Protest: HAP-Mitarbeiter, Betriebsrat und IG Metall wehren sich gegen den geplanten Stellenabbau

Außenborder statt Paddel

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Mehr als 200 Menschen kamen am Mittwochnachmittag zur großen Kundgebung auf dem Rathausplatz.

Penzberg – Weiße Plakate mit großen Schriftzügen heben sich aus der Menge hervor, dazwischen rote Fahnen, die von den Schultern der Flaggenträger herabhängen, ernste Mienen und Pfeifen, die zwischen den Lippen eingeklemmt ein Signal geben wollen: HAP-Mitarbeiter gestern auf dem Rathausplatz.

Ohrenbetäubendes Gepfeife und ratternde Ratschen dröhnen über den Penzberger Rathausplatz, lautstarke Zustimmung gibt es unter den mehr als 200 Demonstranten bei der Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg (HAP) zu den Forderungen des Betriebsrats. „Lasst uns kämpfen um die Zukunft unserer Arbeitsplätze!“, brüllt Ulf Wiedemann, der stelltvertetende Betriebsratsvorsitzender, ins Mikrofon. Grund für den Protest: Die Konzernzentrale hat den Mitarbeitern eröffnet, aufgrund anhaltender Verluste weitere Produktionsteile und Maschinen ins slowakische Werk Bànovce zu verlagern. Es droht der Verlust von bis zu 500 Arbeitsplätzen im Werk an der Seeshaupter Straße. 

HAP: Kampf um Arbeitsplätze

Ulf Wiedemann und Bayram Yerli vom HAP-Betriebsrat sowie Daniela Fischer von der IG Metall Weilheim (von links) forderten den Erhalt des HAP-Standortes Penzberg © ra
Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Rathausplatz © ra
Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Rathausplatz © ra
Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Rathausplatz © ra
Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Rathausplatz © ra
Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Rathausplatz © ra
Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Rathausplatz © ra
Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Rathausplatz © ra
Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Rathausplatz © ra
Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Rathausplatz © ra
Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Rathausplatz © ra
Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Rathausplatz © ra
Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Rathausplatz © ra
Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Rathausplatz © ra
Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Rathausplatz © ra
Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Rathausplatz © ra
Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Rathausplatz © ra
Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Rathausplatz © ra
Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Rathausplatz © ra
Protestkundgebung der Mitarbeiter von Hörmann Automotive Penzberg auf dem Rathausplatz © ra

„Wer in der Lage ist, ein Werk in der Slowakei mit Darlehen zu finanzieren, der muss auch in der Lage sein, ein Unternehmen in Penz­berg langfristig zu erhalten. Das ist unsere Forderung“, ruft Daniela Fischer aus, die erste Bevollmächtigte der IG Metall Weilheim. Dafür gibt es eifriges Kopfnicken der HAP-Mitarbeiter, die sich am Rathausplatz vor dem Café Freudenberg versammelt haben. Der Lärm, den die Belegschaft, die auch von Kollegen von Zarges und Hoerbiger, von der KAB und der Islamischen Gemeinde unterstützt werden, mit ihren Pfeifen und Ratschen verursacht, übertont das Eismärchen auf dem Stadtplatz gegenüber bei Weitem. Neugierige Bewohner der umliegenden Häuser schauen dem Spektakel vom Balkon aus zu. 

Fischers Unmut über die erneute Verlagerung von Teilen des Penzber­ger HAP-Werks in die Slowakei ist eine der Kern­aussagen in der Auseinandersetzung zwischen Betriebsrat und Belegschaft auf der einen und dem Arbeitgeber und dem Gesellschafter auf der anderen Seite. Die Hörmann-Konzernzentrale in Kirchseeon argumentiert, es müsse weiter nach Bánovce verlagert werden, um „im Fertigungsverbund die Wettbewerbsfähigkeit“ von HAP nachhaltig zu stärken. 

Gewerkschafterin Fischer und der Betriebsrat sehen das anders: Seit 2006 habe die HAP-Belegschaft auf Lohnerhöhungen verzichtet, kein Weihnachts- und Urlaubsgeld bekommen und 38 Stunden gearbeitet, dafür aber nur Lohn für 35 Stunden erhalten. Das war im Ergänzungstarifvertrag so verabredet worden, im Gegenzug sollte der Arbeitgeber investieren. „Wir fragen uns: Wo sind die Investitionen, welche die Arbeitsplätze langfristig sichern sollen?“, ruft Fischer über den Rathausplatz. Von den 32 Millionen Euro, die durch die Arbeitnehmerbeiträge gespart wurden, sei nur ein Bruchteil investiert worden, hadert sie. Die Mitarbeiter hätten jahrelang auf ihr Geld verzichtet, „um die Verlagerung ins Ausland zu finanzieren“. 

Ebenso rigoros und kratzbürstig wie Daniela Fischer gibt sich Ulf Wiedemann. „Es ist richtig geil, was hier abläuft“, freute sich der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende über die Solidarität zahlreicher Kollegen und Organisationen. Angesichts des drohenden Abbaus von 500 Arbeitsplätzen rief er dazu auf, sich nicht von den „Sirenengesängen aus Kirchseeon“ – dort befindet sich die Hörmann-Zentrale – beirren lassen. Dort werde versichert, man tue alles, um den Standort Penz­berg zu stärken, in Wahrheit plane die Konzernspitze aber den „Standortwechsel“ und den Stellenabbau. 

Wiedemann forderte Investitionen und ein tragfähiges Zukunftskonzept. Die neue Lackieranlage sei dringend notwendig, ebenso das Laserabkantzentrum, von dem bislang nur die erste Ausbaustufe geplant sei. „Seit 2008 sitzen wir in einem Boot in einem Strudel und paddeln uns einen ab. Aber wir brauchen keine neue Paddel, sondern einen Außenborder“, rief Wiedemann aus. Was er mit der Metapher sagen wollte: Ein Paddel ist Technik von gestern, ein Außenborder ist zukunfssichernde Investition. 

„Verträge gemacht – Invest nicht gebracht ... dann die Firma zugemacht“ oder „Ihr habt eine Verantwortung“ war unter anderem auf den vielen Plakaten und Bannern zu lesen. „Wir müssen laut bleiben, um ein Umdenken beim Gesellschafter herbeizuführen“, forderte auch Daniela Fischer. 

Bürgermeisterin Elke Zehetner sagt der HAP-Belegschaft an diesem Tag die volle Unterstützung der Stadt für den Erhalt der Arbeitsplätze zu. In Gesprächen mit der Konzernzentrale habe die Stadt bereits signalisiert, den Bebauungsplan in Kirnberg so zu ändern, dass der Weg zur „modernen Produktionskette“ möglich ist. Was die HAP-Mitarbeiter mit ihrem zwölfjährigen Lohnverzicht erdulden, „das würde im öffentlichen Dienst keiner auf sich nehmen“, sagt die Bürgermeisterin und erntet dafür viel Zustimmung. Ein weiterer Unterstützer für die HAP-Belegschaft ist der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel, der die Verlagerung nach Osteuropa kritisiert und das Vorgehen der Konzernzentrale als „Humbug“, bezeichnet, „das hat mit Betriebswirtschaft nichts zu tun“. Andreas Kohl von der KAB wiederum hält der Konzernspitze vor, sie behandele „Menschen als Manövriermasse, die man los wird, wenn‘s eng wird.“ 

„Wir geben nicht auf, bis der Arbeitgeber Zukunftsinvestitionen tätigt, die die Arbeitsplätze sichern“, betont derweil Daniela Fischer. Abschließend lässt sie etwa Zuversicht erkennen: Nachdem die Krise öffentlich bekannt wurde, habe HAP ein Konzept erarbeitet. „Sie haben sich bewegt.“ akr

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