Gewerkschaft kritisiert Firma

Dorst in Kochel: Aufregung um Stellenabbau

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Das Unternehmen Dorst hat seinen Hauptsitz in Kochel.
  • vonMarco Heinrich
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Kochel – Der Maschinenbauer Dorst in Kochel plant einen Stellenabbau. Die IG Metall kritisiert das Vorgehen und fürchtet noch mehr Jobverluste.

  • Dorst plant Stellenabbau.
  • Maschinenbauer leidet unter weltweitem Geschäftseinbruch.
  • IG Metall kritisiert Vorgehen scharf.

„Das ist unüblich. Es ist aber auch die Besonderheit, die den Betrieb seit Jahrzehnten auszeichnet“, blickt Helmut Dinter, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Weilheim, fassungslos auf die Pläne der Firma Dorst in Kochel. Rund 100 Mitarbeiter sollen seinen Informationen nach dort in den kommenden zwei Jahren ihren Job verlieren, ein Drittel der gesamten Belegschaft am Hauptsitz der Firma! Dorst-Generalbevollmächtigter Hubert Löcherer bestätigt bislang nur den Abbau von rund 25 Arbeitsplätzen.

Ein absolut höriger Betriebsrat gegenüber der Geschäftsführung.“

Helmut Dinter, 1. Bevollmächtigter der IG Metall

Das allein wäre schon ein Schock, immerhin ist Dorst das größte Maschinenbauunternehmen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und einer der großen Arbeitgeber vor Ort. Was Gewerkschafter Dinter aber ebenso ärgert, ist die Art und Weise des Vorgehens. Denn zu echten Verhandlungen über den Sozialplan der Umstrukturierung kam es scheinbar erst gar nicht. „Der Betriebsrat verzichtete darauf, uns als Gewerkschaft und einen Fachanwalt mit an den Verhandlungstisch zu holen. Auch das kennzeichnet den Standort leider schon seit langem: Ein absolut höriger Betriebsrat gegenüber der Geschäftsführung“, sagt Dinter kopfschüttelnd.

Dorst stellt Maschinen und komplette Produktionssysteme her. 2000 Kunden in mehr als 70 Ländern werden nach Angaben des Unternehmens beliefert. Druck gibt es derzeit nicht nur durch die Auswirkungen der Corona-Krise, auch die Transformation des Automarkts macht sich bemerkbar. Um ein E-Auto zu produzieren, braucht es zum Beispiel deutlich weniger Komponenten als für ein konventionelles Auto. Die Folgen von dieser Umstellung spüren gerade auch Zulieferbetriebe wird Dorst. Und doch erinnert der jetzt geplante Stellenabbau an Entscheidungen der Firma vor rund 25 Jahren.

Vorwürfe der Gewerkschaft

„1996 trat Dorst aus dem Arbeitgeberverband aus. Damit konnten sie sich der Tarifbindung entledigen. Vor allem wollten sie damals die 40-Stunden-Woche behalten und die Mitarbeiter nicht bei vollem Lohnausgleich entlasten“, erinnert sich IG-Metall-Bevollmächtigter Dinter: „Jetzt sollen verbleibende Mitarbeiter auf 32 Stunden pro Woche herunter – allerdings mit Lohnverzicht.“ Dinter zufolge sollen möglicherweise im Rahmen des Stellenabbaus auch Mitarbeiter betroffen sein, die eigentlich im Vertrag eine Unkündbarkeit verankert hatten. Und die Entlassungen würden zeitlich so gestaffelt ablaufen, dass bei der Agentur für Arbeit keine Massenentlassung angezeigt werden müsse.

 Der europäische Markt liegt am Boden.“

Hubert Löcherer, Generalbevollmächtigter von Dorst.

Dorst-Generalbevollmächtigter Löcherer bestätigt auf Rundschau-Anfrage lediglich die Einsparung von zur Zeit 25 Arbeitsplätzen in Kochel und Bad Kötzting: „Welche Maßnahmen die weitere Zukunft erfordert, hängt weitgehend von der Entwicklung der Märkte ab, die für Dorst wichtig sind“, sagt Löcherer. Das Bild, das er von der allgemeinen Situation zeichnet, ist allerdings düster: „Nach zehn wirtschaftlich starken Jahren ist bereits im Frühjahr 2020 das Geschäft bei Dorst eingebrochen. Das Unternehmen ist bis heute mit einem Umsatzrückgang von rund 35 bis 40 Prozent konfrontiert; und die Perspektive für die nächsten zwei bis drei Jahre stellt sich so dar, dass die Zahlen der Vergangenheit, das heißt 80 bis 90 Millionen Euro Umsatz pro Jahr, nicht mehr erreicht werden können.“ Denn eine Trendumkehr sieht er auf den großen Märkten der Welt noch lange nicht: „Der europäische Markt liegt am Boden, in den USA spricht man immer noch von dem größten Einbruch seit 1945 und auch das für Dorst wichtige Asien-Geschäft kommt nicht in Gang.“ Eine Arbeitszeitverkürzung auf 32 Stunden ist aktuell nicht das Thema bei Dorst, sagt Löcherer. Und die Kritik der IG Metall an der Verhandlungsführung des Betriebsrates ist für ihn „in keiner Weise nachzuvollziehen“.

Kritik der Kochler SPD

Die Kritik aus dem Kochler Gemeinderat hat unterdessen bereits begonnen. „Auch wenn wir hohen Respekt vor der bisherigen Standorttreue des Unternehmens Dorst haben, ist uns das aktuelle Vorgehen der Unternehmensleitung völlig unverständlich“, sagt Klaus Barthel (SPD): „Wenn die Presseberichte zutreffen sollten, setzt man sich so dem Verdacht aus, die Beschäftigten schutzlos und ohne entsprechende Beratung übervorteilen zu wollen.“

Bürgermeister betont „Heimattreue“

Vorwürfe, die Kochels Bürgermeister Thomas Holz (CSU) nicht nachvollziehen kann. Der Rathauschef steht „in engem Kontakt“ mit Firma und Betriebsrat, wie er der Rundschau sagt. Die von der Gewerkschaft befürchteten 100 gefährdeten Arbeitsplätze kann Holz nicht bestätigen: „Die stehen auch gar nicht im Raum.“ Für den Bürgermeister ist der geplante Personalabbau aus wirtschaftlicher Sicht notwendig. Er sei aber überzeugt und habe „vollstes Vertrauen“, dass der Schritt insgesamt „im Sinne der Mitarbeiter und der Gemeinde passiert“. Holt hebt die „Heimattreue“ des Unternehmens zu seinem Standort in Kochel hervor: Es gebe seit Jahrzehnten „ein Zusammenarbeiten“ mit der Kommune, aber auch den örtlichen Vereinen. Die Familie Dorst hatte nach dem Zweiten Weltkrieg in Kochel einen Neuanfang gestartet, im Jahr 1950 war dort das Werk in Betrieb gegangen. Seit 1. April 2019 ist nach Firmenangaben die gemeinnützige Dorst-Löcherer Stiftung die alleinige Gesellschafterin, die Geschäfte führe „ein gesellschafterfremdes Management“. Marco Heinrich/Andreas Baar

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