Lampenfieber und leises Lamento

Bürgermeisterwahl in Iffeldorf: Markus Degen unterliegt Hans Lang deutlich

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Man könnte fast meinen, Hans-Dieter Necker (linkes Bild links) wäre Bürgermeister geworden. Doch sein Honigkuchenpferdlächeln gilt Wahlsieger Hans Lang, mit dem sich auch Gattin Ruth freute.

Iffeldorf – Das Mienenspiel der Bürgermeisterkandidaten in Habach, Antdorf und Sindelsdorf war am Wahlabend keiner großen Herausforderung unterzogen. Keine überraschte Miene musste gezogen, keine sorgenvolle Stirn gerunzelt werden, weil die drei keine Herausforderer hatten, anders als in Iffeldorf.

Habachs Michael Strobl (UWG) wurde ebenso deutlich in seinem Amt bestätigt wie Andreas Obermaier (CSU) in Sindelsdorf gewählt. Und auch in Antdorf sitzt Klaus Kostalek (UWG) weiterhin im Bürgermeistersessel. In Iffeldorf sah das aber anders aus. Dort hatte Hans Lang (SPD) mit Markus Degen von der Parteifreien Wählergemeinschaft (PWG) einen Herausforderer, wenngleich einen chancenlosen. 

„Das habe ich nicht erwartet“, murmelte Hans Lang etwas ungläubig, als das Ergebnis feststand. Mit 1.109 Stimmen und damit rund 74 Prozent hatte er Markus Degen weit hinter sich gelassen, und das bei einer Wahlbeteiligung von 72,3 Prozent. „Du bist der erste SPD-Bürgermeister in unserer Geschichte“, rief der sozialdemokratische Ortsvorsitzende Hans-Dieter Necker voller Begeisterung in die Runde. Jubelrufe drangen durch die Tür des Cafés Hofmark, wo sich Lang nach der wegen Corona abgesagten Wahlparty der SPD mit seiner Frau Ruth, seinem Sohn und ein paar engen Weggefährten hatten sich als geschlossene Gesellschaft versammelt hatte. Doch so stetig wie auf dem Bildschirm der Balken mit den Wählerstimmen nach oben kletterte, füllte sich auch der Raum mit Parteimitgliedern und Gratulanten. 

„Ich war eigentlich nicht aufgeregt, erst als um 18 Uhr die Wahllokale geschlossen wurden, hatte ich sowas wie Lampenfieber“, erzählte Lang. Wie vor sechs Jahren, als er schon einmal angetreten, am Ende aber gegen Hubert Kroiß denkbar knapp, mit 72 Stimmen Unterschied, am Sieg vorbeigeschlittert war. „Die sechs Jahre haben mir im Nachhinein gutgetan“, sagte Lang nun. Er habe seine Rolle als zweiter Bürgermeister und somit als Stellvertreter angenommen und viel gelernt. Necker strahlte derweil weiter von einem Ohr bis zum anderen und gab dem neugewählten Bürgermeister einen Spruch von Willy Brandt mit auf den Weg: „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist sie zu gestalten.“ Langs Wunsch von fünf Sitzen im Gemeinderat plus Bürgermeister ging am Wahltag zwar nicht in Erfüllung, doch verteidigte die SPD mit 34,3 Prozent ihre vier Mandate. Isolde Künstler wurde dabei genauso wie Torsten Kuhrt und Martina Ott im Amt bestätigt. Neu im Bunde und doch ein alter Hase ist Hans-Dieter Necker, der die SPD-Fraktion im Gemeinderat komplettiert. Die CSU hingegen büßte mit 26,9 Prozent einen Platz ein, während die PWG ihre drei Sitze und die UWÖ zwei Mandate behält. 

Während im Café Hofmark als ausgelassen gefeiert wurde, ging es nebenan, im Landgasthof, erheblich gedämpfter zu. Bürgermeisterkandidat Markus Degen harrte dort im kleinen Gastraum mit einigen PWG-Leuten und seiner Frau Maria der Dinge, die für ihn nicht erfreulich werden sollten. Sichtlich geknickt saß er da und wollte sein Ergebnis nicht so recht glauben. „Ich bin schon sehr enttäuscht“, ließ er sich vernehmen. Seit Januar war Degen von Haus zu Haus gezogen, um sich bei den Iffeldorfern persönlich vorzustellen. „Ich hatte ein gutes Gefühl. Trotzdem bin ich froh, es gemacht zu haben“, meinte er. Dann sinnierte er weiter, dass 26 Prozent für den Anfang vielleicht gar nicht so schlecht seien und er sich nun für diejenigen einsetzen werde, die ihn gewählt haben. „Jetzt muss man alles abschütteln und für Iffeldorf konstruktiv zusammenarbeiten. Die PWG hat gute Ziele erarbeitet, die müssen wir nun umsetzen“, sagte Degen und fand langsam wieder zu etwas Zuversicht zurück. Ja, aus momentaner Sicht würde er in sechs Jahren wieder antreten, versicherte er, betonte jedoch, dass bis dahin aber auch viel Zeit vergehe. Neben Degen haben für die PWG auch Ria Markowski und Neuling Tobias Färber den Einzug in den Gemeinderat geschafft, nicht mehr vertreten ist hingegen Christian Gleixner, der nur auf Rang vier landete. au

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