Wenn die Sense fliegt

Otto Gion trotzt Corona beim 5. Sensologen-Kongress in Benediktbeuern

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Wer denkt, die traditionelle Form der Mahd sei nur etwas für kernige Burschen, der täuscht sich gewaltig, wie auch der erstaunlich hohe Frauenanteil beim Sensologen-Kongress bewies.
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Bernhard Hofer (rechts) hat früher viel mit der Sense gemäht, nach dem Kongress will er das wieder verstärkt tun.
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Wenn Otto Gion über Sense und Dengel philosophiert, dann lauscht die Menge gespannt. 
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Susanne Spensberger versuchte das Gelernte in der Praxis umzusetzen. 
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Beim abschließenden Wettbewerb stoppte Sabine Haslinger die Zeit, die jeder Teilnehmer für das Mähen einer Streuobstwiese benötigte.

Benediktbeuern – Solch eine Stimmung erlebt man rund um das Kloster Benediktbeuern selten: Fans schreien, klatschen, feuern an, rufen „Hey, hey, hey!“, „Hau rein!“ und „Super – zieh durch!“ Klingt fast wie bei einem Fußballspiel, ist aber tatsächlich das unterhaltsame Finale des 5. Sensologen-Kongresses: Ausgeloste Vierer-Teams treten gegeneinander an, um zu ermitteln, wer ein Stück der Streuobstwiese am schnellsten mit der Sense mähen kann. Es ist der ungewöhnliche Schlusspunkt einer ungewöhnlichen Veranstaltung, die eigentlich anders hätte verlaufen sollen. Geplant war unter anderem ein einstündiger Vortrag im Kloster, garniert mit Fotos und Filmen. Doch dieser Programmpunkt musste aufgrund der Corona-Auflagen entfallen.

Die rund 40 Teilnehmer erhalten im Freien dafür einen tiefen Einblick in fünf verschiedene Dengelmethoden, lernen das richtige Schärfen der Sense mit dem Wetzstein, aber auch, wie die Sense körper- und mähgerecht eingestellt wird. Die richtige Einstellung und Schärfe der Sense können sie dann auf der Wiese testen. „Dengeln ist eine ganz entscheidende Sache“, sagt Kurseiter Otto Gion. „Der Beste kann nicht mähen, wenn die Sense nicht scharf ist.“ Um eine Sense zu dengeln, sei Geduld und Sorgfalt nötig. „Es kommt auf die Genauigkeit an, man darf nicht hudeln.“ Wenn man die Sense durch einen Maulwurf- oder Ameisenhaufen zieht, sei die Schneide kaputt: „Saubermachen, wetzen, dann geht’s wieder weiter“, meint Gion. Er ist jetzt 82, gibt seit 30 Jahren Kurse und veranstaltet nun zum fünften Mal den Sensologen-Kongress. 

Einer seiner Co-Referenten ist Christian Thim, mittlerweile ein echter Experte in Sachen Sensenmahd. Dabei habe er vor fünf Jahren überhaupt noch nicht gewusst, bekennt er breit grinsend, wie man eine Sense richtig einstellt und wie man sie dengelt. „Aber dann war ich bei Hinz und Kunz und bin bis nach Südtirol gefahren, um von den ganzen Großmeistern der Sensenmahd zu lernen. Die mähen drei Hektar pro Saison, da fliegt die Sense“, lacht Thim. Einerseits versucht er nun das dort erworbene Wissen weiterzugeben, andererseits wendet er es auch selbst beruflich an: Thim ist Teil einer neu aufgebauten Sensen-Mäh-Mannschaft am Tegernseer Bauhof. Die Vorteile dieser Art zu mähen, liegen für ihn auf der Hand: „Die Sensenmahd ist nachhaltig sowie insekten- und umweltfreundlich. Man macht keinen Krach, verbraucht kein Benzin, und es ist ein schönes, leichtes Arbeiten, wenn man weiß, wie es geht.“ 

Susanne Spensberger aus Ried hat beim Sensologen-Kongress jedenfalls einige Aha-Erlebnisse: „Mir war gar nicht klar, dass die Schneide so dünn und biegsam sein muss, wie bei einer Rasierklinge. Ich hab’ das mit dem Fingernagel nachkontrolliert, das ist der Wahnsinn“, staunt sie. Ihr neu gewonnenes Wissen will sie nun zu Hause anwenden: „Wir haben öfter hohes Gras auf dem Grundstück zu mähen. Das macht momentan meine Mama, aber jetzt kann ich sie vielleicht unterstützen.“ Auch Bernhard Hofer aus Neubiberg will nun öfter zur Sense greifen. „Vor 30 Jahren hab’ ich das zum letzten Mal gemacht, dann hab’ ich es zugunsten eines Rasenmähers aufgegeben“, berichtet er. Gleichwohl empfindet er das Mähen mit der Sense als faszinierend: „Mit Training und dem richtigen Kurs geht das richtig gut.“ Entscheidend sei das Dengeln und eine scharfe Schneide: „Alles andere macht keinen Sinn. Ich hab’ mir mal eine Sense im Baumarkt gekauft, die hat gar nicht funktioniert.“ 

Otto Gion strahlt, als er das hört. Die Sensenmahd „liegt gerade im Trend“, sagt er und verweist darauf, dass sich 70 Leute für den Kongress anmelden wollten. Wegen Corona durften aber nur 45 mitmachen. Und noch etwas hat er festgestellt: „Auffällig ist, dass sich auch relativ viele Frauen dafür interessieren.“ ps

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