Ab durch den Schnee

„Jedes Detail zählt“: Harald Bauer sucht Zeugen der wilden Jagd.

French Connection zwischen Obersöchering und dem Walchensee: Am frühen Sonntagmorgen lieferte sich die Penzberger Polizei und in der Folge noch einige weitere Streifenbesatzungen eine Verfolgungsjagd, die durchaus das Zeug zum Kinostoff hat. Zwar fehlten, wie bei French Connection, Gene Hackmann und als Kulisse die Hochbahn aus New York, unter der sich eine der rasantesten Autojagden der Kinogeschichte abspielten, aber langweilig war das Spektakel auch nicht, das sich da am frühen Sonntagmorgen abspielte.

Es war kurz vor drei Uhr, als eine Streife aus Penzberg in Obersöchering einen Nissan „Pajero“ zwecks Verkehrskontrolle anhalten wollte. Es blieb allerdings beim Wollen, denn der Geländewagen wendete plötzlich und brauste mit Karacho in die entgegen gesetzte Richtung da- von. Die Penzberger Polizisten nahmen sofort die Verfolgung auf, doch so sehr sie sich auch mühten, das Auto mit Sirene und allerlei Lichtspielen anzuhalten - es gelang ihnen nicht. Der Fahrer des Jeeps fuhr unbeirrt über die B 472 in Richtung Sindelsdorf und von dort über die B 11 Richtung Kochel und Kesselberg, „mit teilweise sehr hoher Geschwindigkeit“, wie Harald Bauer, der Chef der Penzberger Polizei betont. Der Jeep fuhr teilweise auf der linken Fahrbahn und vereitelte jeden Versuch des Streifenfahrzeugs, sich vor das Fluchtfahrzeug zu setzen. In Kochel wäre es dann beinahe zu einem Zusammenstoß gekommen, als dem Jeep ein anderes Auto entgegen kam und der „Pajero“ links an einer Verkehrsinsel vorbeiraste. Als die Streifenbesatz erkannte, dass sie den Wagen nicht würde stoppen können, rief sie Verstärkung. Am Ende waren dann zehn Streifenfahrzeuge und sogar ein Polizeihubschrauber beteiligt. Auf der B 11 im Bereich von Einsiedel wur- de zwischenzeitlich eine Polizeisperre errichtet. Der flüchtende Geländewagen durchbrach aber gegen 3.20 Uhr diese Sperre, indem er rechts in eine Schneewächte auswich und die Fahrt fortsetzte. Der Jeep flüchtete letztlich ins unwegsame Eschenlainetal und konnte nicht weiter verfolgt werden. Selbst ein mit Schneeketten ausgerüstetes Allradfahrzeug der Garmischer Polizei kam da nicht mehr weiter. „Das war schon halsbrecherisch, bei diesen Verhältnissen hier hoch zu fahren. Dort gibt es viele steile Schluchten und noch mehr unübersichtliche Stellen. Wer noch dazu mitten in der Nacht durch dieses enge Tal brettert, riskiert sein Leben“, so Bauer. Deshalb sei letztlich auch der Hubschrauber eingesetzt worden. „Wir mussten davon ausgehen, dass das Fahrzeug in eine Schlucht gestürzt ist und dabei Personen verletzt worden sind“, sagt der Penzberger Inspektionsleiter. Doch die Helikopterbesatzung konnte auch am nächsten Morgen bei einem zweiten Rundflug über das Gebiet nichts entdecken. Was auch gar nicht möglich war, weil der Jeep längst sicher geparkt war. Mindestens so abenteuerlich wie die Verfolgungsjagd ist aber der Bericht darüber, wie es dazu gekommen sein soll. Am Sonntagnachmittag meldete sich bei der Polizei der Halter des „Pajero“, ein 21-Jähriger aus Eschenlohe, der angab, dass er auf dem Schneefest in Obersöchering war. Während er schlafend im Fahrzeug lag, so ließ er die Beamten wissen, hätten zwei Unbekannte angeblich das Fahrzeug entwendet und seien mit ihm auf der Rücksitzbank vor der Polizei geflohen. Die beiden hätten im Eschenlainetal bei Wengwies dann das Fahrzeug verlassen und ihn dort alleine zurück gelassen. „Die beiden Unbekannten konnte der Mann nur sehr wage beschreiben“, sagt Harald Bauer. Es handelt sich nach seinen Angaben um zwei Männer im Alter zwischen 20 und 25 Jahren. Einer sprach bayerischen Dialekt und hatte dunkelblonde Haare, der Andere trug eine Kappe und einen dunkelblauen Norwegerpullover. Die Polizei ist derzeit damit beschäftigt, diese Angaben auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Aus diesem Grunde werden Personen, die ebenfalls das Fest in Obersöchering besucht und entsprechende Beobachtungen gemacht haben, gebeten, sich bei der Polizeiinspektion Penzberg zu melden. „Auch Kleinigkeiten können für die Ermittlungen von Bedeutung sein“, sagt Harald Bauer. Einen 27-jährigen Eschenloher, der den Fahrzeughalter nach Obersöchering begleitete, haben angeblich vier junge Burschen mit nach Hause genommen. Diese jungen Männer sollen sich ebenso bei der Polizei unter Tel: 08856/ 92570 als Zeugen melden wie der Fahrer jenes Autos, das bei der Verfolgungsjagd in Kochel beinahe gerammt worden wäre.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

EDEKA-Markt Iffeldorf in neuen Händen
Penzberg
EDEKA-Markt Iffeldorf in neuen Händen
EDEKA-Markt Iffeldorf in neuen Händen
Neues Familienbad in Penzberg wird teurer - jetzt rund 26 Millionen Euro
Penzberg
Neues Familienbad in Penzberg wird teurer - jetzt rund 26 Millionen Euro
Neues Familienbad in Penzberg wird teurer - jetzt rund 26 Millionen Euro
Penzberg: Größere Mengen Haschisch, Fahrer ohne Führerschein und Trunkenheit am Steuer
Penzberg
Penzberg: Größere Mengen Haschisch, Fahrer ohne Führerschein und Trunkenheit am Steuer
Penzberg: Größere Mengen Haschisch, Fahrer ohne Führerschein und Trunkenheit am Steuer
Birkenstraße-West: Nächster Schritt für größtes Wohnbauprojekt der Stadt
Penzberg
Birkenstraße-West: Nächster Schritt für größtes Wohnbauprojekt der Stadt
Birkenstraße-West: Nächster Schritt für größtes Wohnbauprojekt der Stadt

Kommentare