Kommentar zur Bürgermeisterwahl in Penzberg

Mit Stefan Korpan hat Elke Zehetner in der Stichwahl den für sie gefährlichsten Gegenkandidaten

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Nur 3,2 Prozent trennen Elke Zehetner und Stefan Korpan voneinander. Nun geht es für beide in die Stichwahl.

Penzberg – Am Ende behielten die Experten Recht: Es kommt in Penzberg am 29. März zu einer Stichwahl um das Bürgermeisteramt. Dass Elke Zehetner dort vertreten sein würde, war eigentlich klar, der Amtsbonus hat ihr von Anfang an die Favoritenrolle zugewiesen. 

Und auch Stefan Korpan, ihr Herausforderer, ist keine wirkliche Überraschung. Er oder Markus Bocksberger von Penzberg Miteinander, auf diese beiden wurden die meisten Wetten abgegeben. Dass es am Ende Korpan ist, der in zwei Wochen in die zweite Runde darf, zeigt, dass die runderneuerte CSU offenbar genau richtig lag mit einem Kandidaten, der völlig unverbraucht ist. Und ja, es hat sich auch gezeigt, dass die Höhe des Budgets schon einen Unterschied machen kann, wenn man sich die Unsummen vor Augen hält, welche man bei der CSU in diesen Wahlkampf gepumpt hat. Da dürfte es dann auch locker zu verschmerzen gewesen sein, dass ausgerechnet CSU-Stimmenkönig Ludwig Schmuck keine Gelegenheit verstreichen ließ, um den eigenen Kandidaten madig und lächerlich zu machen. 

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Natürlich hat Amtsinhaberin Elke Zehetner die erste Runde für sich entschieden, allerdings hat sie ihren Stimmenanteil im Vergleich zu 2014 halbiert, was sich nicht alleine auf die doppelt so große Anzahl an Kandidaten zurückführen lässt, sondern schon auch mit Zehetners Amtsführung zu tun hat. 

Erschwerend kommt für sie hinzu, dass sie in der Stichwahl mit Korpan auf den für sie gefährlichsten aller fünf Gegenkandidaten trifft. Denn der CSU-Mann ist derjenige, hinter dem sich sowohl die Bocksberger-Leute wie auch die Lager der weit abgeschlagenen Engel (Grüne) und Jabs (BfP) versammeln können. Ob die weit hinter ihren eigenen Erwartungen gebliebene FLP hier das Zünglein an der Waage für oder gegen Zehetner spielen kann, ist eher nicht zu erwarten. 

Einerseits überraschend, andererseits aber auch wieder nicht, ist das Abschneiden der Grünen-Kandidatin Kerstin Engel. Dass sie nur auf Platz vier ins Ziel kam ist angesichts des bundesweiten Grünen-Hypes eine ziemliche Ohrfeige, allerdings darf man sich bei der Öko-Partei darüber auch nicht wundern, weil der Wahlkampf weitgehend ohne sie stattgefunden hat. Hinzu kommt, dass sich Engel und Zehetner, was Hartnäckigkeit und Argumentationsintensität angeht, doch recht ähnlich sind, was die Vermutung aufkommen lässt, dass all jene, die Zehetner nicht mehr wollten, ihre Stimme dann doch eher und bisweilen vielleicht auch zähneknirschend einem der Männer gegeben haben. 

Um Armin Jabs wiederum kann einem fast ein wenig leid tun, weil der Mann viele vernünftige Ansätze, mit den BfP aber auch die falsche Liste im Kreuz hat. Und Michael Kühberger kam von Anfang an über die Außenseiterrolle nicht hinaus, weshalb sein Abschneiden für ihn zwar enttäuschend, aber letztlich wenig überraschend ist. 

Jetzt also Korpan: Diese Stichwahl bezieht ihre Spannung alleine schon darauf, weil es so etwas in der Geschichte von Penzberg noch nie gegeben hat. Und: All jene, die der jahrzehntelangen Herrschaft der SPD im Rathaus überdrüssig sind, wittern nun die einmalige Chance, den Machtwechsel herbeizuführen. Für Zehetner spricht dabei nach wie vor der Amtsbonus, sie weiß, wie das Rathaus tickt, hat viele Kontakte und muss sich nicht erst groß einarbeiten. Für Korpan spricht, dass er von all den Streitereien der vergangenen Jahre sowie den Fettnäpfchentritten um Leserbriefe sowie Best- und Mittelleistern unbelastet ist. Und er weiß, dass das Rathaus nicht mehr so ticken will wie unter Zehetner. Die hat derweil schon erkennen lassen, dass der Welpenschutz, den sie dem Neuling Korpan im Wahlkampf gewährt hat, ausgelaufen ist. Der nimmt es gelassen und meinte, dann müsse er halt zurückbeißen. 

Am 29. März hat Penzberg also die Wahl zwischen Neuanfang und Weiter so. Die 3,2 Prozent, die Korpan am Sonntag hinter Zehetner lag, sind dabei zu vernachlässigen. Viel entscheidender dürfte sein, dass sich der CSU-Mann erheblich leichter tun dürfte bei der Suche nach Verbündeten. la

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