Pralinen ohne Ende

Penzberger Unternehmen bedanken sich bei in der Corona-Krise loyalen Kunden mit Gewinnlosen

+
Da half auch die Markierung am Boden nicht viel: Unternehmer, die sich an „Penzberg sagt Danke“ beteiligen, sowie Bürgermeister Stefan Korpan (vorne 1. von links) und Wirtschaftsförderin Monique van Eijk (vorne 2. von rechts) formen vor dem Rathaus das Logo der Aktion. Das geöffnete Herz lässt sich aber nur mit viel Fantasie erkennen.

Penzberg – Ja, es ist ihr anzusehen, dass sie in den vergangenen Wochen viel gearbeitet hat, sehr viel. Ihre Backen sind leicht gerötet, sie schnauft durch, aber lächelt. Penzbergs Wirtschaftsförderin Monique van Eijk ist es gelungen, für die Aktion „Penzberg sagt Danke“ rund 70 Unternehmen als Teilnehmer zu finden. Sie alle wollen ihren Kunden für deren Treue in der Corona-Zeit danken, nicht allein mit Worten, sondern auch mit Geschenken, vielen Geschenken.

Innerhalb von etwa vier Wochen hat Monique van Eijk gemeinsam mit den hiesigen Unternehmen das Gewinnspiel auf die Beine gestellt. „Wenn wir Danke sagen wollen, müssen wir das so schnell wie möglich machen“, dachte sich van Eijk vor einem Monat, als sie von der Idee des Antdorfer Fotografen Ralf Gerard hörte, Kunden für deren Treue zu danken. Binnen kurzer Zeit hat dieses Danke klare Konturen bekommen, in Form des besagten Gewinnspiels: Wer in der Zeit zwischen 18. August und 18. Oktober in einem der teilnehmenden Unternehmen aus den Bereichen Gastronomie, Dienstleistung und Einzelhandel einkauft und dabei einen Betrag von über 25 Euro zahlt, dem wird nicht allein eine Quittung ausgehändigt, sondern auch ein Rubbellos. „Ein Los pro Einkauf“, betont van Eijk dabei, wenn sie an die begrenzte Stückzahl denkt, die sich aber immerhin auf 10.000 Exemplare beläuft. Diese Rubbellose animieren gewiss zum Einkaufen, doch vor allem sollen sie eine Art Belohnung sein, merkt Bürgermeister Stefan Korpan an. Wer ein solches Los erhält, der nimmt automatisch an der Hauptverlosung am Kirchweihmark am 18. Oktober teil. 

Über 100 Hauptpreise gibt es dann insgesamt zu gewinnen. „Witziges, Außergewöhnliches, Schönes“, sagt die Wirtschaftsförderin, der es ein Anliegen war, dass die großen Preise Erlebnisse, etwas Exklusives sind, das sich mit Geld nicht so einfach kaufen lässt. Gewiss, Evergreens unter Preisen wie Gutscheine bis 150 Euro, diverse Sachprämien und Trainingseinheiten sind auch dabei, aber eben auch Gewinne mit „Event-Charakter“, wie es van ­Eijk nennt, Erlebnisgeschenke eben. So gibt es etwa ein All-you-can-eat zu gewinnen, bei dem nicht eine Vielzahl an Salaten an einem Buffet angerichtet ist oder Sushirollen auf einem Band an dem Hungrigen vorbeiziehen, sondern Pralinen darauf warten, vernascht zu werden, sozusagen Dankespralinen ohne Schachtelbegrenzung. Außerdem warten eine Ballonfahrt, eine private Kinovorstellung, ein selbst kreierter Cocktail oder ein neues Auto für ein ganzes Wochenende auf Gewinner. Sogar die Stadtwerke sind von der Partie und wollen ein Pre-Opening für das neue Familienbad verlosen. Das bedeutet: „Ein paar Leute dürfen dann vor der Öffnung ins Bad“, lächelt van Eijk. Nicht vor der Öffnung, sondern nach Ladenschluss rein ins Geschäft und shoppen, das bieten ein paar Einzelhändler an, samt einer ganz persönlichen Beratung. „Und auch von der Stadt kommt noch was“, grinst die Wirtschaftsförderin. 

Doch das Los beinhaltet noch viel mehr als die Chance auf einen der Hauptgewinne, schließlich will es gerubbelt werden. Wer das entsprechende Feld freikratzt, dem offenbart sich entweder eine Niete oder, mit etwas Glück, eine Zahl. Was sich hinter dieser Zahl verbirgt, erfahren die Käufer auf der Website www.­penzberg-sagt-danke­.de, die schon bald freigeschaltet wird. Dort wird aufgelistet, für welchen Gewinn die jeweilige Nummer steht. Und auch einen Flyer soll es geben, der die Auflistung beinhaltet. Auf der Website soll ein Ticker darüber hinaus zeigen, wie viele Lose es noch gibt. Insgesamt werden 3.500 Sofortgewinne, die es bis zum 29. Januar 2021 einzulösen gilt, verlost. Zusätzlich bekommen alle teilnehmenden Unternehmen von der Stadt Give­aways wie Schlüsselanhänger und Volleybälle gestellt, denn nicht alle teilnehmenden Unternehmen können sich kostspielige Preise leisten, meint van Eijk und das Lächeln verschwindet aus ihrem Gesicht. „Man weiß ja nicht, wie es den Geschäften ging“, sagt sie, wenn sie sich in die Konsumenten versucht hineinzuversetzen. Doch das soll sich ändern. Im Rahmen des Gewinnspiels wird auch noch eine Social Media-Aktion gestartet. Auf einer Facebook-Seite sollen Unternehmen die Möglichkeit bekommen, ihre persönliche Corona-Geschichte zu erzählen. Dann können Floristen berichten, was mit all den Blumen geschah, die mit dem Lockdown nicht mehr verkauft werden konnten, dann können Modeverkäufer erzählen, was mit der Frühjahrsmode passiert, die während der Schließung niemand kaufen konnte und die nun, im Hochsommer, keiner mehr kaufen will. Dergestalt, glaubt ­Eijk, könne der Zusammenhalt zwischen Anbietern und Verbrauchern noch mehr gestärkt werden. 

Dass die Unternehmen, die laut van Eijk für eine „lebendige Innenstadt“ sorgen, zusammenhalten, soll dann auch optisch sichtbar werden: „Jeder bekommt einen Aufkleber fürs Schaufenster“. Solche Aufkleber, wie sie schon zum 100-jährigen Stadtjubiläum an die Glasscheiben geklebt wurden. Sticker gibt es genug, anders könnte es bei den Losen aussehen. Die begrenzte Stückzahl sagt schon aus, dass hier die altbekannte Angebotsfloskel „Nur solange der Vorrat reicht“ gilt. Wie schnell die Lose vergriffen sein werden, darüber kann van Eijk nur spekulieren. Doch das möchte sie nicht. Recherchiert, ob es in anderen Städten und Gemeinden eine ähnliche Aktion schon gab, hat sie jedenfalls. Etwas Vergleichbares habe sie dabei nicht gefunden. Vielleicht kann die Stadt Penzberg also in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle einnehmen und andere Kommunen inspirieren und dazu animieren, es ihr gleich zu tun. „Das wäre schön“, sagt van ­Eijk und schnauft laut durch die Nase, ermattet, aber lächelnd. ra

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona im Landkreis Weilheim-Schongau: Rasanter Anstieg der Fälle - es droht Ampelphase „Dunkelrot“
Corona im Landkreis Weilheim-Schongau: Rasanter Anstieg der Fälle - es droht Ampelphase „Dunkelrot“
Anti-Corona-Demonstration auf dem Stadtplatz: Lilia Baron fordert einen Untersuchungsausschuss
Anti-Corona-Demonstration auf dem Stadtplatz: Lilia Baron fordert einen Untersuchungsausschuss
Penzberger Stadträte feiern bei einer Corona-Party mit und werden erwischt
Penzberger Stadträte feiern bei einer Corona-Party mit und werden erwischt

Kommentare