Garden und Elferrat präsentiert

Das Penzberger OK feiert Fasching virtuell - sogar mit „Prinzenpaar“

Penzberg OK Penzberger Fasching Virtuell Moderatoren Fabian Probst Maxi Eller
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Die Moderatoren Fabian Probst (l) und Maxi Eller hielten auch als fiktives Prinzenpaar Prinz Anonymus I. und Prinzessin Incognita I. eine Rede.

Penzberg – Vom Corona-Lockdown lassen sich die Maschkera nicht unterkriegen. Das Organisationskomitee Penzberger Fasching (OK) lud zur virtuellen Präsentation. Geboten wurde sogar eine Rede.

Die Anstecker tummeln sich auf ihren Revers, Sektflasche und Gläser stehen bereit, Luftschlangen warten darauf, aus der Rolle gepustet zu werden. Doch Maxi Eller und Fabian Probst, Präsident und Vizepräsident des OK, zieht es keineswegs nach draußen ins Faschingstreiben, sondern in ein kahles Büro vor den Bildschirm eines Laptops. Beim „Penzberger Fasching 2.0“ stellen die beiden an diesem Abend die Garden, den Elferrat und auch das diesjährige Prinzenpaar vor – wobei Letzteres eigentlich keines ist.

Schon 80 Teilnehmer nach kurzer Zeit

Es ist wenige Minuten nach 18 Uhr, mehr als 80 Teilnehmer sind bereits zum Zoom-Meeting gestoßen. Kameras und Mikrofone sind ausgeschalten, um eine möglichst gute Videoübertragung zu ermöglichen. Die Teilnehmer sehen via Webcam ein Bürozimmer und zwei leere Stühle. Dann nehmen Eller und Probst Platz. Sie werden die kommenden rund 80 Minuten über den ungewöhnlichen Fasching sprechen, Garden vorstellen sowie Helfern und Sponsoren danken. Denn obgleich alle Faschingsvereine ihre Veranstaltungen absagen mussten, wollten die Penzberger Narren trotzdem etwas auf die Beine stellen. Immerhin sei dem Verein eine gewisse „Sturheit und Beharrlichkeit, unüberwindbare Hindernisse zu überspringen,“ zu eigen, wie die beiden Moderatoren versichern.

Stimmen aus dem Vorstand: Benedikt Brennauer (l.) und Holger Fey waren zu hören.

„Die Flinte ins Korn zu werfen, wäre zu einfach gewesen“, pflichtet ihnen auch Vorstand Holger Fey bei, der gemeinsam mit seinem Vize und dem amtierenden Prinzen Benedikt Brennauer wenige Minuten lang eingeblendet wird. Statt einem Flintenwurf ins Korn nun also eine virtuelle Zusammenkunft. Wobei, „ganz virtuell ist der Penzberger Fasching nicht“, meint Brennauer und verweist auf den 44 Seiten starken Lachkurier, dessen 4000 Exemplare in Penzberger Geschäften ausliegen. Und weil darin neben Bildern und einer Chronik auch all die Sponsoren des Penzberger Faschings aufgeführt sind, mag es kaum verwundern, dass Eller und Probst in dem über einstündigen Meeting ständig auf den Lachkurier verweisen, fast so oft, wie sie „Laßt’s net aus“ rufen und zum Sektglas greifen. Das Duo moderiert auch die neuen Garden, die Kinder-, Teenie- und Prinzengarde, sowie den Elferrat und die Trainer an. In kurzen zusammengeschnittenen Videosequenzen stellen sich die in Schale und Melone geworfenen Jungen, Mädchen, Frauen und Männer in wenigen Sätzen selbst vor. Unter den Garden finden sich dabei einige Neuzugänge. „Die Kindergarde ist sehr, sehr gut aufgestellt, so gut wie schon lange nicht mehr“, sagt Eller.

Virtueller „Corona-Orden“

Nicht aufgestellt, sondern gekürt wird jede Saison ein Prinzenpaar. Nicht aber dieses Mal. Zwar tritt der Adel in Gestalt von Prinzessin Incognita I. und Prinz Anonymus I. während des Meetings vor die Webcam – doch verbergen sich unter Stoffkrone und blonder Langhaarperücke eben Probst und Eller. Beide geben sich als fiktives Faschingspaar dennoch Mühe, ein wenig Schein zu erhalten. Sie halten standesgemäß eine Rede. In der sie etwa bedauern, dem neuen Bürgermeister Stefan Korpan, der noch nicht einmal ein Jahr in der Stadt regiert, den Rathausschlüssel nicht abnehmen zu können. Auch tanzt das Paar zum Faschingswalzer – zum Wohlgefallen der Community, die im Chatroom die Bewegungen lobt. Und auch die Faschingsorden werden verliehen. Immer wieder streckt Probst diese in die Kamera. „Ein virtueller Corona-Orden“, kommentiert Eller. Gewiss haben die Narren diesen verdient, immerhin arbeiten sie an ihren Tänzen und Fitness, ob in der Natur oder online. „Wir haben immer coronakonform trainiert“, betont Probst.

Auch viele Fragen im Chat

Regelmäßig werfen die Moderatoren, ob mit roter Melone oder Perücke auf dem Kopf, einen Blick auf den Chatverlauf und die Teilnehmer. Inzwischen hat sich die Zahl der Zuschauer auf 100 einpendelt. Ständig trudeln Kommentare ein, aber auch Fragen. Etwa, ob es einen Online-Krönungsball im Stile des virtuellen Starkbieranstichs gibt oder warum Eller und Probst so selten zum Glas greifen. Letzte Frage verleitet die Moderatoren mehrmals dazu, virtuell mit den Zuschauern in einer Polonaise an die Bar zu gehen und „Laßt’s net aus“ aus voller Kehle zu rufen. Wie der Fasching in Penzberg trotz Corona-Pandemie gefeiert werden kann, können Eller und Probst aber nicht sagen, jedoch deuten sie an, dass an Lösungen gearbeitet werde. So könnte es vielleicht einen virtuellen Ball geben. Und auch eine Audio-Streaming-Playlist mit Faschingshits, erstellt von der Teeniegarde, soll es geben. Doch wie man es dreht und wendet, die Narren müssen heuer wohl ohne ihre geliebte Freiheit auskommen. „Wir müssen das dieses Jahr im Kopf machen“, meint Eller, ehe zum Abschluss ein bebildeter Rückblick auf das Jahr 2020 des OK Penzberger Fasching über die Bildschirme läuft und die Teilnehmer sich nach und nach ausloggen. Antonia Reindl

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