Heftige Debatte

Deutliches Ja im Stadtrat: Penzberg stellt Bebauungsplan für Roche-Erweiterung auf

Das bestehende Roche-Werksgelände im Nonnenwald mit der geplanten Erweiterung im Norden (blau).
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Der Roche-Konzern will eine Fläche im Norden seinen Geländes (blau) vom Staatsforst erwerben.

Penzberg - Die Stadt Penzberg stellt einen Bebauungsplan für eine Erweiterung des Roche-Geländes auf. Das beschloss der Stadtrat nach heftiger Debatte. Nur die Grünen stimmten dagegen.

Dass das Thema den Stadtrat beschäftigen wird, war abzusehen. Schon im Bauausschuss hatte sich gezeigt, dass die von Roche gewünschten Erweiterungflächen im Nonnenwald nicht unumstritten sind. Klar gegen die rund 13 Hekter neue Werksfläche positionierten sich nun im Stadtrat die Grünen. Katharina von Platen sah „Verbesserungsbedarf“ im Bebauungsplan: Die Firma solle die Möglichkeiten zur Nachverdichtung auf ihrem Gelände nutzen. Man müsse die Auswirkungen auf Umwelt, Klima und städtische Entwicklung berücksichtigen. Vorschlag von Platens: Erstmal nur um vier Planquadrate im äußersten Osten erweitern und in Ruhe den nördlichen Bereich prüfen. Fraktionskollegin Kerstin Engel ergänzte: Es gehe nicht darum, „Roche zu bremsen“– allerdings stelle sich die Frage, „braucht es jetzt 13 Hektar?“ Engel sprach von „unglaublichem Flächenpotential im Werksgelände“.

Grünen-Antrag abgelehnt

Eine Meinung, mit der die Grünen allein standen. Ihr Antrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. „Es wird nicht sofort gebaut“, verwies Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) auf die Planungshoheit der Stadt. Adrian Leinweber (SPD) sprach sich klar für einen vollumfänglichen Bebauungsplan aus: „Jetzt ein Teilstück rausnehmen, bringt uns gar nichts.“ Christine Geiger (CSU) lehnte Einschränkungen ab: Roche sei ein „gut funktionierendes Unternehmen“ und „ein Arbeitgeber, um den uns andere beneiden“. Armin Jabs (BfP) verwies darauf, dass Nachhaltigkeit eh ein ständiges Thema beim Konzern sei, allein aus Imagegründen. Seitens der Verwaltung werden die nördlichen Flächen als notwendig gesehen. Dies sei der „einzige sinnvolle Standort“, betonte Günter Fuchs vom Bauamt. Das bestehende Werk würde, trotz Nachverdichtung, für die Zukunft nicht ausreichen.

PM schwenkte um

Am Ende stimmten nur die vier Grünen-Räte Engel, von Platen, John-Christian Eilert und Sebastian Fügener gegen den Aufstellungsbeschluss. Auch Penzberg Miteinander (PM) war dafür, obwohl Rat Martin Janner im Bauausschuss dagegen votiert hatte. Begründen konnte PM sein Umschwenken in der Sitzung nicht, weil der Antrag von Nick Lisson (CSU) auf Ende der Debatte mit 13 zu11 Stimmen durchging. PM-Fraktionschef Markus Bocksberger erklärte später, dass man die Weiterentwicklung des Roche-Standorts ausdrücklich begrüße. Man sehe jedoch „dringenden Gesprächsbedarf“ und fordere deshalb eine zeitnahe Klausursitzung des Stadtrats, um „gemeinsam“ über die städtische Zukunft zu sprechen – mit Roche und der Region 17.

„Werbetext“ vorgetragen?

Für Kopfschütteln sorgte Grünen-Rat Eilert. Er warf Bauamtsvertreter Fuchs ein „vergiftetes Lob“ entgegen: Dieser habe einen „Werbetext“ von Roche vorgetragen. „Das kann ich nicht nachvollziehen“, verteidigt Bürgermeister Korpan auf Rundschau-Nachfrage seinen Mitarbeiter. „Das sind Fakten gewesen. So etwas geht gar nicht.“

Das sagt Roche

Vertreter von Roche saßen bei der Stadtratsdebatte über den Bebauungsplan unter den Zuhörern. Danach meldete sich das Unternehmen zu Wort. „Es freut uns sehr, dass der Stadtrat uns mit seiner positiven Entscheidung sein Vertrauen ausgesprochen hat und die weitere Entwicklung unseres Standortes mit unterstützt“, kommentierte Werkleiter Ulrich Opitz. „Damit ist die erste Hürde genommen, das Verfahren kann jetzt offiziell starten und wir können die Gespräche und Planungen weiter fortführen.“
Im nächsten Schritt werden vom internen Real-Estate-Management mit Stadt, Behörden und Architekten die Planungen abgestimmt. Begehungen und Kartierungen für die natur- und artenschutzrechtlichen Fragestellungen sowie die emissionsrechtlichen Themen seien organisiert. Ab Anfang Februar werden die Bodenverhältnisse untersucht, insbesondere im Bezug auf das ehemalige Bergwerk. Für den Ausgleich von Eingriffen in die Natur laufen schon erste Gespräche mit Behörden und Grundstückseigentümern. Ziel der Erweiterung sei es, „die zukünftige Entwicklung des Standorts Penzberg frühzeitig und gut vorzubereiten“, betonte man bei Roche erneut – und versprach, weiteres Wachstum „im Schulterschluss“ mit allen Beteiligten zu gestalten. Andreas Baar

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