Dirndl gegen das Virus

Gesichtsmasken: Trachtenstube näht doch wieder

Hin und her: Karen Baur nähte erst Schutzmasken aus Dirndl­stoff, dann nähte sie gar nichts, jetzt näht sie Gesichtsmasken mit behördlicher Erlaubnis

Penzberg – Sie werden mittlerweile gehandelt wie früher seltene Gewürze: Mundschutzmasken. Apotheken sind teilweise ausverkauft, in Krankenhäusern werden die Vorräte knapp. Im Penzberger Klinikum wurde man deshalb erfinderisch und bei der Trachtenstube Inge vorstellig mit der Anfrage, ob man dort nicht die Nähmaschinen für den Kampf gegen das Virus anwerfen könne. Gefragt, getan: Die Schneiderinnen der Trachtenstube waren tagelang im Anti-Corona-Einsatz und nähten Masken aus Dirndlstoff. Am Sonntag hat Tatjana Patermann dann aber plötzlich die Reißleine gezogen und die Produktion abrupt gestoppt: aus Angst vor Klagen. Am Dienstag dann die erneute Kehrtwende: Die Näherinnen der Trachtenstube sitzen wieder an den Maschinen, „weil wir jetzt die Genehmigung des Landratsamtes haben“, so Patermann.

Da im Klinikalltag – sieht man von den Abteilungen mit akut an Corona erkrankten Patienten ab – gewöhnliche Baumwollmasken ausreichen, fiel die Wahl wohl auf die Trachtenstube, mutmaßt Tatjana Patermann. Sie und ihr Team konnten jedenfalls schnell helfen. Patermanns Schwester Isabella Oswald hat selbst den ersten Prototypen hergestellt – als Vorlage dafür diente eine handelsübliche Papiermaske. Patermanns Schwager Anton Oswald und Hansi Fischer stanzten Streifen aus Alublech, die in die Masken eingenäht werden und an der Nase für eine perfekte Passform sorgen. „Innerhalb eines halben Tages war dann entschieden, dass wir die Masken liefern können“, so Patermann. Den über den ganzen Landkreis verteilten Schneiderinnen wurden Schnittvorlagen geschickt, Isabella Oswald fuhr das Material aus. Die ersten Exemplare wurden dann zur Anprobe ins Klinikum am Schlossbichl geliefert und dort auch vom Hygienebeauftragten für gut befunden. 

„Diesen Auftrag haben wir noch abgearbeitet, dann aber die Produktion eingestellt“, so Patermann am Sonntag. Der Grund: Sie fürchtete von Anwälten abgemahnt zu werden. Im Internet kursieren mittlerweile unzählige Bericht darüber, wie findige Juristen die Nähaktionen im Zeichen von Corona für Abmahnungen benutzen. Die Begründung lautet dabei immer gleich: Die genähten Masken böten keinen ausreichenden Schutz gegen das Virus. Das ist auch Patermann bewusst, „aber für den normalen Alltag in einem Krankenhaus sind sie ausreichend“. Nicht umsonst hätte man schließlich vom Klinikum Penzberg den Auftrag dazu erhalten. „Nur für den Kontakt mit Corona-Pa­tienten braucht man medizinische Masken“, betonte Patermann und schüttelte den Kopf darüber, dass es in Tagen wie diesen offenbar Juristen gibt, denen die Aussicht auf schnellen finanziellen Erfolg wichtiger ist als Aktionen, von denen viele Menschen profitieren können. Bis auf weiteres, so entschieden Tatjana Patermann und Isabella Oswald am Sonntag werde die Trachtenstube Inge deshalb keine Masken mehr nähen lassen. „Wir warten hier auch auf eine Stellungnahme aus dem Landratsamt“, so Patermann. 

Die offizielle Genehmigung aus Weilheim traf schließlich am Dienstag ein: Zwar verwenden die Näherinnen der Trachtenstube nun keinen Dirndlstoff mehr, und auch der selbst gebastelte Prototyp muss in der Schublade verschwinden. Dafür ist nun alles ganz offiziell abgesegnet: „Wir kriegen den Stoff und die dazugehörigen Bänder direkt vom Landratsamt, inklusive einer Anleitung, wie die Masken zu nähen sind“, sagt Patermann. Die fertigen Exemplare aus einem weißen Baumwollstoff werden dann ans Landratsamt geliefert, das wiederum die Verteilung übernimmt. Und auch begrifflich ist nun alles unangreifbar: „Wir produzieren keine Schutzmasken, sondern Gesichtsmasken“, sagt Patermann.     dd

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