Neues Team, alte Ziele

Dorferneuerung: Stabwechsel in Benediktbeuern ohne Folgen für das große Ganze

+
Der neue Vorstand der Teilnehmergemeinschaft Dorferneuerung präsentiert sich wie folgt: Peter Oster, Toni Lautenbacher, Georg Hüttner, Fritz Warsönke, Florian Bacher, Claudia Moosmang, Michael Huber, Sandra Rauchenberger, Christian Höck und die scheidende Vorsitzende Roswitha Karger (von links).

Benediktbeuern – Einen langen Atem brauchen Gemeinden bei der Dorferneuerung, auch Benediktbeuern, das seit dem Antrag in 2005 mit dem dritten Betreuer vom Amt für Ländliche Entwicklung zusammenarbeitet. Bei der Teilnehmerversammlung wurde eine neue Vorstandsriege inklusive Stellvertreter gewählt.

Zur Versammlung im Gasthof Herzogstand waren 33 Teilnehmer gekommen und damit nur ein Bruchteil der rund 2.500 wahlberechtigten Grundstückseigentümer im Verfahrensgebiet. Weil der derzeitige Vorstand schon über die Zeit im Amt ist und Roswitha Karger in eine andere Abteilung wechselt, hatte das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) zur Neuwahl eingeladen. Peter Oster, qua Amtes neuer Vorsitzender des Vorstands, erläuterte die Aufgaben des Gremiums, das als Bauherr am Ende der Gemeinde die fertige Baumaßnahme übergibt. „Ein Riesenvorteil für die Kommune, weil sie nicht in Vorleistung treten muss, sondern die Rechnungen anteilig nach Baufortschritt erhält“, erklärte Oster. 

Der Sachgebietsleiter wies bei der Gelegenheit darauf hin, dass auch Privatleute und Kleinstunternehmen Förderungen durch das ALE erhalten können, etwa für eine dorfgerechte Umgestaltung, Erhaltung oder energetische Ertüchtigung von Häusern und Höfen aus den 1960er Jahren und älter. „Die Dorferneuerung soll nicht auf öffentlichem Grund stehen bleiben, sondern harmonisch auf private Anwesen übergehen“, erklärte er und nannte als Förderbeispiele etwa Balkone, Fenster oder die Umwandlung einer ehemaligen Miststatt in einen Innenhof samt Hofbaum. 

Elf Teilnehmer stellten sich an dem Abend zur Wahl, darunter mehrere Anwohner der Dorfstraße. Dabei entfielen 20 Stimmen auf Christian Höck, je 16 auf Michael Huber, Georg Hüttner, Claudia Moosmang und Toni Lautenbacher. Weil Lautenbacher ohnehin lieber als Stellvertreter fungieren wollte, war keine Stichwahl notwendig. Die weiteren Stellvertreter sind Sandra Rauchenberger, Florian Bacher und Fritz Warsönke. Vollständig ist der Vorstand aber erst, wenn auch ein Vertreter der Gemeinde bestimmt wird, was der Gemeinderat in einer seiner ersten Sitzungen nach der Bürgermeisterwahl tun will. Bevor Roswitha Karger den Stab weitergab, blickte sie auf das zurück, was von den 60 erarbeiteten Maßnahmen bereits umgesetzt wurde, etwa der Umbau des Don-Bosco-Clubs, die Förderung des Vereins Zammlebn, der Hörpfad, der Mühlenweg und die Planung des Gemeindeparks. Dessen Neugestaltung verzögere sich, da man auf die erste Ausschreibung nur ein „sehr überzogenes“ Angebot erhalten habe, wie Karger bedauerte, die nun auf „vernünftige Angebote“ bei der Neuausschreibung hofft. Aktuell stehen Maßnahmen für die Dorfstraße mit Dorfplatz und die Asamstraße an, „eine tolle Geschichte“, wie die beauftragten Planer übereinstimmend fanden. 

Bertram Mooser schwärmte von dem „wunderschönen Potenzial“ der Dorfstraße mit ihrer historischen Bebauung und dem verrohrten Bach, den man zumindest teilweise wieder hervorholen könnte. Eine Nachfrage zum umstrittenen Kopfsteinpflaster beantwortete der Bauingenieur aus Kaufbeuren mit der Idee, für eine leise Fahrbahn einen durchgefärbten Asphalt zu wählen und dafür den Randbereich mit großformatigem, gut begehbarem Pflaster zu gestalten. Wolfgang Heubach, der Benediktbeuern inzwischen wie seine Westentasche kennt, legt seinen Schwerpunkt auf einen bedarfsgerechten Ausbau „mit dem Menschen im Vordergrund“. Mit breiten, grün gesäumten und barrierefreien Gehwegen will er Schüler wieder zu Fußgängern machen und mit „Begegnungen am Gartenzaun“ für ein verbessertes Wohnumfeld in der Durchgangsstraße sorgen. Dass er dafür lieber etwas von der Straßenbreite „wegzwicken“ will, stieß bei einem Landwirt allerdings auf vehemente Kritik. Dieser forderte, bei der Ausbaubreite der einzigen Zufahrt unbedingt die landwirtschaftlichen Fahrzeuge zu berücksichtigen. Baurat Peter Oster gab sogleich Entwarnung: Neben dem ALE sorgten auch der Bauernverband und das Amt für Landwirtschaft dafür, dass es für Bauern keine Erschwernisse gebe. 

Kontrovers diskutiert wurde auch der in Klosternähe geplante „Benediktusweg“ mit Stelen, die Sprüche des Hl. Benedikts verkünden sollen. Der Mehrwert dieses Besinnungsweges erschloss sich nicht allen Teilnehmern der Versammlung, von denen einige fanden, man müsse „erstmal die Hauptstraßen in einen vernünftigen Zustand“ bringen. „Wir wollen die 1.500 Jahre alten Ordensregeln des Hl. Benedikt für unser Dorf mit seiner 1.000-jährigen Geschichte übersetzen“, warb Mesner Christian Höck für die Maßnahme, für die zunächst weitere Flurstücke zum Verfahrensgebiet beigezogen werden müssen. 

Unverständnis äußerte ein Teilnehmer ferner über die Priorisierung der Asamstraße, da seiner Ansicht nach die „in einem beschämenden Zustand“ befindliche Prälatenstraße ein Schandfleck vor dem Rathaus sei. Oster gab hierbei zu bedenken, dass man nicht alles auf einmal in Auftrag geben, sondern mit Blick auf die finanziellen Möglichkeiten nur nach und nach abarbeiten könne. „Wir vergessen die Prälaten- und auch die Bahnhofstraße nicht“, versprach Vize-Bürgermeister Hanns-Frank Seller, aber man müsse dies, vor allem nach dem Wegfall der Straßenausbaubeitragssatzung, auch „finanziell auf die Reihe bringen“. 

Geduld ist jedenfalls weiterhin gefragt. „Ein Baubeginn ist vor 2021 überhaupt nicht denkbar“, sagte Planer Mooser. Viele bürokratische Wege müssten beschritten werden, wozu nicht nur die Genehmigung der Zuschüsse gehört, sondern auch Themen wie Emissionsschutz, Wasserrecht und Denkmalschutz. cw

Auch interessant

Meistgelesen

Patrozinium und Trachtenjahrtag: Nantesbuch wird ein prächtiges Dorffest beschert
Patrozinium und Trachtenjahrtag: Nantesbuch wird ein prächtiges Dorffest beschert
Alkoholisierter Autofahrer tritt versehentlich auf die Bremse 
Alkoholisierter Autofahrer tritt versehentlich auf die Bremse 
Nichts Neues aus Nigeria: Father Gerald über ein Land ohne Fortschritt
Nichts Neues aus Nigeria: Father Gerald über ein Land ohne Fortschritt
Johannes Bauer berichtet über die Geschichte von Nantesbuch
Johannes Bauer berichtet über die Geschichte von Nantesbuch

Kommentare