Kritiker ohne Jogginganzug

Wolfgang Heubisch appelliert beim Dreikönigstreffen an die Herzen der FDP-Politiker

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Wolfgang Heubisch (links) wusste beim Dreikönigstreffen im Märznhof die Grünen zu kritisieren.

Penzberg – Der alte Fiat 500 mit FDP-Schriftzug plagt sich zum Märznhof hinauf, um auf einem der vorderen Parkplätze zu parken. Und wie das Gefährt will es auch die Partei wieder nach oben schaffen, das wurde jedenfalls beim Dreikönigstreffen der FDP des Landkreises Weilheim-Schongau deutlich.

Er blickt aus dem Fenster auf die von Frost bedeckten Wiesen, die Berge und dann in die Runde, die sich da um ihn herum versammelt. Wolfgang Heubisch, Vizepräsident des Bayerischen Landtags, ist der Hauptredner des Dreikönigstreffens, zu dem sich rund 20 Herrschaften im Märznhof einfinden. Und wenngleich er gerne gekommen ist, um über die FDP und deren Zukunft sowie ein wenig aus den Nähkästchen des Landtags zu plaudern, so bedauert er zu Beginn seiner viele Minuten kostenden Rede doch sehr, seinen Jogginganzug nicht eingepackt zu haben, bei der herrlichen Landschaft, die ihn hier umgebe. Eine Landschaft, angesichts derer er sich frage, wie er es in München aushalte, meint er augenzwinkernd. Doch nicht nur über seine Sportsachen und deren Absenz wusste der ehemalige bayerische Kunst- und Wissenschaftsminister zu plaudern, er sprach auch über sein Bestreben, das Höchstalter für Bürgermeisterkandidaten heraufzusetzen, über den so sauberen Dieselmotor und über ­Roche. Bei Roche gerät der 73-Jährige regelrecht ins Schwärmen, denn der Penzberg prägende Pharmariese sei „kein Spielball der Aktienmärkte, sondern ein echter Familienbetrieb“, umso verwunderter zeigt sich Heubisch, dass von dem Unternehmen wenig auf der Homepage der Stadt zu lesen sei. „Es ist halt so, wir müssen in die Zukunft schauen“, meint er mit Blick auf die Bedeutung der Wissenschaft und erklärt damit seine Affinität zu Roche. 

„Warum erzähle ich das alles?“, fragt er schließlich in die Runde, in welcher sich auch der ehemalige Wirtschaftsminister Martin Zeil, FDP-Landratskandidat Morten Faust sowie einige Stadtratskandidaten der wieder ins Leben gerufenen Penz­berger FDP, darunter Ralf Simon und Daniel Blank, befinden. „Es hat schon einen Sinn“, lacht Heubisch, als ob er diejenigen, die sich gedanklich schon von seinen Ausführungen zu verabschieden drohen, wieder zurückholen wolle. Die FDP, so betont er, sei eine Partei, die Wissenschaft und Wirtschaft könne und dabei Ökonomie mit Ökologie zu verbinden wisse, im Gegensatz zu den Grünen, die sich „nicht für Arbeitsplätze interessieren“ und bei denen „der Mensch nicht im Mittelpunkt steht “. Doch nicht nur die Grünen kritisiert Heubisch, auch Markus Söder, der als „unumschränkter Herrscher im Landtag “ regiere und diejenigen wie „eine heiße Kartoffel“ fallen lasse, die nicht in sein Konzept passten. Vor Kritik an den eigenen Reihen scheut der Vizepräsident des Landtags aber ebenso wenig zurück, die Freien Demokraten „müssen noch ein bisschen mehr Herz zeigen“, findet Heubisch, denn die Empathie komme bei all dem Dogmatismus schon mal zu kurz. 

Daniel Blank nickt. Es komme selten vor, dass er jedes Wort einer Rede unterschrieben würde, meint der FDP-Ortsvorsitzende. Nun aber würde er wohl den Stift zücken. Eines jedoch merkt er noch an: „Die Stadt ruht sich zu sehr auf Roche aus.“ Das Thema Gründerzentren wolle er da folglich in das Wahlprogramm einfließen lassen, verrät Blank, ohne aber tiefer in die FDP-Pläne einzutauchen. 

Was die Penzberger FDP eigentlich will, das macht dagegen Spitzenkandidat Ralf Simon klar. Der würde gerne Bürgermeister werden, darf jedoch nicht kandidieren, da er, Jahrgang 1943, zu alt für das Amt ist. Und ja, als er in seiner Rede dann mächtig Kritik an Rathauschefin Elke Zehetner („Die letzten Jahre waren in Penzberg nicht gerade von Bürgernähe geprägt, eher von der Dominanz der Bürgermeisterin“) und am Stadtrat („Vielleicht hätte durch etwas mehr Engagement und Förderung seitens der Stadt die Katastrophe HAP vermieden werden können“) übt, so kauft man dem Mann, der einst Chef des HAP-Vorläufers ACP war, seinen Wunsch, das höchste Amt der Stadt zu bekleiden, durchaus ab. Nun aber kann er sich, wenn überhaupt, nur als Stadtrat für eine verbesserte Infrastruktur einsetzen, für die städtische Wirtschaftsförderung, aber auch eine Erhöhung der Verwaltungseffizienz, denn Planung sei keine „besondere Stärke der Stadt“. 

Dass es die FDP nicht nur in den Stadtrat, sondern in viele andere Stadt- und Gemeinderäte schafft, hofft Morten Faust. Der Landratskandidat für Weilheim-Schongau, der sich als ehemaliger Grünen-Sympathisant outet, beißt sich in seiner Rede schließlich ein wenig fest an dem grünen Thema Ökologie, wohl wissend, wie sehr dieses die Gesellschaft und vor allem die jungen Wähler bewegt. Für die Klimakrise, so meint Faust selbstbewusst, „haben wir die besten Lösungen“. Welche das sind und ob es wirklich die besten sind, wird sich zeigen, sollte es die FDP bei der Kommunalwahl flächendeckend auf einen guten Prozentsatz bringen. ra

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