Graue Schleier unterm Pistazieneis

Spätbarocke Pfarrkirche St. Kilian in Bad Heilbrunn wird generalsaniert

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Die Pfarrkirche St. Kilian soll innen wie außen saniert werden. Die Fassade hat unter den Jahrzehnten gelitten, genau wie die verschmutze Raumschale im Inneren. 
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Wollen das spätbarocke Kleinod St. Kilian erhalten und bewahren – und reinigen: Bürgermeister Thomas Gründl, Pfarrer Karl Bopp, Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber (von links).
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Pfarrer Karl Bobb zeigt auf das Deckengemälde, auf dem unter anderem das Baujahr der Kirche verewigt ist.
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Benjamin Kleineberg und Peter Aumann vom Staatlichen Bauamt Weilheim (von links).
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An der Decke zeugen Malereien vom stolzen Alter des Gotteshauses.
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Die Pfarrkirche St. Kilian soll innen wie außen saniert werden. Die Fassade hat unter den Jahrzehnten gelitten, genau wie die verschmutze Raumschale im Inneren.

Bad Heilbrunn – Der Geistliche betritt die Kirche. Draußen ziehen dunkle Gewitterwolken auf, ein Blitz, es scheppert. In der Kirche St. Kilian hallt jeder Schritt. Gut sieht es aus, das Gotteshaus. Dann macht Pfarrer Karl Bopp die Lichter an. Graue Schleier überziehen die Wände, die unbedingt gereinigt werden wollen. Und nun auch sollen. Der Pfarrkirche, die ursprünglich keine Pfarrkirche war, wird in den kommenden Jahren zu neuem Glanz verholfen, aber nicht zum alten Glanz, denn es geht keineswegs darum, das historische Original wiederherzustellen.

Martin Bachhuber blickt hinauf an die Decke, wo Farben, die an Pistazieneis und Zuckerwatte erinnern, leuchten, sanft, unaufdringlich. „Persönlich liegt mir St. Kilian sehr am Herzen“, sagt der Landtagsabgeordnete. Jahrelang war Bachhuber Ministrant in der Pfarrkirche. Wesentlich öfter als Bachhuber dürfte aber mittlerweile Pfarrer Karl Bopp in dem Gotteshaus sein. Auch er blickt an die Decke, auf die Gemälde, die dort haften. Am Rande eines Bogens steht die Entstehungszeit 1726 geschrieben. „Eingeweiht wurde sie wohl erst in den 1740er Jahren“, sagt der Pfarrer. Die damals noch romanische Kirche wurde unmittelbar auf die Heilquelle ausgerichtet. 1806 wurde die mittlerweile barocke Kirche zur Pfarrkirche umfunktioniert. Das Gebäude hat eine „ganz bemerkenswerte Funktion und Geschichte“, so Bopp. 

Bis dahin soll die Kirche wieder aufgehübscht sein, wenig Zeit, in der sowohl innen wie auch außen einiges passieren soll. „Wir wollten sie erst nur Innen sanieren“, sagt Bopp. Nun aber steht eine Generalsanierung des „Kleinods spätbarocker Kunst“ an, wobei die Hauptlast beim Staatlichen Bauamt liege. Aber auch die Kirche muss in den Klingelbeutel greifen. Peter Aumann, Baudirektor beim Staatlichen Bauamt in Weilheim, wird da schon genauer, wenn er sagt, dass etwa zwei Drittel der Kosten vom Freistaat getragen werden und ein Drittel von der Kirche. Dabei habe das Bauamt mit dem Großteil, „mit 98 Prozent“, der Kirchen, so Aumann, eigentlich nichts zu tun. Aber in Bad Heilbrunn stehe einer der wenigen Fälle, da das barocke Gebäude erst Anfang des 19. Jahrhunderts zur Gemeindekirche wurde. 

Eine abgeschlossene Sanierung bis 2026 „klingt noch weit weg“, sagt Aumann und Bachhuber flüstert ein „sportlich“ in das Tonnengewölbe. „Es ist schon machbar, aber wir dürfen nicht trödeln“, sagt Aumann schließlich. 2023 soll mit den baulichen Maßnahmen, etwa zwei Drittel erfolgt in dem saalarchitektonischen Inneren, begonnen werden. „Wir wollen dann in zwei Jahren fertig sein“, ist Benjamin Kleineberg, Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt, optimistisch. „Sagen wir mal vorsichtig drei Jahre“, lächelt Aumann. Der optimistische Kleineberg gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er in dem ehemaligen Quellenheiligtum steht. „Die Kirche ist eine richtige landmark“, hallen seine Worte leise durch das Gotteshaus, das sich auf einem Hügel aus der Landschaft emporhebt. „Wir sind sehr stolz auf unsere Kirche“, lächelt Bürgermeister Thomas Gründl. 

In den zwei oder drei Jahren soll vieles geschehen, zahlreiche Schmutzablagerungen müssen etwa beseitigt werden, die auch einem Laien nicht entgehen: Graue Schleier bedecken die weißen Wände im Inneren des Gotteshauses. Schmutzablagerungen, die nicht von ungefähr kommen, denn die letzte Instandsetzung liegt schon etwas zurück, in den 1980er Jahren. Nun also soll die Raumschale gereinigt werden und auch das Dach soll und muss hergerichtet werden. „Die Ziegel fallen schon runter“, sagt Kleineberg, wenn er auf das Dach blickt, auf dem die Nasen etlicher Ziegel abgebrochen sind und welches momentan etwas gescheckt bedeckt ist. Einige der nasenlosen Ziegel „tun auf Historisch, sind es aber gar nicht“, weiß der Mann vom Bauamt zudem. Außen soll die Fassade instand gesetzt werden, an der die vergangenen Jahre und Witterungen nicht spurlos vorübergezogen sind. Bei all den Maßnahmen geht es ums „Bewahren und Erhalten“, betont Kleineberg, der aus St. Kilian keine „moderne Kunst“ machen möchte. Eine Rückführung auf die Ursprungsgestalt des Gotteshauses ist demnach nicht geplant. 

Dieses Erhalten und Bewahren wird etwa 2,8 Millionen Euro kosten, schätzen die beiden Männer vom Bauamt. „Die Kirche steht auf dem höchsten Punkt von Bad Heilbrunn“, merkt da Bachhuber an, um darauf hinzuweisen, dass die Errichtung der Baustelle nicht einfach sein wird. Kleineberg nickt und ergänzt: „Ein Friedhof ist ein sensibler Punkt“. Vermutlich wird für das Baugerüst eine Art Podest über einigen Gräbern errichtet, die dann zeitweise nicht erreichbar sein werden. „Man wird sie schützen, egal wie, um Schaden abzuwenden“, betont Kleineberg. Für einige Zeit wird St. Kilian geschlossen sein müssen, dann könnten die Gottesdienste in das Pfarrhaus verlegt werden, wo ein Saal rund 100 Gläubigen Platz bieten kann, jedoch ohne Pistazieneis und Zuckerwatte an der Decke. ra

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