Beben im bäuerlichen Idyll

Bei einer Ortsteilversammlung der Nantesbucher wird es im Rathaus hitzig

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Ärger in Nantesbuch: Einigen Ortsansässigen ist der Märznhof, verkehrstechnisch, ein gewaltiger Dorn im Auge.

Penzberg – Ein Hügel, auf dem ein paar Häuser weilen und Beschaulichkeit und Ruhe thronen. Thronten, geht es nach einigen Nantesbuchern, die sich nach der Stille vergangener Tage sehnen und ihrem Unmut nun im Penzberger Rathaus Luft machten.

Erst war es ein Kirchendorf, später wurde es zu einem Weiler, doch egal in welche Kategorie Nantesbuch eingeordet wird, eine gewisse Beschaulichkeit war dem Penzberger Ortsteil schon immer zu eigen. Und beim bewährten Alten, der idyllischen Ruhe, wollen es viele der Anwohner auch belassen. Doch seitdem das Café Märznhof den Betrieb aufgenommen hat, hat in den Augen einiger Ansässiger der Verkehr stark zugenommen. Bei einer Ortsteilversammlung im Rathaus kochten da die Emotionen hoch, aber nur fast über. Bürgermeisterin Elke Zehetner und ihr Stellvertreter Johannes Bauer versuchten dabei, die Kirche im Dorf zu lassen. 

Prall gefüllt war der Sitzungssaal, doch nicht allein die große Zahl an Menschen im Raum sorgte für stickige Luft: Der Verkehr in Nantesbuch erhitzte so manches Gemüt. Und dennoch, bereits nach eineinahlb Stunden löste sich die Versammlung wieder auf. Eineinhalb Stunden, die Bürgermeisterin Zehetner für die Veranstaltung angesetzt hatte und einhalten wollte. Dass dies auch gelang, darüber dürfte sich die Rathauschefin gefreut haben. Ihre Nerven waren vor der Zusammenkunft jedenfalls ziemlich strapaziert worden, als es darum ging, einen geeigneten Veranstaltungsort zu bestimmen. Eigentlich sollte sich die Gruppe im Märznhof einfinden. Die Betreiber des Cafés, die Familie Höck, hätte sich auch dazu bereit erklärt, berichtet die Bürgermeisterin. Obwohl Peter Höck das Gefühl gehabt habe, dass es in seinen Räumlichkeiten „hundert gegen einen“ stehen würde, erinnert sich Zehetner, deren Stellvertreter Johannes Bauer schließlich den Hoisl-Bräu als alternativen Veranstaltungsort vorschlug. Das missfiel wiederum den Höcks, die sich nicht zum Konkurrenten begeben wollten. Ein Hin und Her, das an den Nerven der Bürgermeisterin gezerrt zu haben scheint, sie spricht von einem „Kasperl­theater“ und sei nach eigener Aussage „ziemlich narrad“ gewesen. So ging es ins Rathaus und „auf neutralen Boden“, meint Zehetner. 

Johannes Bauer, selbst ein Nantesbucher, bestätigt, dass wegen des Märznhofs mehr Autos durch den Ortsteil fahren und zu Stoßzeiten „schon mal wild geparkt“ werde. Eine Veränderung, die die Nantesbucher unterschiedlich bewerten, wie sich bei der Ortsteilversammlung zeigte. Die einen klagten über den vielen Verkehr und die chaotische Parksituation, die anderen drückten ihre Freude darüber aus, dass Nantesbuch nun „kein verschlafenes Nest mehr“ sei. Zehetner ist es in diesem Zusammenhang wichtig darauf hinzuweisen, dass auch das Zist einiges an Verkehr verursache. „Die Erwartungen“, wie sich der Ortsteil künftig entwickele, seien „einfach unterschiedlich“, resümiert Bauer. Vor allem die Voranfrage der Familie Höck, den Märznhof auszubauen, beherrschte die eineinahlb Stunden. Ein Thema, das auch „die Stadt kritisch“ sehe, aufgrund der verkehrlichen Einschränkungen in Nantesbuch, betont Bauer. 

Vorschläge, die Verkehrssituation und auch die Gemüter zu beruhigen, wurden durchaus gemacht, von Verkehrseinschränkungen war die Rede und auch von dem Wunsch, keine Vergrößerung des Märznhofes zuzulassen. Eine Lösung wurde aber nicht gefunden. Jetzt soll Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann mit der Polizei die Lage in Nantesbuch beurteilen, denn „für die Stadt kommt es auf die Regelung der Verkehrssituation an“, so Bauer. Ob das die erhitzten Gemüter kühlt, wird sich noch zeigen. ra

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