Idee eines Gemeinderats

Druck aus Kessel nehmen: Wohnraum-Modell für Bad Heilbrunn

Der Bad Heilbrunner Gemeinderat Anton Krinner (Freie Wähler) blickt während der Sitzung in die Kamera.
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Gemeinderat Anton Krinner stellte sein alternatives Wohnraum-Modell vor.

Bad Heilbrunn – Bezahlbarer Wohnraum für Einheimische ist ein Thema, das vielen Kommunen im Oberland unter den Fingernägeln brennt. So auch in Bad Heilbrunn, wie im Gemeinderat zu hören war.

Toni Krinner, Gemeinderat (Freie Wähler) und seines Zeichens Elektroingenieur bei einer großen heimischen Baufirma, stellte in der Sitzung nicht nur explizit dar, warum es derzeit zu den exorbitant hohen Preisen auf dem Mietwohnmarkt kommt. Krinner stellte auch eine Modellrechnung zu einem alternativen Wohnraum-Modell vor Die sich daraus ergebende Ersparnis liegt vor allem bei der Bereitstellung des möglichen Baugrunds: Erbbaurecht nutzen, statt Kaufen lautet seine Erfolgsformel. Der durchschnittliche Preis in Bad Heilbrunn liegt derzeit zwischen 11,50 und 13,50 Euro pro Quadratmeter monatliche Kaltmiete. „Das wollen und können sich viele junge Leute nicht leisten“, betonte der Gemeinderat, der in seiner Freizeit bei den Heilbrunner Fußballern kickt. Wegen der hohen Mieten würden immer mehr Jungbürger den Kurort verlassen und wegziehen: „Auch von meinen Mannschaftskameraden, obwohl die meisten gebürtige Bad Heilbrunner, wohnt ein Großteil mittlerweile nicht mehr am Ort.“

„Konservativ gerechnet“

Zuerst stellte Krinner ein „konservativ gerechnetes“ Modell vor. Für ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohneinheiten wären da etwa 1000 Quadratmeter Grund vonnöten. Laut der Richtwertliste in der Ortsmitte wären dafür für den Grunderwerb also inklusive der Nebenkosten (Steuer, Notar, Vermessung) knapp 700 000 Euro fällig. Würden die Gesamtbaukosten in Höhe von knapp zwei Millionen Euro dann über eine Finanzierung abgedeckt, würde man letztlich für die acht Wohnungen bei einem Mietpreis von 12,25 Euro pro Quadratmeter landen. „Und das, ohne einen einzigen Cent Gewinn für den Investor.“

Alternatives Modell

Dem stellte Krinner eine Modellrechnung gegenüber, bei der statt dem Grunderwerb die Fläche über das Erbbaurecht zur Verfügung gestellt würde. Hier kam er schließlich auf 8,83 Euro/Quadratmeter an Kaltmiete. Letztere würde sich dann für eine rund 70 Quadratmeter große Wohnung statt auf knapp 870 Euro monatlich nur noch auf rund 630 Euro belaufen. Freilich hatte Krinner sein „alternatives Modell“ etwas schöngerechnet, da er auf eine Unterkellerung des Gebäudes verzichtet hatte, „weil, wie ich glaube, junge Leute, die sich erstmals eine Wohnung einrichten, nicht unbedingt einen Keller benötigen“. Dem widersprach freilich zweiter Bürgermeister Friedrich Bauer (Freie Wähler): „Gerade junge, sportlich aktive Leute, haben viele Fahrräder und oder Surfbretter oder ähnliches, die sie dann auch irgendwo unterbringen müssen.“

GmbH als Mittler

Krinner schlug dabei vor, Bau, Vermietung und Unterhalt von so einem Gebäude über eine GmbH abzuwickeln, da sich daraus einige weitere Vorteile ergeben würden. Würde etwa die GmbH als Bauherr auftreten, wobei die Gemeinde hier durchaus Teil-Gesellschafter sein könnte, müsste sie sich nicht europaweiten Ausschreibungen unterwerfen, sondern könnte frei vergeben. Darüber hinaus ein Vorteil für einheimische Betrieb und Firmen. „Dabei wären auch nach der Submission Nachverhandlungen und Preisnachlässe möglich, wobei im Detail durchaus höhere Beträge eingespart werden könnten.“

Gemeinde hält sich raus

Als weitere Vorteile, die sich durch die Zwischenschaltung einer GmbH ergeben könnten, sah Krinner, dass die Gemeinde nicht aktiv in Vergabe von Wohnungen eingreifen müsste, was oftmals großen Konfliktstoff berge. Auch wäre die Kommune später nicht mit Ärgernissen rund um eine Wohnungsverwaltung und eventuellen Miet-Eintreibungen belastet. Er präsentierte dann auch gleich zwei Flächen, die für sein „alternatives Modell für bezahlbaren Wohnraum“ in Bad Heilbrunn in Frage kommen könnten, gemeindeeigene Grundstücke, etwa am Zwieselhang oder im geplanten Neubaugebiet am Krebsenbach (Tennishalle). Als „durchaus interessant“ befand ein Großteil seiner Gemeinderats-Kollegen Krinners Ideen und Norbert Deppisch (Grüne) sagte: „Auch wenn noch viele Detailfragen geklärt werden müssten, eine ernsthafte Überlegung ist das Modell durchaus wert.“ Ewald Scheitterer

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