Rüge für Rotkäppchen

Peter Gaymanns „Virus-Visionen“ im Buchheim Museum sind Cartoons zur Krise

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Bei seinem Besuch im Buchheim Museum fertigte Peter Gaymann eine Zeichnung für das Kunsthaus an, in dem nun gut 80 seiner „Virus-Visionen“ über die Corona-Zeit zu sehen sind.
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Bei seinem Besuch im Buchheim Museum fertigte Peter Gaymann eine Zeichnung für das Kunsthaus an, in dem nun gut 80 seiner „Virus-Visionen“ über die Corona-Zeit zu sehen sind.
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Bei seinem Besuch im Buchheim Museum fertigte Peter Gaymann eine Zeichnung für das Kunsthaus an, in dem nun gut 80 seiner „Virus-Visionen“ über die Corona-Zeit zu sehen sind.

Bernried – Es sind kurze Kicherer, hie und da mal ein „Ha“ oder ein „He“, wie sie auch in aller Kürze als Emotionsausdruck in Comicheften zu lesen sind, die nun durch das Buchheim Museum der Phantasie hallen. Dort, wo es sonst so still ist oder höchstens dann Worte vernehmbar sind, wenn über Kunst und deren Schöpfer parliert wird. Nun aber stehen Besucher schmunzelnd vor Werken, die keine Ölgemälde in schweren Rahmen, keine pastellierten Leinwände sind, sondern Blätter mit vermeintlich leichter Kost: Comics. In seinen „Virus-Visionen“ wagt der Cartoonist Peter Gaymann, bekannt für seine humoristischen Hühner-Zeichnungen, die Pandemie-Zeit mit Augenzwinkern zu zeigen.

Eigentlich sollte es ja eine große Geburtstagssause im Buchheim Museum werden, verbunden mit der Vernissage einer Retrospektive, die Werke von Peter Gaymann präsentiert. Doch dann kam Corona. Dennoch feierte der Cartoonist, ein gebürtiger Freiburger, der heute am Starnberger See lebt, seinen Siebzigsten in Bernried mit einer Ausstellungseröffnung. Denn anstatt an Toilettenpapierhamsterkäufen, Alltagsmaskeraden und Urlaubsstornierungen zu verzagen, machte Gaymann einfach aus der Not eine Tugend oder, besser gesagt, eine Kunst: Unter dem apokalyptisch anmutenden Titel „Virus-Visonen“ blickt er in seiner Bilderwelt mit viel Humor auf die Corona-Zeit.

Es ist eine Premiere, dass das Museum Werke dieser Art ausstellt, „wir hatten mal eine kleine Ausstellung zu Jugend und Simplicissimus, aber das waren eher Karikaturen“, sagt Museumssprecherin Sabine Bergmann, während sie den damaligen Katalog herauskramt, gedruckt vor 14 Jahren. Daneben entdeckt sie ein weiteres Buch: „Wie malt man ab­strakt“. Und in dem „Jux-Buch“, wie Bergmann es nennt, finden sich doch tatsächlich comicartige Zeichnungen von Lothar-Günther Buchheim aus den Sechzigerjahren. „Die wurden aber nie ausgestellt“, meint Bergmann selbst ein wenig überrascht. Nun sind also das erste Mal und noch bis 11. Oktober Comiczeichnungen im Buchheim Museum zu sehen, über 80 Blätter mit Aquarellfarben in zarten Tönen hängen da an schweinchenrosafarbenen Wänden und legen die Entwicklung der Pandemie dar. Hier malt der Gatte ein Gardasee-Panorama an die Wand im Badezimmer, um seiner Frau in der Wanne nebst Aperol Spritz trotz gecanceltem Buchung doch ein wenig Urlaubsfeeling zu gönnen, dort beflegelt der böse Wolf ein schlagfertiges Rotkäppchen, weil es in Corona-Zeit die Großmutter besuchen möchte. 

Und natürlich sind auch Gaymanns berühmte Hühner in den Visionen vertreten, oft mehr Mensch als Gefieder, doch ohne sein Gefolge beziehungsweise Gelege kommt der Cartoonist wohl nicht aus, auch wenn Bergmann betont, „dass Gaymann auch für anderes bekannt ist“. Und so scheucht hier ein Landwirt seine Hennen in den Stall, da nun statt Freilandhaltung eben Homeoffice angesagt ist, oder ein Huhn legt nur halbe Eier, um dann dem verdutzten Bauern zu entgegnen, dass es schließlich noch immer in Kurzarbeit ist. Bergmann schreitet von Bild zu Bild, ein jedes ist von einem schlichten Rahmen aus hellem Holz umgeben. Hie und da muss sie schmunzeln oder sie lacht mal laut auf, so wie auch die Museumsbesucher, die vereinzelt herumschwirren. Das Kichern ist aber so kurz wie die Geschichte, die jede einzelne Zeichnung erzählt. Und freilich sorgt nicht jedes Blatt bei jedem Besucher für einen Lacher, doch viele der bunten Bilder dürften einen „Ja, genau“-Effekt bei den Besuchern auslösen. Immerhin zeigen sie Situationen, die sich der Betrachter gut vorstellen kann, Momente, die einer vielleicht sogar selbst erlebt hat. Oder sie drücken Gefühle aus, die auch der Betrachter schon empfunden hat. 

Viele Cartoons sind nicht allein mit einer Signatur versehen, sondern auch mit einem Datum, so zeigt sich, dass Gayman Mitte März mit seiner Corona-Chronik begonnen hat und diese Ende Mai beendete. Keine lange Zeit, um über 80 Werke zu schaffen, doch Gaymann hat eine flinke Hand. An seinem Geburtstag, als er seine Virus-Visionen eröffnete, zeichnete er in Windeseile vor der Kulisse des Starnberger Sees einen Comic mit sich sonnenden Hühnern im Museumspark, dahinter das Museumsgebäude, das er in der Kürze sehr gut getroffen habe, schwärmt Bergmann. Dieses Bild wird nun mitten im Ausstellungsraum auf einer Staffelei präsentiert, unweit von einer schaukelbaren Hühnerbank mit Spiegeleikissen entfernt, die beweist, dass Gaymann nicht nur zweidimensional daran erinnert, sich auch in schweren Zeiten Humor zu bewahren. ra

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