Die Gunst ist gestiegen

Penzberger Milchbetriebe scheinen von der Corona-Krise verschont zu bleiben

+
Maria Lidl und ihre Produzentinnen: Am Milchpreis bekommt die Landwirtin aus Rain die Corona-Krise nicht zu spüren, zumindest noch nicht.

Penzberg – Corona hat die Welt auf den Kopf gestellt. Doch auf dem Hof von Maria Lidl in Rain wirkt es fast so, als sei die Pandemie ganz weit weg. Die Kühe werden gefüttert und gemolken, der Milchlaster kommt täglich vorbei. Alles geht seinen gewohnten Lauf. Ein Idyll, das weiß Lidl selbst, das man nicht auf allen Höfen antrifft. Und auch sie selbst spürt etwas von der Krise, nicht am Milchpreis, sondern weil es deutlich ruhiger auf ihrem Hof ist.

Vergangene Woche beschäftigte sich Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber im Landtag mit den Auswirkungen der Corona-Krise auf die Landwirtschaft. Und obgleich sie betonte, dass die Pandemie diesen Sektor „zum Teil bis ins Mark“ treffe, wusste sie auch Positives zu berichten. So seien die Lieferketten intakt geblieben, „regionale Produkte steigen noch höher in der Gunst der Verbraucher“ und auch die Wertschätzung für Landwirte und deren Leistung sei in den vergangenen Wochen gewachsen. Auf die Gunst der Verbraucher setzt und hofft auch Maria Lidl, was sich in den vergangenen Wochen auszahlte. Denn die Landwirtin, die wie die anderen Milchbetriebe in Penzberg an die Molkerei Berchtesgadener Land liefere, spüre von der Corona-Krise nichts. Der Milchpreis sei nicht gesunken, und damit auch nicht die Nachfrage, betont Lidl. 

Zwar sind den Molkereien durchaus Abnehmer abhanden gekommen, da etwa in der Gastronomie weitestgehend der Ofen ausgemacht wurde, doch in den Supermärkten kaufen die Menschen mehr Milch als zuvor. „Das gleicht sich aus“, sagt Lidl. Weshalb die privaten Haushalte nun mehr Milchprodukte im heimischen Kühlschrank lagern, glaubt sie auch zu wissen: „Die Außerhausverpflegung in Mensas, Cafeterias und Kindergärten ist stark zurückgegangen.“ 

Corona zu spüren bekommen ihrer Ansicht nach eher Landwirte, die an Molkereien liefern, welche exportabhängig sind und sich auf Gastronomie oder Hotellerie spezialisiert haben. Wer deshalb glaubt, nun kehrten die Verhältnisse aus dem Jahr 2016 zurück, als der Milchpreis auf unter 23 Cent pro Liter fiel, der irrt, denn „in der jetzigen Situation von einer Krise auf dem Milchmarkt zu sprechen, wäre absolut unseriös“, betonte Kaniber im Landtag. 

Obwohl Maria Lidl derzeit also keinen Grund zur Klage hat, ist sie dennoch nicht gänzlich frei von Sorgen, denn schließlich wisse man nicht, wie sich das Verhalten der Verbraucher noch verändert. „Wenn die Leute weniger Geld haben, greifen sie vielleicht zu günstigeren Produkten“, spekuliert Lidl mit Blick auf all die Menschen, die nun von Kurzarbeit oder gar Arbeitslosigkeit betroffen sind. 

Arbeitslos wird Lidl auf ihrem Hof sicher nicht, der Alltag ist nahezu derselbe wie vor Corona. „Wir arbeiten wie sonst auch“, sagt sie. „Die Viecher müssen ja gefüttert werden“, lächelt Lidl. Die Landwirtschaft sei schließlich systemrelevant. Lediglich öfter zum Desinfektionsmittel werde gegriffen und noch strengere Hygienevorschriften seien einzuhalten, damit beispielsweise der Milchfahrer keinem Infektionsrisiko ausgesetzt werde. Ansonsten scheint alles wie gehabt, denn immerhin „kommt man mit der Milch ja nicht in Berührung“, so Lidl. 

Jedoch bekommt die Landwirtin fernab des Stalls und der Milchkannen die Krise zu spüren. Wie viele Landwirte in der Region bietet auch Maria Lidl Urlaub auf dem Bauernhof an, doch in den vergangenen Wochen mussten die Ferienwohnungen leer bleiben. „Normalerweise wäre es vor Ostern losgegangen“, sagt sie. Doch schon bald könnte wieder mehr Leben auf Lidls Hof einkehren, wenn in Bayern mit Beginn der Pfingstferien wieder auswärts übernachtet werden darf. 

Bis es soweit ist, hofft Lidl, dass die Milch ihrer über 40 Kühe im Stall nicht an Wert verliert. Und dafür sei es wichtig, dass „die Verbraucher bayerische Produkte kaufen“. Der Griff zu nicht bayerischen Erzeugnissen sei oftmals nicht unbedingt eine bewusste Kaufentscheidung, denn „viele wissen nicht, wohin die Penzberger Betriebe ihre Milch liefern“, musste Lidl schon mehrfach feststellen. ra

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Krise: Absagen, Absagen, Absagen
Corona-Krise: Absagen, Absagen, Absagen
Corona im Landkreis Weilheim-Schongau: Rasanter Anstieg der Fälle - es droht Ampelphase „Dunkelrot“
Corona im Landkreis Weilheim-Schongau: Rasanter Anstieg der Fälle - es droht Ampelphase „Dunkelrot“
Bei der Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen dürfen Verschwörungstheorien nicht fehlen
Bei der Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen dürfen Verschwörungstheorien nicht fehlen

Kommentare