Eine Nacht lang die Zeit vergessen

Es geht auch zu Fuß: Knapp 2.000 Besucher feiern ohne Shuttlebus die KultUHRnacht

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Eine der 17 Locations: Im Wirtshaus zur Koinschaufe heizte die Band „Kopfeck“ dem Publikum ein.

Penzberg – Keinem Zufall ist es geschuldet, dass sich in Penzberg zum sechsten Mal die Worte Kult und Uhr mit der Nacht vereinten. Zur Umstellung auf die Winterzeit öffneten wieder die Museen, Läden und Gaststätten ihre Türen und boten ein Kulturspektakel mit Kultstatus.

„Wir haben es wieder geschafft, durch die Bank alle Altersgruppen friedlich auf die Straße zu bringen, Musikrichtungen zusammenzuführen und begeistert eine Klangnacht der besonderen Art zu feiern“, freute sich Organisatorin Iris Mühle. Einen kleinen Schatten warf nur die RVO-Panne auf die Veranstaltung, denn der Shuttlebus blieb der Veranstaltung fern. „Frau Mühle hat den Shuttlebus frühzeitig bei der Stadt Penzberg beantragt und es wurde Ihr auch der Einsatz zugesichert. Bei der Bestellung des Shuttlebusses ist ein bedauerlicher Fehler unterlaufen“, erklärt Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann. Bei sternenklarer Nacht konnte dies aber nur wenigen Besuchern die Stimmung trüben, denn die meisten machten sich zu Fuß, in Fahrgemeinschaften oder im Partybus auf die musikalische Entdeckungstour zu den 17 Locations mit 20 Liveacts. 

Traditionell begann die Nacht mit einem Benefizkonzert in der voll besetzten Christkönigkirche. Der Chor „Quo Vadis“ hatte eigens für diese Nacht ein Musicalprogramm zusammengestellt und gab bekannte Lieder, unter anderem aus „Mamma Mia“ und „Joseph und Jesus Christ Superstar“, zum Besten. Zu Beginn lauschten die Besucher noch andächtig, doch spätestens bei Abbas Super Trouper wurde mitgewippt, im Takt geklatscht und mitgesungen. „Ein perfekter Start in die Partynacht“, strahlte Iris Mühle. Am Ausgang füllten sich die Sammelgläser schnell, zur Freude der Tafel, welche den diesjährigen Erlös erhält. Wer zwischen dem ganzen Trubel ein paar Minuten der Stille suchte, der konnte sich noch bis 23 Uhr in der Christkönigkirche vom Kerzenschein der „Nacht der Lichter“ berühren lassen, der Orgelmusik oder den Taizé-Gesängen lauschen oder in meditativer Ruhe den Abend ausklingen lassen. 

Mühle hat auch in diesem Jahr wieder ihr Organisationstalent bewiesen und mit 20 Liveacts von Jazz über Rock, Comedy, Nachdenkliches bis hin zu Tanzvorführungen an 17 völlig unterschiedlichen Standorten einen wahren Kraftakt vollbracht. Im vergangenen Jahr waren es noch eine Örtlichkeit und zwei Auftritte weniger. Man hatte die Qual der Wahl, viele Grüppchen standen beieinander und diskutierten, wo es denn nun hingehen soll. 

Kultgrößen wie die rockenden Väter mit ihren Söhnen, welche als „SonPas“ wieder einmal im WeinGut anzutreffen waren, der Seeshaupter „Byron“ im Troadstadl, die „Helden der Vorstadt“ in David´s Bistro und natürlich „Spiders and Snakes“, bestehend aus Roche-Mitarbeitern, welche die stimmungsvoll geschmückte Location im Penzberger Chemiekonzern zum Kochen brachten, waren wieder am Start. Hinzu kam die Band „Bad Work Station“, die in der Umgebung jedoch keine unbekannte ist: Im Habacher Trödler feierten die Musiker jüngst ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum mit American Folk, Rock Klassikern und Rock´n Roll und waren eine perfekte Ergänzung der Roche-Rocknacht. 

Als diesjähriger Geheimtipp entpuppten sich die Jungs von „Roadstring Army“, welche in der neu hinzugewonnenen Location im Jugendzen­trum die Bühne rockten. Zwar gab es nach der ersten Band „Wild und Hungrig“ einige technische Schwierigkeiten und der Auftritt verzögerte sich um eine Dreiviertelstunde, doch das brachte die vier Musiker nicht aus der Ruhe. Kaum war der Ton da, legte Sänger Sebastian Seliger wie auf Knopfdruck den Schalter um und tobte über die Bühne. „Über den Neuzugang Jugendzentrum habe ich mich ganz besonders gefreut“, so Iris Mühle, „die haben sich so viel Mühe gegeben, dekoriert, Pizza gebacken und es geschafft, diesen neuen Platz zu etwas Besonderem zu machen.“ 

Ebenso neu im Programm waren die Aufführungen im Tanzraum. Mit einer tänzerischen Reise durch die Jahrhunderte begeisterte die „Tanzraum ­Dance Company“ mit einem abwechslungsreichen Programm die Besucher und zeigte ihr vielfältiges Können. 

Im Keller der Rathauspassage präsentierte der Pirat „Bayern´s Captain Jack“ sein verrücktes Show-Programm in den Räumen des Feinkostgeschäfts Genießer. Wo man sonst nach gutem Olivenöl oder Balsamico sucht, hatte sich der egozentrische Pirat eingenistet. Er wirbelte die Rumflaschen, Wortwitze und lustige Einlagen nur so durch den Raum und brachte jede Menge Spaß in die Piratenbar. Einen Stock höher ging es dagegen ganz leise zu. In der Stadtbücherei faszinierte Liedermacher Willi Sommerwerk das Publikum. Mit seiner weichen, ruhigen Stimme erzählte er von der ehemaligen DDR, dem Mauerfall und Penz­bergs Stadtgeschichte, welche er ausführlich vor seinem Auftritt recherchiert hatte. Zwischendurch sang er, zum Klang seiner Gitarre, Lieder, die in Bezug zu den jeweiligen Jahren standen. 

Penzbergs Museen gaben den Jazzklängen eine Heimat. So swingten das „Trio Nautico“ im Campendonkmuseum und das Duo „Bouterwek & Benke“ im Bergwerksmuseum. Lustig und bluesig ging es in der Buchhandlung Rolles zu, wo die Schweizerin Sylv Richard-Färber und Wolfgang Weise mit ihrer „Chihuahua Blues Band“ ein einzigartiges Potpourri unter dem Motto „Schwiitzertüütsch trifft Bayerisch“ zum Besten gaben. 

In Aris Taverna, im Wirtshaus zur Koinschaufe in der Stadthalle und in den Räumen der Tanzschule Martynas sowie der Cocktailbar Hoppala bildeten sich immer wieder lange Schlangen vor den Türen, um einen der begehrten Plätze im Inneren zu ergattern. Bei milden Temperaturen waren bis spät in die Nacht Besucher auf den Straßen unterwegs. 

Dem RVO-Fauxpas geht nun Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann nach. „Die Stadt hatte den Bus schon Anfang des Jahres beantragt“, so Mühle, „das so was bei einer so großen Veranstaltung passiert, war ein riesiges Drama“. In Eigenregie setzte sich Mühle in der Nacht sogar selbst hinters Steuer und pendelte kurzerhand zwischen Stadtmitte und Roche mit ihrem Privatauto. „Das hatte auch ein Gutes, denn ich kam mit vielen netten Menschen ins Gespräch“. Trotz aller Bemühungen sah sie sich jedoch wüsten Beschimpfungen am Infostand, auf Facebook und ihrer Mailbox gegenüber. „Das hat mich schon runtergezogen, doch die positiven Rückmeldungen, strahlenden Gesichter und die gute Stimmung überall haben zum Glück haushoch überwogen“, meint Mühle, die bestimmt nicht zum letzten Mal die KultUHRnacht nach Penzberg brachte. au

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