Nach Gutsherrenart

Nie auf Augenhöhe: Bund Naturschutz beklagt Dialogverfahren zum Hotel

Penzberg - Scharfe Kritik am Bürgerdialog über die geplante Errichtung eines Vier-Sterne-Hotels übt die Ortsgruppe des Bund Naturschutz (BN). „Der Bürgerdialog erwies sich als zielsicheres Vorgehen der Stadt, um beim Standort Kirnbergsee zu landen“, betont die BN-Ortsvorsitzende Hannelore Jaresch.

Nachdem dieser Standort letztlich die höchste Punktzahl erhielt, steht für Jaresch fest: Das Dialogverfahren sei nicht ergebnisoffen gewesen, „sondern diente dem Zweck, das Hotel auf dem gewünschten Standort zu realisieren und die Ablehnung durch die Bürger zu minimieren“.

Bis zur Diskussion der Kriterien zur Standortauswahl sei das Verfahren „tendenziell fair und offen“ gewesen. Bei der Anwendung der Kriterien und der Punktevergabe auf die 16 verbliebenen Standorte „veränderte sich jedoch der Bürgerdialog von einem Dialog auf Augenhöhe zu einem Dialog nach Gutsherrnart“, betont Jaresch. So habe die Stadt der Öffentlichkeit eine vorab erfolgte Bewertung der 16 Standorte vorgelegt und nur kleinere Änderungen zugelassen. „Eine völlig ergebnisoffene Bewertung zusammen mit den Bürgern war nicht geplant, eine Diskussion darüber wurde abgewürgt“, so die BN-Frau.

Die Bewertung der einzelnen Vorschläge mit Punkten sei „in vielerlei Hinsicht willkürlich und angreifbar“ gewesen. So habe es beim Standort am Kirnbergsee hinsichtlich Landschaftsverbrauch, Gefährdung sensibler Gebiete und Naherholung sowie der Nähe zu schützenswerten Flächen lediglich einen Abzug von jeweils drei Punkten gegeben. „Unter Landschafts- und Naturschutzaspekten kann diese Punktevergabe sicherlich nicht als fachlich fundiert bezeichnet werden“, sagt Jaresch. Und ernüchtert merkt sie an: Wer kein Problem damit hat, das Hotel in unverbrauchte Natur und Erholungsflächen zu stellen, für den ist ein Standort wie der Kirnbergsee der einfachere Weg.“ Ein Hotel an dieser Stelle würde jedenfalls einen tiefgehenden Eingriff in eine intakte Natur bedeuten.

Heute Abend, wenn der Stadtrat das nächste Mal tagt, wird sich zeigen, ob Jaresch Recht behält. Dann nämlich muss sich das Gremium auf einen Standortvorschlag einigen, der dann am 14. Oktober im Rahmen eines Bürgerentscheids zur Abstimmung gestellt werden soll. la

Auch interessant

Meistgelesen

Ins Schleudern geraten
Ins Schleudern geraten
Geordnete Finanzlage
Geordnete Finanzlage
In den Gegenverkehr geraten
In den Gegenverkehr geraten
Tödlicher Unfall auf der B472
Tödlicher Unfall auf der B472

Kommentare