Es quietscht nicht mehr

Birkenstraßen-Grundschule erhält digitale Tafeln und spendet die alten für Tansania

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Die bunt bemalte Tafel, die mit 16 weiteren auf große Reise gehen wird. Darüber freuten sich Stefan Ahne und Michael Haberlander von der städtischen EDV-Abteilung, Bürgermeisterin Elke Zehetner, Schulleiterin Annett Baier, Andreas Meindl von der Hilfsorganisation Jambo Bukoba, Hausmeister Christian Leo, Ulrich Münzing von der Firma Britnet und Martina Grüttner vom ActivPanel-Hersteller Promethean (von links).

Penzberg – Jahrelang hing die große dunkelgrüne Tafel in einem Klassenzimmer in der Grundschule an der Birkenstraße in Penzberg. Nun aber hat sie ausgedient, die Tafel wird gemeinsam mit 16 weiteren auf die lange Reise nach Tansania geschickt.

Während in der Grundschule an der Birkenstraße die Digitalisierung Einzug hält, ist man im ostafrikanischen Tansania froh, wenn eine Kreidetafel in den nicht selten mit 50 bis 100 Schülern überfüllten Klassenzimmern hängt. Damit die 17 gut erhaltenen Tafeln der Birkenstraßen-Schule nicht auf dem Müll landen, hat sich Ulrich Münzing von der Firma Britnet, welche dort die Umrüstung vornimmt, für eine Weiterverwendung stark gemacht und stieß bei seinen Recherchen auf die Hilfsorganisation Jambo Bukoba. Für die 251 Schüler der elf Klassen an der Birkenstraße und die 20 Lehrkräfte bricht hingegen ein neues Zeitalter an. 

Schon ein wenig wehmütig blickt Schulleiterin Annett Baier auf die bunt bemalte Tafel. Eine ihrer Lehrkräfte hat sie extra für die Schüler in Tansania mit farbiger Kreide bemalt und einen Gruß aus Penzberg darauf geschrieben. „Sie wegzugeben ist schon eigenartig. Kreidehände gehören einfach zu unserem Beruf“, meint Baier, doch sie freut sich auch auf das Abenteuer Zukunft. „Meine Kollegen sind alle sehr motiviert, in die digitale Welt einzutauchen.“ Dies bestätigten auch Stefan Ahne und Michael Haberlander, von der EDV-Abteilung der Stadt Penzberg. Sie hatten das Fördergeld für die Umrüstung beantragt, welches mit 82.000 Euro die Stadt entlastet. „Für uns ist es das erste Projekt dieser Art“, so Ahne, „und in der Birkenstraße waren die Voraussetzungen optimal.“ Insgesamt kostet das Projekt rund 220.000 Euro, in dessen Zuge nicht nur sogenannte ActivePanels, die wie riesige Tablets funktionieren, eingebaut werden, sondern ebenso Notebooks für die Lehrer angeschafft und Elektrokabel zur Vorbereitung einer WLAN-Struktur eingezogen wurden. 

Den 17 Kreidetafeln steht deshalb nun eine lange Reise bevor. Andreas Meindl von Jambo Bukoba freut sich über die Spende: „Wir unterstützen seit zehn Jahren Schulen in der Region Bukoba am Victoriasee. Unsere drei Säulen liegen bei der Aufklärung über Aids, der Stärkung der Position der Mädchen und jungen Frauen und vor allem bei der Verbesserung der Situation an den Schulen.“ Meindl, der als Schulleiter am Gisela-Gymnasium in Schwabing tätig ist, erzählt, dass in Tansania die Klassen oft überfüllt seien, manchmal auch gar keine Klassenräume zur Verfügung stünden und der Unterricht in sengender Hitze im Freien abgehalten werde. Auch Wasser für Toiletten und Körperhygiene sei meist nicht vorhanden, geschweige denn frisches Trinkwasser. 

Die Organisation Jambo Bukoba mit Sitz in München fand als Partner die DHL, die kostenlos einen großen Lagerraum zur Verfügung stellt und die Logistik zu einem Sonderpreis übernimmt. So ist es möglich, über einen Zeitraum Spenden wie Fahrräder oder Kleidung und eben auch die Tafeln zu sammeln und zu lagern, um sie dann auf die zwei- bis dreimonatige Schiffsreise zu schicken. Annett Baier und Hausmeister Christian Leo von der Birkenstraße legten sogar noch eins drauf: Leo sammelte und säuberte die zu den Tafeln gehörigen Lineale, Zirkel und Abzieher, während Baier die restlichen Kreidevorräte zusammensuchte. „Das Quietschen auf den Tafeln wird mir schon abgehen“, sagt sie etwas wehmütig. 

Ulrich Münzing beruhigte die Schulleiterin sogleich, denn obwohl die neuen AcitivePanels weiß statt grün sind, befinden sich rechts und links ausklappbare Whiteboards, auf denen man noch per Hand mit Stiften schreiben kann. „Die quietschen auch ein bisschen“, grinste Münzing. Auch der Tafeldienst bleibt erhalten, denn die Whiteboards sind schließlich abwaschbar. Die digitalen Tafeln allerdings lassen sich mit nur einem Fingertipp löschen. 

Trotz allem Fortschritt „ist die päda­gogische Fähigkeit einer Lehrkraft nie ersetzbar“, meint Annett Baier. Ihr ist es wichtig, dass Schüler trotzdem noch mit dem klassischen Handwerkszeug wie Stiften, Füller und Heften arbeiten. Stefan Ahne ist jedoch überzeugt, dass die Digitalisierung noch weiter voranschreiten wird. „Wir schaffen jetzt schon die Voraussetzungen in der Stadt, damit mögliche Umrüstungen schnell umgesetzt werden können“, betont er denkt dabei an reine Tabletklassen. Und auch die beiden anderen städtischen Schulen, die Bürgermeister-Prandl-Grundschule und die Mittelschule sollen demnächst bei der Modernisierung folgen. au

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