Carsharing wird eingestellt

Kaum Nachfrage und zu großes Defizit: ÖkoMobil Pfaffenwinkel zieht Skoda ab

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Stehen statt fahren hieß es viel zu oft für den kleinen grünen Skoda: Deshalb wird das Fahrzeug jetzt aus Benedikbeuern abgezogen.

Benediktbeuern – Ein wenig verlassen steht es da, das grüne Auto. Dabei kann es der Skoda kaum erwarten, genutzt zu werden. Doch der Pkw wartet vergebens. Das Carsharing-Modell findet in Beneditkbeuern keinen großen Zuspruch. Jetzt zieht der betreibende Verein Konsequenzen.

Knapp vier Jahre nach Einführung des Carsharing-Modells muss Benediktbeuern das umweltfreundliche Projekt begraben. Das Klosterdorf führte als erste Gemeinde im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen das Carsharing ein, ist jedoch nicht die einzige Kommune in Oberbayern, in der die Beteiligung dauerhaft zu schwach ist, um für den Betreiberverein wirtschaftlich rentabel zu sein. Auch in Peißenberg steht das „Teilauto“ auf der Kippe, während andere Gemeinden als neue Interessenten auf den Zug aufspringen. 

Dass Carsharing ausgerechnet an einem Hochschulstandort aufgrund zu geringer Nutzerzahlen aufgegeben werden muss, hinterlässt angesichts der Vielzahl umwelt- und klimapolitisch engagierter junger Menschen aber durchaus ein Fragezeichen. Vor einem halben Jahr ereilte Benediktbeuerns Gemeinderat die Hiobs­botschaft: Der das Carsharing betreibende Verein ÖkoMobil Pfaffenwinkel fährt am Standort ein deutliches Defizit ein und sieht sich ohne finanzielle Unterstützung der Gemeinde außer Stande, das Angebot weiterhin aufrecht zu erhalten. Damals rangen die Gemeinderäte um eine Lösung: Einerseits wollte man nicht die Vorreiterrolle im Klimaschutz und bei der ökologischen Dorfentwicklung kampflos aufgeben, andererseits ließen die geringen Nutzerzahlen auf wenig Interesse schließen. 

Man beschloss zunächst, rathausintern, bei Bürgern und an der Hochschule mehr Werbung für das „Teil­auto“ zu machen und beauftragte Kämmerer Florian Hlawatsch mit einer Kostenaufstellung. Diese ergab sogar grünes Licht für Carsharing, denn Hlawatsch hatte ausgerechnet, dass sich für die Verwaltung ein eigenes Dienstfahrzeug erst ab einer Fahrleistung von 10.000 Kilometern im Jahr rechne. Die Höhe des finanziellen Zuschusses deckelte der Gemeinderat allerdings auf 1.000 Euro statt der beantragten 3.600 Euro. Den Tausender wollten die Räte im laufenden Jahr zur Verfügung stellen, wenn der Verein ÖkoMobil dafür wieder zwei „Teilautos“ vors Rathaus stellt. Denn wenn Carsharing-Interessenten bei nur einem Auto mit ihrer Buchung nicht zum Zug kämen, sinke deren Interesse an dem Modell, wurde argumentiert. 

Inzwischen teilte ÖkoMobil jedoch Bürgermeister Anton Ortlieb mit, dass die von der Gemeinde in Aussicht gestellte Finanzspritze nicht ausreiche und das Angebot aufgrund zu geringer Wirtschaftlichkeit zum Jahresende eingestellt werde. Nur 13 Nutzer pro Jahr waren einfach zu wenig, dabei hatte das Projekt im Februar 2016 gleich mit sechs Mitgliedern und jeder Menge Elan begonnen. Manch einer mag dem grünen Flitzer nun eine Träne nachweinen, die neue Streetworkerin Luise Klingebiel, die derzeit noch an der Katholischen Hochschule studiert, kein eigenes Auto besitzt und in der Gemeinderatsitzung anwesend war, zeigte sich jedenfalls sehr betroffen vom endgültigen Aus. Ihr Angebot, unverzüglich unter ihren Kommilitonen die Werbetrommel zu rühren, kam für die Gemeinderäte dennoch zu spät, und auch Inge Ambrugger von der Verwaltung erklärte, man habe bereits ausgiebig bei den Studenten für das Carsharing-Modell geworben, aber ohne nennenswerten Erfolg. cw

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