Lebendes Gelesenes

Benediktbeurer Schülertheater huldigt Bücher

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Spielten insgeheim die Hauptrolle: Hierlingers Bibliotheksbücher.

Benediktbeuern – Im Theater gibt es durchaus undankbare Rollen. Als die Schüler der Grund- und Mittelschule Benediktbeuern hörten, dass sie Bücher spielen, dürfte manch einer wenig begeistert gewesen sein. Doch waren es eben diese Bücher, welche die Hauptrolle in dem Stück für sich beanspruchten.

Sie wollen keine Essenskrümel auffangen, sie wollen keiner Seite beraubt werden und auch keinen Bücherwürmern zum Opfer fallen, das stellen die Bücher gleich zu Beginn des Stücks in der Aula klar. Die Schüler der Theaterklasse sind dabei in pergamentfarbene Kutten, die an Mönchsgewänder erinnern, gekleidet. Auf ihren Leibern prangen Zeilen, die von Abenteuern, Liebesgeschichten, Dramen und poetischen Begegnungen erzählen. Die Bücher leben in Doktor Hierlingers Bibliothek, in welche sich nur selten Kinder verirren. Die Schüler Sophie und Tom, gespielt von Juliana Hauser und Juli Köhnlein, suchen sie aber auf, um sich für ihr Referat über Johann Wolfgang von Goethe vorzubereiten, trotz der Vorbehalte, die ihre Lehrerin gegenüber dem eremitenähnlichen Gelehrten hegt. „Offensichtlich ein harmloser Irrer“, meint Tom und macht sich mit Sophie auf den Weg in die Bibliothek, in der Lesen angesichts des düsteren Dämmerlichts unmöglich zu sein scheint. 

Dort begegnen sie dem unter grauen Locken zu verschwinden drohenden Doktor, gespielt von Dominic Bruckner. Er pickt ihnen Werke von Goethe aus den Regalen, darunter Lyrik, wie die Schüler mit Entsetzen feststellen müssen. Das Wichtigste aus Wikipedia zu einem Vortrag herauskopieren, das wäre ihnen lieber gewesen, dann nimmt Hierlinger die beiden jedoch mit auf eine Reise durch die Geschichte der Bücher und all der kuriosen Gegenstände, die in der Bibliothek seit Jahren ihren Platz verteidigen. Merkwürdige Ereignisse, die sich in dem altehrwürdigen Raum und dem benachbarten Klassenzimmer einst ertrugen. Er berichtet von lebendig werdenden Wälzern, die Einbrecher in die Arme der Polizei trieben, von einer Totenmaske, die auf dem Gesicht eines Schülers, der seine Lehrerin erdolchen wollte, festgewachsen war, und von einem Skelett, die Überreste des Bibliothekars Professor Doktor Schmalhofer, der fast fanatisch an den Büchern hing und ein Menschenfeind war.Viele Geschichten, die der Bibliothek einen zweifelhaften Ruf verschafften. Die Menschen glauben, dass etwas „Seltsames passiert, wenn jemand ein Buch ausleihen möchte“, so Hierlinger, der in der Bibliothek lebt, weil sein Zuhause vor Büchern zu platzen droht. 

Tom und Sophie sind fasziniert von dem Mann und von den Büchern. Das Mädchen leiht sich schließlich ein Werk aus, darin: Gedichte Goethes. „Möchtest du das wirklich lesen?“, fragt Tom. „Warum nicht?“, entgegnet ihm Sophie.

Ein kurzer, abschließender Dialog, der die Moral der Geschichte, welche die Theaterklasse auf die Bühne brachte, zusammenfasste. „Es geht darum, die Qualität der Bücher zu betonen“, sagt Lehrerin Christine Hüüs. Denn schließlich geschieht nichts Seltsames, wenn jemand ein Buch aus einer Bibliothek ausleiht. ra

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