Dialog unter Christen

Benediktbeurer CSU diskutiert mit Vertretern des Klosters ihr Wahlprogramm

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„Experten mit Kompetenz, Unabhängigkeit und Ortskenntnis“: die Patres Karl Geißinger und Lothar Bily diskutieren unter anderem mit Hanns-Frank Seller und Margarete Steffens von der CSU (von rechts).

Benediktbeuern – Zur Vorstellung seines Wahlprogramms unter dem Motto „Zukunft Benediktbeuern – Dialog zwischen Bürgern und Salesianern zu kommunalen Themen“ hatte der CSU-Ortsverband die Direktoren des Klosters und des Zentrums für Umwelt und Kultur (ZUK) eingeladen.

Rund fünfzig Benediktbeurer, darunter die CSU-Kandidaten, Altbürgermeister Georg Rauchenberger und Bichls Rathauschef Benedikt Pössenbacher waren zu der Informationsveranstaltung ins Café Lugauer gekommen. Beim Dialog mit den Salesianern nahmen sie überwiegend die Zuhörerrolle ein, denn die Vorstellung der Schwerpunkte des CSU-Programms, darunter Umwelt, Gewerbe, Landwirtschaft und Dorfentwicklung, nahm alleine schon zweieinhalb Stunden in Anspruch. Mit den Patres Lothar Bily und Karl Geißinger habe man zwei „Experten mit Kompetenz, Unabhängigkeit und Ortskenntnis“ als Diskussionspartner eingeladen, sagte Hans-Otto Pielmeier. Der Ortsvorsitzende ließ jedes der acht kommunalpolitischen Ziele durch einen Kandidaten der CSU-Liste erläutern und durch die Vertreter des Klosters kommentieren. 

Ein kohlenstoffdioxidneutrales Klosterdorf

Auf einer Linie waren beide Seiten beim Thema erneuerbare Energien, bei welchem Anton Dengg erklärte, dass Benediktbeuern mittelfristig zu einem kohlenstoffdioxidneutralen Dorf gemacht werden solle. Dieses könne durch sinnvolle Gebäudedämmung, deutlich mehr Photovoltaik auf den Dächern und Heizen mit regionaler Biomasse, auch Schilf, Stroh und Heu, erreicht werden, wohingegen Windkraft nur in höheren Lagen, etwa beim Windpässl, sinnvoll sei, erläuterte der Kaminkehrermeister. Die Frage, ob das Dorf von freien Kapazitäten des Klosters profitieren könne, verneinte Pater Karl Geißinger. Um das Kloster energieautark zu machen, setze man seit zwei Jahrzehnten auf Hackschnitzel, Wasserkraft und Solarthermie, hingegen sei das Blockheizkraftwerk nach zwölf Jahren nicht mehr in Betrieb, erklärte der ZUK-Direktor. Auch wenn das Kloster als Sonderfall nicht mit dem Dorf vergleichbar sei, habe es Gespräche mit örtlichen Fachbetrieben und der Energiewende Oberland gegeben, schilderte er. „Wirklich Innovatives ist dabei noch nicht auf den Tisch gekommen“, bedauerte Geißinger, der sich auf dem Klostergelände einen kleinen Photovoltaik-Park vorstellen kann. 

„Man kann die Natur zurückdrängen, wenn man andererseits Korridore vernetzt“

Im Spannungsfeld zwischen Umwelt und Gewerbe kam Thomas Guggemos auf das Gewerbegebiet zu sprechen. Durch Zuzug und konfliktträchtige Mischgebiete würden Betriebe aus dem Dorf rausgedrängt, beklagte er. Die CSU wolle aber Ausbildungs- und Arbeitsplätze am Ort halten, weshalb man für eine „maßvolle Weiterentwicklung des bestehenden Gewerbegebiets unter Einbeziehung des schutzbedürftigen Lainbachwalds“ stehe. Das Bürgerbegehren wolle man „nicht in Frage stellen, aber von Zeit zu Zeit überdenken und neu bewerten“, formulierte der Steuerberater salomonisch. Auch Pielmeier bekräftigte, man wolle das Thema nicht mehr „eins zu eins auflegen“, sondern diesmal bei der Planung die Naturschutzbehörden gleich zu Beginn einbinden. Der Vorschlag, den Wald als Ausgleich für die Teilrodung aufzuwerten, war weniger neu als die Stellungnahme von Pater Geißinger zu dem heiklen Thema. Das Biotop müsse „für kommende Generationen erhalten werden“, betonte dieser, erläuterte aber zugleich, dass mehrere kleine, weiträumig miteinander vernetzte Streifen mehr brächten als eine einzige große Fläche. „Entscheidend ist, wie dicht ein Netzwerk ist“, sagte er und machte auf dem Luftbild des Klosterdorfes einen verbesserten Status quo von Korridoren und vernetzen Lebensräumen aus als noch vor fünf bis zehn Jahren. „Man kann die Natur zurückdrängen, wenn man andererseits Korridore vernetzt, die bislang noch nicht miteinander verbunden sind“, lautete Geißingers Resümee, welches ein zufriedenes Lächeln in die christsozialen Gesichter zauberte. 

Ein Gordischer Knoten und keine Zauberer

Als Gordischer Knoten erwies sich das Thema bezahlbarer Wohnraum. Hanns-Frank Seller referierte über das Problem der spekulativen Entwicklung bei Innenverdichtung. „Es ziehen nicht diejenigen ein, die wir haben wollen, sondern andere, die sich das leisten können“, gab der Rathaus-Vize zu bedenken. Bezahlbaren Wohnraum könne die Gemeinde aber nur auf eigenen Flächen und damit nur punktuell schaffen. „Wir sind keine Zauberer“, stellte Seller fest, weshalb er in der Frage nach großflächig bezahlbarem Wohnraum auch „relativ sprachlos“ sei. 

Konkurrieren um Wohnraum

Noch prekärer wird die Lage bei Berücksichtigung des studentischen Wohnbedarfs. Michael Greppmair von der Trägerstiftung der Katholischen Stiftungshochschule beklagte das zunehmende Wegfallen von WG-Plätzen, zuletzt in der Bahnhofstraße gleich zwanzig an der Zahl. „Wir verlieren die Campus-Hochschule und damit einen großen Arbeitgeber fürs Dorf, wenn sich Studenten nicht mehr in Benediktbeuern einschreiben, weil sie keine Unterkunft finden“, warnte Greppmaier, der hier auch die Gemeinde in der Verantwortung sieht. Zwar sei das Kloster mit zusätzlichen Zimmern im Westbau in die Bresche gesprungen, und die Diözese wolle das Studentenwohnheim erweitern, den Bedarf für über 500 Studenten könne dies jedoch nicht decken. Der Konkurrenzsituation um bezahlbaren Wohnraum sei man sich bewusst, erklärte Pielmeier. Und Seller ließ immerhin durchblicken, dass der Gemeinderat dem Erweiterungsbau des Studentenwohnheimes wohl grünes Licht erteilen wolle. 

Das Gleis als Grenze

Ein paar kritische Töne gab es dann mit Blick auf die Dorferneuerung. „Wie weit ist das Kloster hier wirklich einbezogen und was ist mit dem ganzen Tourismus?“, fragte Geißinger. Hinsichtlich der klösterlichen Wege und Alleen wünsche er sich, „manches auf den Tisch zu bringen, mit dem wir bislang alleine sind“. Offenbar werde hier die Bahnlinie als Grenze empfunden, mutmaßte der Pater, erhielt aber sogleich Gegenwind, unter anderem von Altbürgermeister Rauchenberger, der an die Pflasterung des Maierhofs im Rahmen der Dorferneuerung erinnerte. Einig war man sich wie­derum beim Fremdenverkehr und der Herausforderung, einen sanften, naturfreundlichen Tourismus vor den Schattenseiten des Massenansturms zu bewahren. Ausdrückliches Lob gab es schließlich vom ZUK-Rektor für das Zusammenspiel von Naturschutz und Landwirtschaft im Klosterland. 

Der Abend endete schließlich mit der hüben wie drüben geteilten Erkenntnis, dass sich die Kommune gleich in mehreren Spannungsfeldern befindet und es durchaus noch intensivere Gespräche zwischen Dorfgemeinschaft und Klostergemeinschaft geben könnte. cw

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