische Brennpunkte im Blick, bei denen er die Belastung und die Gefahr für die Menschen senken will. 

Aus aktuellem Anlass hat Kiefersauer jüngst im Gemeinderat in diesem Zusammenhang den Benediktbeurer Christkindlmarkt genannt. Dabei handelt es sich um den beliebtesten und meistbesuchten vorweihnachtlichen Markt im Oberland, was auch in Sachen Verkehr nicht ohne Folgen bleibt. Auch heuer wird am zweiten Adventssonntag ab dem späten Nachmittag auf dem Markt kaum mehr ein Vorwärtskommen möglich sein. Um wenigstens einen Teil des Besucherstroms von den zugeparkten Dorfstraßen zu bekommen, unterbreitete Kiefersauer den Gemeinderäten eine Idee für das nächste Jahr. „Wir könnten jedem Besucher mit Bahn- oder Bus-Ticket seinen Einkauf auf dem Markt zu einem bestimmten Prozentsatz rückvergüten“, schlug er vor. Zur Gegenfinanzierung dieser Aktion will der Bürgermeister mobile Parkscheinautomaten aufstellen und den Autofahrern zwei Euro Parkgebühr abknöpfen. Eine weitere Überlegung sei, einen Shuttle-Service vom Großparkplatz vor den Toren des Klosterdorfs einzurichten. Kiefersauer will das Thema zunächst im Tourismus-Ausschuss diskutieren und rechtzeitig vor dem nächsten Advent den Gemeinderäten einen Lösungsvorschlag präsentieren. Die Kommunalparlamentarier waren von der Idee recht angetan, wie etwa die Reaktion von Marcus Klingler (Freie Wähler) zeigte: „Wer mit dem Bus kommt, kriegt einen Glühwein umsonst“, lautete seine spontane Idee. Ob er das am Stand des Skiclubs umsetzen wird, dessen Vorsitzender er ist, wird man im nächsten Jahr sehen. 

Der nächste Brennpunkt ist die örtliche Grund- und Mittelschule: Wohlmeinende Eltern bringen ihre Schützlinge gerne mit dem Auto zu dem etwas abgelegenen Lernort, halten sich dabei aber nicht immer an die Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern. Rathauschef Kiefersauer griff nun einen Radiobericht auf, in dem er von einer besonderen Blitzer-Aktion erfuhr. Diese wurde nämlich von Schülern selbst durchgeführt, welche den erziehungsberechtigten Rasern an Ort und Stelle einen Zitronenschnitz zur übertretenen Höchstgeschwindigkeit servierten. Frei nach dem Motto „Wer nicht hören will, muss fühlen“, soll das humorvolle, aber saure Erlebnis sich nachhaltig auf die künftige Regeleinhaltung auswirken. Kiefersauer kann sich das auch an der Benediktbeurer Schule bestens vorstellen. Dort könnten Dritt- und Viertklässler im Rahmen ihrer Verkehrserziehung solch eine Aktion gemeinsam mit der örtlichen Polizei durchführen. Auch diese Idee gefiel den Gemeinderäten, die schon um den Zitronenvorrat des örtlichen Handels bangten. 

Der letzte Punkt auf Kiefersauers Zettel war schließlich das leidige Thema Fußgängerüberweg zum Edeka-Markt. Nachdem der favorisierte Zebrastreifen vom Staatlichen Bauamt in Weilheim mehrfach abgelehnt worden sei, habe er nun als Alternative eine Verkehrsinsel gefordert, berichtete der Rathauschef. Eine Rückmeldung von Seiten der Behörde steht aber noch aus. cw

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