Die Freidenkerin setzt sich durch

Bürgermeisterwahl: Kerstin Engel kündigt Elke Zehetner einen harten Kampf an

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„Ein historisches Ereignis“: Die Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer gratuliert Kerstin Engel. Der Landtagsabgeordnete Andreas Krahl strahlt.

Penzberg – „Ich werde der amtierenden Bürgermeisterin die Wahl deutlich schwer machen“, versprach eine selbstbewusst Kerstin Engel, nachdem sie am Montagabend von der Basis der Penzberger Grünen zur Bürgermeisterkandidatin nominiert worden war.

Die 50-Jährige promovierte Biologin, die bei Roche für Schulungskonzepte und Trainerentwicklung im Pharma-Bereich zuständig ist, hatte sich mit 12:10 Stimmen gegen die elf Jahre jüngere Katharina von Platen durchgesetzt. Dass sich gleich zwei Frauen aus einem Ortsverband für ein so hohes kommunalpolitisches Amt bewerben, war für die Bundestags­abgeordnete Beate Walter-Rosenheimer sogar ein „historisches Ereignis“. Und Andreas Krahl, der auf der grünen Erfolgswelle vergangenen Oktober überraschend in den Landtag gespült worden war, meinte: „Egal wer heute das Rennen macht, kämpft mit Herz und Leidenschaft und schreibt die grüne Erfolgsgeschichte weiter.“ 

Hat es der Mann aus dem Maximilianeum da mit seinem Optimismus vielleicht etwas übertrieben, schließlich müsste Engel, um die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben, ja gegen Zehetner und Korpan und die noch aus dem Hut zu zaubernden Kandidaten der anderen Gruppierungen die Oberhand behalten. Aber vielleicht hat Krahl ja ein Satz besonders überzeugt: „Ich bin nicht der Jurist. Ich bin Pragmatikerin und steuere gerade auf ein Ziel zu. Da lasse ich mich auch von gesetzlichen Hürden nicht ausbremsen“, sagte Engel in der Vorstellungsrunde. Ein interessanter Satz, weil er erstens die anarchischen Urtriebe der Grünen bediente und zweitens auch eine fein formulierte Kampfansage an Amtsinhaberin Elke Zehetner war, die sich als Verwaltungsfrau nur allzu gerne hinter Paragraphen und Vorschriften verschanzt. Katharina von Platen, die Leiterin einer Kanzlei in Wolfratshausen, half es letztlich nichts, dass sie sich selbst als „Rampensau“ bezeichnete und ihren größten Unterschied zu Engel wie folgt erklärte: „Ich halte mich für wagemutiger und bin entspannter, wenn es um Geldausgaben geht. Aber ich sehe das Amt als Wirtschaftsunternehmen.“

In ihren Zielen unterschieden sich die beiden Kandidatinnen nicht wesentlich. Natürlich lag der Schwerpunkt auf grünen Themen, aber ebenso auf der allgemeinen Stadt­entwicklung. Engel versprach, auf Gratwanderung zwischen der Ausweisung von Bauland und dem Schutz der Grünflächen zu gehen. Vor allem zusammenhängendes Grün sei wichtig für den Erholungsfaktor, ebenso die Aufwertung innerstädtischen Grüns und die Förderung von Bäumen für Artenschutz und Stadtklima, betonte Engel, die seit elf Jahren die Grünen im Stadtrat vertritt. Über diese politische Schule sei sie „ganz froh“, meinte sie im Hinblick auf ihre Ambitionen, die nächste Bürgermeisterin zu werden. Bei der Kinderbetreuung beklagte sich Engel, dass man „immer dem Bedarf hinterherhinkt“, weshalb sie ein „vorausschauendes Kinderbetreuungskonzept“ ebenso wie eine gebundene Ganztagsklasse mit pädagogischem Konzept implementieren will. Den Schutz und Erhalt einer lebendigen Innenstadt hatten sich Engel wie von Platen gleichermaßen auf die Fahne geschrieben. Eine Fußgängerzone kann sich Kerstin Engel jedoch eher weniger vorstellen. „Wir haben hier keine Bummelmentalität, wie man sie in touristischen Orten wie Murnau antrifft. Das kann man nicht vergleichen“, so Engel, die für „ein Miteinander mit den Einzelhändlern“ plädiert. Mit dem geplanten Blaulichtzentrum in der Layritz-Halle ist Kerstin Engel dagegen weniger glücklich. Die hohen Kosten, welche sich nach einer Schätzung momentan um die 25 Millionen Euro bewegen, ihrer Meinung nach aber letztendlich bis zu 30 oder 40 Millionen ansteigen könnten, schrecken sie eher ab. „So etwas beschließen wir im Stadtrat ruckzuck, aber wenn Vereine wegen 1.000 Euro anfragen, dann wird über eine halbe Stunde diskutiert. Das nervt mich“, betonte sie und schob hinterher: „Ich bin vorsichtig mit Kosten und Folgekosten, aber wenn es um Menschen und Vereine geht, da schaue ich nicht aufs Geld.“ Sich selbst bezeichnete Engel als Freidenkerin, findet jedoch die Firmenwelt von Roche dafür zu eng. Deshalb möchte sie nun in ein Umfeld wechseln, wo ihrer Meinung nach Freidenker „nicht nur erwünscht, sondern notwendig sind“. 

Letztendlich siegte der Pragmatismus, die Geradlinigkeit und die Erfahrung über den jüngeren Enthusiasmus. Kerstin Engel strahlte, als der stellvertretende Landrat Karl-Heinz Grehl das knappe Ergebnis bekannt gab. Katharina von Platen nahm es sportlich, hatte sie doch schon im Vorfeld erklärt, dass sie im Falle einer Niederlage trotzdem für den Stadtrat kandidieren möchte. au/la

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