Zweimal kräftig durchgeatmet

Corona-Verdacht: Haus für Kinder und St. Raphael-Kindergarten geben Entwarnung

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Hinweise für Patienten, die glauben, ein Verdachtsfall zu sein: Die Räume der Arztpraxen dürfen von ihnen nicht mehr betreten werden.

Penzberg – Noch immer ist Penzberg zur großen Erleichterung der Bevölkerung von einem Corona-Fall verschont geblieben – zumindest bis heute.

Aufatmen konnten mit dem evangelischen Haus für Kinder und dem katholischen St. Raphael-Kindergarten gleich zwei Einrichtungen, in denen man schon befürchtet hatte, dass sich eines der Kinder infiziert hat. Beide Male hat sich der Verdachtsfall nicht bestätigt,beide Kindertagesstätten sind am Montag wieder regulär geöffnet. Derweil hat man sich im Klinikum Penzberg bereits intensiv auf die Behandlung des ersten akuten Corona-Patienten vorbereitet. Und auch die Allgemeinmediziner in der Stadt haben entsprechende Vorkehrungen getroffen: sie lassen Verdachtsfälle nicht mehr in die Praxis.

Verunsicherung und Verständnis

Die Verunsicherung war groß im Evangelischen Haus für Kinder: „Nachdem ein möglicher Kontakt außerhalb unserer Einrichtung mit einem Verdachtsfall bestanden haben könnte, sahen wir uns als Einrichtung kurzfristig gezwungen, am Dienstagabend unsere Einrichtung auf eigene Initiative hin für zwei Tage zu schließen“, so Pfarrer Julian Lademann. Dabei habe es sich um eine reine Sicherheitsmaßnahme gehandelt, die bei den Eltern auf großes Verständnis gestoßen sei. Nachdem sich der Verdachtsfall nicht bestätigt hat, soll das Haus für Kinder am Freitag wieder geöffnet werden. 

Keine Auffälligkeiten

Ähnlich verhält es sich im Kindergarten St. Raphael. Auch dort hat man sich vorsichtshalber bis Freitag für eine Schließung entschieden. „Eine Familie war mir ihren Kindern vor etwa zwei Wochen in Italien. Die Kinder waren seither aber nicht mehr bei uns im Kindergarten“, erklärt Pfarrer Bernhard Holz. Weil die Kinder keine Auffälligkeiten zeigen, wird St. Raphael am Montag wieder ganz regulär öffnen. 

Eine Isolationsstation ist eingerichtet

Während die Ärzte im Weilheimer Krankenhaus bis Mittwoch den ersten akuten Corona-Patienten im Landkreis intensivmedizinisch betreut haben (bevor der 80-Jährige nach München verlegt werden musste), bereitet man sich im Klinikum Penzberg akribisch auf den Ernstfall vor. „Wir haben eine halbe Station in einen Isolationsbereich verwandelt“, sagt Florian Brändle. Dort werden auch all jene Patienten behandelt, die an der Influenza erkrankt sind. Wie Brändle sagt, „gibt es einen klaren Plan, welche Maßnahmen greifen, wenn der erste Akutpatient eingeliefert wird“. So habe man etwa innerhalb des Isolationsbereich einen eigenen Raum, in dem die für den Test erforderlichen Abstriche durchgeführt werden. Für jedermann sichtbar ist der Mundschutz, den inzwischen alle Mitarbeiter des Klinkums am Schlossbichl tragen. Im Verborgenen aber wurden viel weitreichendere Maßnahmen getroffen, vor allem im Bereich der Logistik: „Wir haben prophylaktisch das erforderliche Material beschafft und natürlich auch die Labore darauf vorbereitet“, betont Brändle. Darüber hinaus beherrsche Corona mittlerweile auch die alltägliche Morgenbesprechung der Ärzte, außerdem habe man bereits mehrere Veranstaltungen für die Belegschaft durchgeführt, damit die Mitarbeiter des Klinikums auf diese völlig neue Situation vorbereitet sind. Von einer Urlaubssperre hat man am Schlossbichl zwar noch abgesehen, dass es dazu kommen werde, will Brändle aber ausdrücklich nicht ausschließen. 

Zeit gewinnen

„Das Wichtigste ist jetzt, dass wir Zeit gewinnen“, sagt Brändle. Was er damit meint: Der Verlauf der Pandemie müsse hinausgezögert werden, „sonst drohen uns Verhältnisse wie in Italien“. Und in diesem Fall wäre auch hierzulande das medizinische System vom Zusammenbruch bedroht. Dass das Corona-Virus nicht aufzuhalten sein wird, steht für Brändle fest: „Irgendwann werden zwischen 60 und 70 Prozent der deutschen Bevölkerung mit dem Virus in Kontakt gekommen sein“, ist er überzeugt. 

Praxisräume nicht betreten

Brändle weist auch darauf hin, dass man im Klinikum nicht jeden Verdachtsfall untersuchen könne. „Dafür sind die niedergelassenen Hausärzte zuständig. Und die leisten bisher in Penzberg eine hervorragende Arbeit“, so der Ärztliche Direktor des Klinikums. Egal ob in der Gemeinschaftspraxis Wagner/Hadersbeck/Hartwig, bei Annette Reißner oder bei Mehl/Mehl/Neckel: Patienten, die im Verdacht stehen, sich mit dem Corona-Virus angesteckt zu haben, dürfen die Praxisräume nicht betreten, worauf zum Teil mit Schildern am Eingang aufmerksam gemacht wird. Während bei der Allgemeinmedizinerin Annette Reißner die Anrufe noch „überschaubar“ sind, hat ihr Kollege Christoph Mehl schon zehn Abstriche gemacht. Er kommt dann im Schutzanzug zu den Patienten nach Hause, um sich selbst nicht anzustecken. Florian Wagner wiederum bietet für Patienten, bei denen eine Infektion nach telefonische Abfrage ausgeschlossen werden kann, eine gesonderte Sprechstunde außerhalb der regulären Öffnungszeiten an. Ganz offen kritisiert Wagner aber den ambivalenten Umgang der Politik mit dem Virus: „Es ergibt doch keinen Sinn, wenn Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen abgesagt werden, gleichzeitig stehen die Menschen in Zügen und U-Bahnen aber dicht beieinander.“ 

Mit dem eigenen Kugelschreiber zur Wahl

Wegen der anhaltenden Ansteckungsgefahr durch das Corona-Virus hat sich inzwischen auch die Penzberger Tafel zum Schutz ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiter sowie der Inhaber eines Tafelausweises dazu entschlossen, die Ausgabe von Lebensmitteln am Donnerstag vorläufig einzustellen. Und noch etwas zur Pandemie: Alle Experten vertreten übereinstimmend die Ansicht, dass bei der Kommunalwahl am Sonntag das Ansteckungsrisiko minimal ist, da das Virus nur von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann für die Wahl aber seinen eigenen Kugelschreiber oder Stift mitbringen. la

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