In der Schockstarre

Krise bei HAP: Zehetner will von Jobverlust bedrohten Mitarbeitern helfen

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Hofft auf den Erhalt von HAP: Bürgermeisterin Elke Zehetner neben HAP-Betriebsrat Bayram Yerli auf der Demonstration im Dezember.

Penzberg – Noch im Dezember stand sie am Mikro auf dem Stadtplatz. Mit einem roten Schal um den Hals gewickelt hielt Bürgermeisterin Elke Zehetner bei der Demonstration von HAP-Mitarbeitern eine Rede. Nun droht HAP der Abbau von bis zu 400 Stellen - und die Rathauschefin ist wieder zur Stelle.

Die Belegschaft von Hörmann Automotive Penzberg (HAP) ist weiter in der Schockstarre. Daran, dass in den kommenden drei Jahren 400 Stellen an der Seeshaupter Straße abgebaut werden sollen, dürfte auch das für kommenden Freitag anberaumte Gespräch zwischen dem Betriebsrat und der Hörmann-Konzernspitze nichts ändern. Bürgermeisterin Elke Zehetner bereitet sich derweil schon auf das drohende Szenario vor: Mit einer Penzberger Jobbörse will sie jene, die vom Stellenabbau bei HAP betroffen sind, schnell wieder in Arbeit bringen. 

Unter der Belegschaft an der Seeshaupter Straße hat sich in die Sorge nun auch viel Zorn gemischt. Jahrelang haben die HAP-Mitarbeiter im Rahmen des Ergänzungstarifvertrags auf Lohnerhöhungen verzichtet, bekamen kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld, arbeiteten länger und erhielten weniger. Diese so genannten Arbeitnehmerbeiträge summierten sich auf 30 Millionen Euro und wurden – so der Vorwurf des Betriebsrats und der IG Metall – nicht für eine Großinvestition in das Penzberger Werk verwendet. Für Investitionen ist es nach Ansicht der Konzernzentrale jedoch zu spät. Die Hörmann-Konzernspitze sieht die Rettung des HAP-Werks darin, die Belegschaft radikal zu reduzieren. Zudem werden weitere Arbeitsteile ins slowakische Schwesterwerk verlagert. 

Hörmann blieb aufgrund der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit des Penzberger Werks und der rückläufigen Entwicklung beim Automobilzulieferer letztlich keine andere Wahl, als rigoros durchzugreifen. Gegenüber den Mitarbeitern aber hat sich die Geschäftsführung nicht aufrichtig verhalten. Obwohl die Entwicklung offenkundig war, wurden neue Investitionen in Penzberg versprochen. Seit 2008 gab es klare Zusagen, investiert wurde jedoch nur marginal. Das Logistikzentrum, die Lackieranlage und die Keultransferpresse – alle Vorschläge und Forderungen des Betriebsrats wurden abgeschmettert. Jetzt steht man an der Seeshaupter Straße vor einem Scherbenhaufen. 

Dabei ist der drastische Personalabbau noch nicht alles. Denn für das alternative Zukunftskonzept der Penzber­ger Geschäftsführung ist die Finanzierung durch die Konzernzentrale noch überhaupt nicht gewährleistet. Noch düsterer sähe es aus, wenn Hauptkunde MAN abspringt. Der Rahmenliefervertrag mit MAN läuft Ende dieses Jahres aus und wird neu verhandelt. Sollte es dabei zu keinem Abschluss kommen, drohen weitere Umsatzausfälle. Dann wäre der Standort Penzberg aufgrund fehlender Rentabilität gar von der Schließung bedroht. 

So weit mag Bürgermeisterin Zehetner noch nicht denken: „Ich hoffe immer noch auf den Erhalt des Standortes“, sagte sie. Und sie will jenen helfen, die von HAP demnächst auf die Straße gesetzt werden. Unter dem Motto „Penzberg ruft auf“ soll eine stadtinterne Jobbörse dafür sorgen, dass möglichst viele der mit Entlassung Konfrontierten schnell wieder eine Beschäftigung finden. akr/la

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