Diskussion ums Deichstetterhaus

Das Testament wird angezweifelt

Iffeldorf - Der Streit um das Vermächtnis des letzten Besitzers des Deichstetterhauses, Wilhelm Hörmann, wird immer verworrener und ist nun ein Fall für die Juristen geworden.

Nachdem Bürgermeister Hubert Kroiß der Presse nur einen kleinen Teil des Testaments zur Einsicht vorgelegt hatte, steht nun auf Betreiben eines von der Bürgerinitiative (BI) „Kein Rathaus im Deichstetterhaus“ eingeschalteten Rechtsanwalts fest, dass Hörmann verfügt hatte, die Bäume im Garten zu erhalten. Eine weitere Vorgabe legt fest, dass es auf dem Grundstück keine An- oder Neubauten geben darf. Zwölf Bäume wurden aber schon gefällt, und ein Mittelbau zwischen Haupthaus und Remise, in dem der Sitzungssaal untergebracht werden soll, ist Bestandteil der vom Gemeinderat bereits abgesegneten Planungen. Dort, wo die Bäume stan- den, soll künftig ein Teil des Parkplatzes für das Rathaus und die Stichstraße zum neuen Baugebiet angelegt werden. Für die BI ist das ein eklatanter Verstoß gegen die Vorgaben im Testament.

Die Abweichungen vom Text im Vermächtnis, so wird von Bürgermeister Kroiß versichert, seien in Absprache mit dem Testamentsvoll- strecker, dem promovierten Juristen Günter Joachim in Uttenreuth, erfolgt. Der Rechtsanwalt der BI bezweifelt diese Vorgehensweise. In- zwischen ist Joachim verstorben, und vom Nachlassgericht wurde kein Nachfolger benannt. Beim Nachlassgericht Weilheim existiert zwar, wie BI-Sprecher Hans Neuber von seinem Anwalt erfahren hat, ein „Nachlassverfahren Dr. Hörmann“. Doch seien die Akten längst geschlossen und im Archiv abgelegt worden. Ein Testamentsvollstrecker-Zeugnis jedenfalls, so heißt es, wurde nicht erstellt. Hinter der schon längere Zeit zurück liegenden Abholzaktion vermutet die BI nur das Ziel, neben dem Deich- stetterhaus die Erschließungsstraße für das neue Baugebiet zu ermöglichen. Es gäbe zwar eine Alternative, erklärt die BI, doch würde diese direkt am Haus Staltacher Straße 18 vorbeiführen - und das gehört Altbürgermeister Albert Strauß. Auch der Vorschlag von Kroiß und einigen Gemeinderäten, Sinn und Nutzen eines neuen Rathauses im Rahmen eines „Runden Tisches“ mit Vertretern aus allen Bereichen des Vereinslebens zu diskutieren, findet nicht ungeteilte Zustimmung.

Nur über einen Bürgerentscheid, sagt die BI, könnte die Meinung der gesamten Bevölkerung einwandfrei festgestellt werden. Kroiß kann die ganzen Vorbehalte der BI nicht verstehen. Mit den zu erhaltenden Bäumen im Garten sei der mehr als 100 Jahre alte Bestand zu verstehen, sagt er. Dieser sei in der Tat schützenswert. Weggeschnitten habe man lediglich die rund 20 bis 30 Jahre alten wild wachsenden Eschen entlang der westlichen Grundstücksgrenze. Auch zwei Buchen und eine Eiche habe man nur entfernt, weil sie eine Gefahr für das Dach dargestellt hätten. Die großen Bäume hinter der Holzhütte seien noch alle da. Den Zwischenbau sieht Kroiß als völlig richtig an. Hörmann, so seine Version, habe mit dem Anbauverbot nur verhindern wollen, dass das Grundstück geteilt und mit einem weiteren Haus bebaut wird, um Profit zu erzielen. Der Zwischenbau sei mit dem Naturschutz und dem Denkmalschutz abgesprochen worden, und auch ein Anwalt habe versichert, die jetzige Planung entspreche dem mutmaßlichen Wunsch des Erblassers.

Wie ein Rechtsstreit über diese strittigen Punkte, den die BI angedroht hat, ausgehen würde, kann Kroiß nur vermuten. „Verschiedene Anwälte haben nun mal auch verschiedene Ansichten“. Doch er fühle sich auf der sicheren Seite, gerade weil der Testamentsvollstrecker keinen Verstoß erkannt habe. wbr

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