Hilfe aus dem Drucker

Echte Macher in der Krise: „Maker“ fertigen kostenlose Gesichtsschilde an

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Produziert in Heimarbeit: Thomas Bauer ist einer von bislang 29 „Makern“ des Hub Murnau, die zuhause und unentgeltlich Gesichtsschilde für ehrenamtliche Helfer, Ärzte, Pfleger und Hebammen fertigen.
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Produziert in Heimarbeit: Thomas Bauer ist einer von bislang 29 „Makern“ des Hub Murnau, die zuhause und unentgeltlich Gesichtsschilde für ehrenamtliche Helfer, Ärzte, Pfleger und Hebammen fertigen.

Penzberg – Es ist mehr als eine Bastelei, welcher sich die „Maker“ widmen. Sie haben sich zusammengeschlossen, um in der Corona-Krise den Menschen ein Schild vor die Nase zu setzen, die unermüdlich im Einsatz sind. Ein Schild, dessen Bestandteile im 3D-Drucker und im Homeoffice hergestellt werden.

Sie schalten ihren 3D-Drucker ein, um anderen zu helfen. 29 „Maker“, die in der Corona-Krise aktiv sein wollen, mit ihren eigenen Fertigkeiten, nach ihren eigenen Möglichkeiten. „Wir haben uns über die Initiative makervsvirus eingetragen und über das Business Kommunikationsportal Slack Kontakt aufgenommen. Bei makervsvirus sind lokale Teams, sogenannte Hubs, in ganz Deutschland, Österreich und Schweiz gelistet“, erklärt der Penzber­ger Business Prozess Manager Thomas Bauer, der die Teamarbeit für den Hub Murnau unter der Führung des Maker­Lab Murnau moderiert. „Wir wollen der Allgemeinheit in dieser Ausnahmesituation helfen“, beschreibt Bauer die Intention der „Maker“ und erläutert auch gleich, weshalb sich diese so nennen: „Ein Maker ist jemand, der zu Hause Dinge herstellt. Früher wurden wir Bastler genannt, was jedoch einen eher negativen Beigeschmack hat.“ Zu den Bast­lern des Hub Murnau zählen Informatiker, Entwickler, Mechaniker oder auch Studenten. Doch der Job ist letztlich zweitrangig, denn „in unserem Kollektiv steht das, was wir beruflich tun, eher im Hintergrund. Wir haben die nötige Ausrüstung und wollen helfen. Das verbindet uns“, stellt Bauer klar. 

Die nötige Ausrüstung, das sind unter anderem 3D-Drucker. Jeder der 29 „Maker“ hat mindestens einen zuhause stehen. Die Engagierten stellen das Druckmaterial teilweise selbst her, sodass sie nicht allein auf Spenden, die über das ­Makerlab Murnau reinkommen, angewiesen sind. „Es sind aber auch Leute ohne Drucker willkommen, um Aufgaben bei Organisation, Montage oder Logistik mitzutragen“, betont Bauer. Mit mehr 3D-Druckern als Engagierten, nämlich 30 an der Zahl, stellen die „Maker“ nun Gesichtsschilde her. Verteilt werden die Schilde an Kliniken, Arztpraxen und gemeinnützige Organisationen, eben an „unsere Gesundheitshelden“, so Bauer. Der Penzber­ger vergleicht den Schild mit einer Behelfsbrille, unter der sich eine Sehhilfe und ein Mundschutz tragen lassen. Doch die Wirksamkeit des Schilds, betont der Penzberger „Maker“, sei weder nachgewiesen noch zertifiziert. 

Die Gruppe verdient keinen Cent an ihrer Arbeit, „wir machen dies zu hundert Prozent kostenfrei. Das heißt, in unserer Freizeit spenden wir Material, Arbeitszeit und Drucker. Wir montieren die Schilde und kümmern uns um Aufträge, Logistik und Lieferung“, erläutert Bauer. Und das nimmt reichlich Zeit in Anspruch, rund sechs Stunden dauert es bis die Bestandteile von neun Gesichtsschilden gedruckt sind. Und auch die Vorbereitung der Plastikschilde und Gummibänder als auch die Montage brauchen ihre Zeit. Nicht zu vergessen sind darüber hinaus der logistische und der organisatorische Aufwand. 

Doch die „Maker“ sind motiviert, denn „die Bundesregierung tut ihr Möglichstes, Schutzausrüstung für unsere Gesundheitshelden bereitzustellen. Leider geht das schleppend langsam“, sagt Bauer und betont, dass dies keineswegs ein Vorwurf sei. Falsch dagegen sei die Strategie, „lebenswichtige Schutzausrüstung als Wegwerfartikel im Ausland produzieren zu lassen“. Solange es nicht ausreichend professionelle Schutzausrüstung für alle Ärzte, Pfleger und Helfer gibt, wollen die „Maker“ weiter drucken, montieren und ausliefern. 

Bislang haben die Engagierten Einzelteile für über 400 Gesichtsschilde gefertigt, über die Hälfte davon haben sie bereits zusammengesetzt und ausgeliefert, an Krankenhauspersonal, Ehrenamtliche der Tafeln, beim Roten Kreuz Engagierte, Mitglieder des Krisenstabs sowie Hebammen rund um Penz­berg, Murnau, Peiting und Garmisch-Partenkirchen. 169 Schilde müssen noch montiert werden und „weitere 144 stehen noch als zu erledigen im Auftragsbuch“, weiß Bauer. Ein Auftragsbuch, das immer voller werden dürfte, denn eine Nähgruppe im MakerLab in Murnau gibt es auch schon, und die beginnt nun damit, Behelfsschutzmasken für Mund und Nase zu schneidern, „aus Stoffresten und Stoffspenden“, verrät der Penzberger. ra

Wer Bedarf an Gesichtsschilden oder einer weiteren Leistung hat, der kann sich per E-Mail an info­@­makerlab-murnau.de wenden.

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