Ringförmige Routen

Wolfgang Scherl beleuchtet, wie Penzberg sein Verkehrsproblem lösen könnte

„Klingt aufwändig, ist aber gängige Technik“: Wolfgang Scherl auf dem Bahnsteig neben einem Gleis, das ins Erdreich verlegt werden soll. Auf der Bahntrasse soll dann der Autoverkehr an der Innenstadt vorbeirollen.

Penzberg – Im Wahlkampf haben fast alle Parteien und Listen die Fußgängerzone in der Innenstadt aus der politischen Mottenkiste hervorgeholt. Doch solange der Verkehr auf der Bahnhof- und der Sindelsdorfer Straße nicht woanders fließt, bleibt diese eine Utopie. Das weiß auch Wolfgang Scherl.

Wolfgang Scherl, der unverdächtig erscheint, mit aller Macht in den nächsten Stadtrat drängen zu wollen: er kandidiert für die CSU auf dem 24. und damit letzten Platz, glaubt dennoch eine Möglichkeit gefunden zu haben, wie man Penzberg dauerhaft vom Verkehr entlasten und eine Fußgängerzone realisieren kann. Dazu bräuchte man aber einen langem Atem, wie Scherl in einem Aufsatz für Das Gelbe Blatt schildert. 

„Penzberg hat eine Struktur, wie sie aus dem Mittelalter bekannt ist. Ein Fuhrwerk fuhr auf der einen Seite hinein, dann durch das Ortszentrum wo Markt, Kirche und Wirtshaus zu finden waren. Und dann war es auf der anderen Seite auch schnell wieder draußen. Die Frage ist, ob es Gründe gibt, das zu ändern, etwa durch eine Umgehungsstraße. 

Soviel ich weiß, wurde früher schon über eine ortsnahe Umfahrung von Penzberg nachgedacht. Das erweist sich allerdings als schwierig, weil man damit immer in Moorgebieten oder auf Sindelsdorfer Flur landet. Die Notwendigkeit für eine Umgehung ergibt sich aber aus der Bevölkerungsentwicklung. Auf der Homepage der Stadt finden sich unter „Rathaus/ISEK/Historie“ einige Karten, die eine Vorstellung geben, wie sich Penzberg in den vergangenen fünf Jahrzehnten entwickelt hat. Derzeit haben wir etwa 17.000 Einwohner erreicht. Zu dieser Zahl kommen aktuell noch weitere Faktoren, die das Bevölkerungswachstum antreiben. Die Metropole München dehnt sich kontinuierlich nach Süden aus. Indikatoren dafür sind der hohe Zuzug und in unmittelbarer Folge davon der explosionsartige Anstieg der Baupreise. Aktuell stehen mehrere Neubausiedlungen wie an der Birkenstraße und am Daserweg an. Es ist denkbar, dass Penzberg in absehbarer Zeit 20.000 und in ferner Zukunft auch einmal 30.000 Einwohner haben wird. 

Ziel einer Umgehung ist in erster Linie die Verkehrsberuhigung. Der durchgehende Verkehr soll aus dem Stadtzentrum genommen werden. Das gilt auch für stadtinternen Verkehr also etwa für ein Müllfahrzeug, das von der Sindelsdorfer oder Seeshaupter Straße kommt und nach Quarzbichl oder Schönmühl fährt. Solche Fahrzeuge werden kaum eine großräumige Umfahrung über die Autobahn oder über Bad Heilbrunn nehmen, um ihr Ziel zu erreichen. Eine Umfahrung gibt die Möglichkeit, dem durchgehenden Verkehr eine Fahrgeschwindigkeit einzuräumen, wie sie der Fernverkehr braucht, während links und rechts davon verkehrsberuhigte Zonen entstehen. Gestaltet man diese Ortsumgehung als Ring und sorgt zudem für ein schnelles Erreichen dieser Schnellstraße von den Wohngebieten aus, so ist das auch eine ideale Verbindung zwischen den einzelnen Quartieren der Stadt, ohne dass das Stadtzentrum durchfahren werden muss. Ist der Verkehr, der nicht direkt in die Innenstadt muss, weg, dann rückt auch eine verkehrsberuhigte Innenstadt bis hin zur Bahnhofstraße als Fußgängerzone in den Bereich des Machbaren. Und noch etwas wird dadurch erreicht: eine Entzerrung am Bahnübergang neben dem Bahnhof. Die Werdenfelsbahn verkehrt derzeit, je nach Tageszeit, im Halbstunden- oder Stundentakt in beiden Richtungen. Und das bedeutet, dass die Schranken in einer Stunde zwei- oder viermal geschlossen werden, was lange Rückstaus zur Folge hat. Werden die Taktfrequenzen erhöht oder ändert sich das Verkehrsaufkommen, dann kann es sein, dass der Bahnübergang in Richtung Sindelsdorf nicht mehr geeignet passierbar ist. 

Zur Lösung dieser Probleme liegt derzeit ein Vorschlag der CSU für einen Verkehrsring um Penzberg vor. Das Ganze zielt darauf ab, die Struktur von Penzberg zu verändern und „Fit for Future“ zu machen, wobei die Teilung der Stadt durch die Bahnlinie aufgehoben werden soll. Der geplante Umgehungsring gliedert sich in einen Nord- und einen Südring. Der Nord­ring zweigt beim Kreisel Seeshaupter Straße in Richtung Roche ab, geht dann die Nonnenwaldstraße entlang bis zum E-Center, taucht dort in einen Tunnel ein, der beim Rewe-Markt wieder ans Tageslicht kommt und in die Bichler Straße mündet. Der Süd­ring zweigt am Platz der Städtepartnerschaften nach rechts auf den ehemaligen Gleisbogen ab, mündet auf der Bahntrasse, geht auf dieser über die Sindelsdorfer Straße und mündet hinter Penzberg in etwa bei der Edenhof-Abzweigung wieder auf die Bichler Straße. Dieses Konzept benutzt, soweit dies möglich ist, vorhandene Straßen und beinhaltet eine Doppelnutzung der Fläche des Bahnkörpers auf einer Länge von einem bis zwei Kilometer. Das heißt: Die Bahngleise würden um etwa 5 Meter tiefer gelegt, über den Gleisen befindet sich dann der Straßenverlauf. Wir hätten dann ein Stück Penzberger U-Bahn. 

Das mag auf den ersten Blick viel zu aufwändig erscheinen, ist aber gängige Technik. Zudem lässt sich in einem ersten Schritt der Teilring zwischen Gleisbogen und Sindelsdorfer Straße auch ohne eine Tieferlegung des Bahnkörpers realisieren. Um dieses Projekt mit bestmöglicher Unterstützung durch den Freistaat Bayern und den Bund zu realisieren, muss man einen Zeitraum von etwa 20 Jahren veranschlagen. Deshalb muss man das jetzt in Angriff nehmen, solange relevante Flächen nicht zugebaut sind. 

Zuerst aber müssen sich Stadtrat und Bevölkerung über eine solche Lösung einig sein. Auf dieser Basis muss dann ein Stadtentwicklungsplan erstellt werden, der diese Lösung beinhaltet und verbindlich festschreibt. Der Stadtrat muss sich auch darüber einig sein, betroffene Flächen langfristig freizuhalten. Auf dieser Basis kann dann ein Antrag zur Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan gestellt werden. Zugegeben, das ist allerdings nichts für einen kurzfristigen Planungshorizont.“

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