Demo mit Daumen

Penzberger Gymnasiasten protestieren vor Schulgong gegen Elterntaxis

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So geht das aber nicht! Die Gymnasiasten gaben mimisch und gestisch alles, um den vorbeieilenden Autofahrern zu zeigen, was sie von deren schultäglichen Chauffierdienst halten.

Penzberg – Morgens halb acht in Penzberg. An der Karlstraße schlendern nach und nach die Schüler gemächlichen Schrittes in das Gymnasium. Alle Schüler? Nein, ein paar bleiben an der Bushaltestelle direkt vor dem Eingang stehen und zeigen Autofahrern den Finger, besser gesagt den Daumen.

Als Demonstranten sind die Gymnasiasten erst nicht wirklich zu erkennen, ein paar Dutzend Mädchen und Jungen unterschiedlicher Jahrgänge, aber nur drei Schilder. „Die Plakate wurden entsorgt“, bedauert Lehrerin Katrin Reisnecker, die auch die Umwelt-AG an der Schule betreut. So viel Pappe war für die „Fridays for Future“-Demos zurechtgeschnitten, bemalt und beschriftet worden, doch sie in der Schule zu deponieren, war wohl keine gute Idee. Bleibt zu hoffen, dass das Papier zumindest ordnungsgemäß recycelt wurde. Aber sei‘s drum. Auch ohne Plakate können die Schüler vor den Toren des Gymnasiums ihren Unmut Platz machen. Ganz im Geiste der freitäglichen Umweltbewegung stellen sich die Mädchen und Jungen nun an den Straßenrand und warten auf all die Eltern, welche ihre Kinder unter ordentlich Kohlendioxidausstoß zur Schule kutschieren. „Viele werden aus Bequemlichkeit gefahren“, sagt Reisnecker, um deren Hals eines der wenigen Pappplakate an einer Bast­schnur baumelt, darauf eine glühende Erde, die um Hilfe schreit: „I need your help.“ 

Auf die Sprünge helfen wollen die Schüler nun all den Eltern, die die Bushaltestelle passieren. Mit lauten „Buh“-Rufen sowie nach unten gekehrten Daumen appellieren sie an das ökologische Gewissen der Erwachsenen. Und die Fahrer? Die können es kaum erwarten, wieder zu verschwinden. Husch, husch raus mit dem Kind, Tür zu und aufs Gaspedal. Ein Vater aber bleibt völlig gelassen. Als seine Tochter das Musikinstrument aus dem Kofferraum seines E-Autos nimmt, steigt er aus und ruft er ihr hinterher, ob sie denn auch alles habe. Dann steigt er wieder ein und verschwindet, die Menge an demonstrierenden Daumen ignorierend. Dreiviertel acht. Allmählich staut es sich vor der Karlstraße, Elterntaxi reiht sich an Elterntaxi. Ein Fahrer schaltet sogar in den Rückwärtsgang, um dem Urteil der Masse zu entgehen. Verständnislos blicken zwei demonstrierende Mädchen auf das Szenario. An ihren Ranzen baumeln Helme, die Penzbergerinnen nehmen das Rad zur Schule. Und all diejenigen, die es ihnen gleichtun, erhalten nun einen tosenden Applaus von den Protestanten. Die Radler antworten mit verdutzten Blicken. 

Bereits vor den Osterferien demonstrierten die Kinder und Jugendlichen gegen Elterntaxis, ob es seitdem weniger chauffierende Autos geworden sind, kann Reisnecker nicht beurteilen, „wir sollten mal eine Zählung durchführen“, meint die Lehrerin. An diesem Tag wäre eine Zählung wohl nicht repräsentativ, denn viele Eltern sind vorgewarnt. Da dürften einige Mütter und Väter an einer Ecke gehalten haben, um ihr Kind aussteigen zu lassen. 

Wenige Minuten vor acht, der Schulgong kündigt sich an, die Demonstranten treten den Weg in die Schule an. Wenige Stunden später kehren dann die Elterntaxis zurück, um, wahrscheinlich versteckt in einer Seitenstraße geparkt, ihre Kinder wieder abzuholen. ra

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