Acht Tage später dran

Corona-Virus: Gesundheitsamt rechnet mit weiteren Infizierten / Zustand des ersten Patienten ist stabil

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Berichten über die Behandlung des ersten Corona-Patienten im Landkreis: Oberarzt Jordan Bogdanov, der ärztliche Direktor Andreas Knez, Chefarzt Reinhold Lang und Pflegedirektorin Anne Ertel (von links).

Landkreis – Die gute Nachricht: Der Zustand des ersten Corona-Patienten im Landkreis Weilheim-Schongau, ein 80-jähriger Mann, hat sich weiter stabilisiert. Doch es gibt auch eine schlechte Nachricht.

Stefan Günther, der Leiter des Weilheimer Gesundheitsamtes, will nicht ausschließen, dass bald auch Deutschland unter italienischen Verhältnissen zu leiden hat. Am heutigen Dienstag informierten Günther und die leitenden Mediziner des Weilheimer Krankenhauses über die bisherige Behandlung des Patienten und dessen aktuellen Zustand sowie die Corona-Prognose für den Rest des Landkreises. 

Als sich am Wochenende herausgestellt hatte, dass die Krankheit bei dem Mann, der sich offenbar in Südtirol mit dem Corona-Virus infiziert hat, einen akuten Verlauf nimmt, hat sich das Ärzteteam um Andreas Knez intensiv mit der Universitätsklinik Düsseldorf abgestimmt. Von dort kam dann auch der Tipp, das bei HIV-Infizierten verwendete Medikament Kaletra zu verabreichen. „In der Folge kam es zu einer Verbesserung der Situation des Patienten“, so der ärztliche Direktor des Weilheimer Krankenhauses. So erfreulich dies im konkreten Fall ist, so unklar ist aber weiterhin die Lage für die Ärzte: „Wir wissen nicht, ob das Medikament die Verbesserung herbeigeführt oder ob diese von alleine eingetreten ist“, so Knez. Von Aids-Kranken wisse man zwar, dass Kaletra „die Viruslast reduziert“, ob dies aber auch generell auf das Corona-Virus zutreffe, sei durch Studien noch nicht nachgewiesen. Dies gelte auch für das als Corona-Wundermittel gepriesene Remdesivir aus den USA, für das es weltweit noch gar keine Zulassung gibt. Die Weilheimer Ärzte haben sich für die Behandlung ihres Patienten eine Sondergenehmigung bei der Regierung von Oberbayern eingeholt und dann Kontakt mit dem Hersteller in den USA aufgenommen. „Wir hatten Glück und wurden ausgewählt“, sagt Knez über das Medikament, das aufgrund der weltweiten Nachfrage zugeteilt wird. Noch ist das Remdesivir nicht in Weilheim eingetroffen, Knez rechnet damit in den nächsten Tagen. Sollte sich der Zustand des 80-Jährigen weiter stabilisieren, werde man auf die Behandlung mit diesem Medikament aber verzichten. Der Mann wird derzeit auf der Intensivstation wie jeder andere Patient mit einem akuten Atemnotsyndrom behandelt. „Das ist für uns nichts Neues“, sagt Oberarzt Jordan Bogdanov. 

So rasch in Weilheim eine Isolierstation aufgebaut und eine optimale Versorgung des Patienten sichergestellt wurde, so lässt Andreas Knez keinen Zweifel daran, „dass wir im Augenblick keinen weiteren akuten Corona-Patienten aufnehmen können.“ Man arbeite aber an einem Plan B für den Fall, dass es weitere akute Fälle gebe. Derzeit sind noch zwei weitere Menschen im Landkreis Weilheim-Schongau mit dem Virus infiziert, bei denen der Krankheitsverlauf aber keinen Anlass zur Sorge gibt: die Ehefrau des Patienten sowie eine Verwaltungsangestellte des Krankenhauses, bei der man aber noch nicht wisse, wo sie sich angesteckt hat. 

Stefan Günther, der Leiter des Gesundheitsamtes, geht aber davon aus, dass es bei dieser geringen Zahl nicht bleiben wird. „Wir vermuten, dass sich das Virus weiter ausbreiten wird“, sagte er. Vergleiche man die Entwicklung hierzulande mit Italien, so sei eine große Übereinstimmung festzustellen. „Nur dass wir acht Tage später dran sind“, so Günther. Sollte dieses Szenario eintreffen, dann werde man weitere Stellen im Landkreis einrichten, an denen sich Menschen mit Corona-Symptomen testen lassen können. la

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