Ein Krokodil mal hundert

Vom Wellenbad ist fast nichts mehr übrig, den Rest erledigt ein Zangenangriff

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„Das ist irgendwann zusammengefallen“: Das herabhängende Dach des Wellenbades lässt erahnen, dass es nicht mehr lange dauert, bis gar nichts mehr von dem Gebäude übrig ist.

Penzberg – Ganz unten, dort wo früher die Wagemutigen vom Fünfer ihre Arschbombe in die Fluten knallen ließen, steht noch etwas Wasser. Knöchelhoch. Ulrike Franz, bei den Stadtwerken für das alte wie das neue Schwimmbad zuständig, lacht: „Zur Kneipp-Gymnastik täte es reichen.“ 

Dabei wäre es aber ziemlich kalt, denn das Becken des beinahe schon komplett verschwundenen Wellenbads liegt mittlerweile im Freien. Hinten sieht man noch die Kabinen, die einst für die Bademeister reserviert waren. Der Sprungturm ist schon verschwunden, und linker Hand hängt schlaff der letzte Überrest des einstigen Dachs herab. „Das ist irgendwann zusammengefallen“, sagt Armin Duhme, der in seinem riesigen Bagger dabei ein klein wenig nachgeholfen hat. Es ist ein regnerischer Vormittag, als man sich zur Besichtigung des Wellenbad-Torsos einfindet. Immer wieder huschen Arbeiter vorbei, die Metall und Holz, Glas und Stein so fein säuberlich sortieren, als gelte es, die Reifeprüfung auf einem Wertstoffhof zu bestehen. „Wir trennen ganz gewissenhaft und entsorgen auch entsprechend“, sagt Christian Baumann, der Abbruchingenieur, der das Massaker an Penzbergs einstigem Stolz minutiös geplant hat. Dass er mit dem Fortgang der Arbeiten sehr zufrieden ist, sieht man schon daran, dass er sich jetzt erstmal eine Dose Schnupftabak aus der Hose fischt, deren Inhalt auf den Handrücken schüttelt und dann kräftig einschnauft. „Ende Oktober sieht man hier nichts mehr“, sagt Baumann, „es läuft alles nach Plan.“ 

Armin Duhme hat an diesem Tag nicht allzu viel zu tun. Seine nächste große Stunde schlägt, wenn die Arbeiter all das, was er mit seinem Bagger kurz und klein geschlagen hat, getrennt haben. Er schaut kurz nach rechts, ein versonnenes Lächeln umspielt sein Gesicht. Dort liegt, ganz unscheinbar, sein nächstes Spielzeug: eine Zange. Doch was heißt hier Zange? Das stählerne Ungetüm, auf das er deutet, wiegt alleine sechs Tonnen. Ein Baggerlein kann so was nicht halten. Muss es auch nicht, denn wenn Armin Duhme den Motor startet, dann sitzt er in einer Baumaschine, die 55 Tonnen auf die Waage bringt und mithin die Zange wie einen Staubwedel umherschwenken kann. Duhme freut sich schon darauf, seinen Staubwedel, der es auf eine Beißkraft von schier unglaublichen 160 Tonnen und somit das Hundertfache eines Krokodils bringt, endlich einsetzen zu dürfen. Christian Baumann nimmt eine Prise und meint: „Dauert nicht mehr lange.“ 

Vom einstigen Becken des Wellenbads bleibt nach dem Zangenangriff von Armin Duhme nur ein rund 1,50 Meter hoher Leerraum übrig. Den Rest wird der Baggermeister in den nächste Tagen herausoperieren wie ein Dentist einen Weisheitszahn. Das auf diese Weise geschrumpfte Becken wird dann mit 2.500 Kubikmetern an Kies aufgefüllt. Abbruchmeister Baumann schnäuzt sich jetzt erstmal, um sogleich darauf hinzuweisen, dass der für das Becken bestimmte Kies aus München stammt. Genau dorthin werden auch die getrennten Überreste des Wellenbads gebracht. Erst der Müll entladen, dann der Kies aufgeladen. „So vermeiden wir Leerfahrten, was ökologisch nicht unwichtig ist“, sagt Baumann. In drei Wochen soll der Spuk dann völlig vorbei sein, dort, wo einst das Wellenbad stand, soll sich dann nur noch eine riesige Fläche vor dem Auge erstrecken. la

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