Google Maps als Staubringer

Kochel und Walchensee leiden mehr unter Durchgangsverkehr als unter Ausflüglern

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In Kochel geht nichts mehr: Nur jeder zweite will wirklich zum Walchensee, der Rest umfährt nur den Stau am Ende der Garmischer Autobahn.

Kochel – Als Bürgermeister Thomas Holz dem Gemeinderat nun vom Treffen mit Staatssekretär Gerhard Eck im bayerischen Innenministerium berichtete, wo Maßnahmen des Walchensee-Konzepts erörtert worden waren, zeigte er sich überrascht vom Ergebnis der Verkehrsanalyse des Staatlichen Bauamts Weilheim.

Vier Wochen lang hatte das Bauamt im vergangenen Sommer an der B11 eine Verkehrszählung durchgeführt – und zwar in Altjoch, Einsiedl und Obernach. Die abschließende Auswertung der Datenmengen durch Fachleute steht zwar noch aus, Thomas Holz veranschaulichte aber mit Diagrammen die besondere Bedeutung der Zahlen für die Gemeinde Kochel. Gezählt wurden demnach an Regentagen durchschnittlich 3.100, an Schönwetter-Werktagen 4.600 und an Schönwetter-Wochenendtagen mehr als 11.000 Fahrzeuge in beiden Fahrtrichtungen. „Bis 4.500 Autos wäre normal“, zeigte Holz auf. Am spannendsten sei für ihn, dass an Tagen mit besonders hoher Verkehrsbelastung etwa die Hälfte der Fahrzeuglenker wieder aus dem Walchenseegebiet rausfahre. An einem typischen Sonntag im August wurden von 860 Autos, die gegen Mittag den Kesselberg hochfuhren, 200 beim Abzweigen in die Südufer-Mautstraße gezählt, 430 verließen das Walchenseegebiet in Richtung Wallgau, die restlichen 230 Fahrzeuge wurden demnach irgendwo zwischen Kesselberg und Einsiedl abgestellt. 

„Fünfzig Prozent der Fahrzeuge, die sich von Norden nach Süden durch unsere Gemeinde schlängeln, fahren nur durch, weil die A95 zu ist und Google Maps diese Ausweichroute vorschlägt“, schlussfolgerte Holz. In der Gegenrichtung seien es sogar Dreiviertel der Autos, die nur durchfahren wollten. Dass mehr als die Hälfte der Verkehrsbelastung an schönen Tagen reiner Umfahrungsverkehr sei, habe er nicht gedacht, bekannte er. Für weitere Maßnahmen seien diese Zahlen ganz entscheidend, denn „alles, was wir in unserer Gemeinde machen, von der Blessingkurve bis an den Walchensee, zielt nur auf höchstens fünfzig Prozent der durchfahrenden Fahrzeuge“, resümierte Holz. „Ohne die Umfahrer wäre das Problem ein wesentlich geringeres“, stellte er fest und verwies zugleich auf die geringen Einflussmöglichkeiten der Gemeinde. Rund um Garmisch und Oberau werden zwar Tunnel gebaut, allerdings dauere es bis zu deren Fertigstellung noch sehr lange. Zudem sei eine Entlastung dadurch fraglich, da „der Flaschenhals“ dann eben weiter nach hinten verschoben werde. 

Wie Florian Eberl (CSU) kritisierte, seien inzwischen auch die innerörtlichen Schleichwege bekannt und viel frequentiert, bei oftmals überhöhter Geschwindigkeit. „Der Google Maps ist ein ganz ein Schlauer, der weiß sogar, dass man aus Richtung Ried kommend an der Blessingkurve Vorfahrt hat“, ergänzte Holz, weshalb die Autofahrer in Sindelsdorf von der Autobahn runterführen und es Stau vor beiden Ortseingängen gebe. Man müsse möglichst schnell gegensteuern, wofür es Konzepte und Lösungen brauche, stellte der Bürgermeister fest und hofft auf „entsprechende Vorschläge der Fachleute in den Behörden“. Auch im Gemeinderat will er die Thematik weiter besprechen und Ende März eine Verkehrsschau machen, bei welcher die Umfahrungsstrecken durch das Gemeindegebiet ebenfalls begutachtet werden. 

In den Zuständigkeitsbereich der Bayerischen Staatsforsten fallen zwei andere Punkte, über welche Holz berichtete. Geplant sei zum einen ein Radarsystem, welches sekundengenau die Anzahl der im Gebiet befindlichen Fahrzeuge erfasst und an ein elektronisches Parkleitsystem zur Anzeige von freien und besetzten Parkplätzen übermittelt. Zum anderen werden die beiden Mauthäuschen verlegt und davor etwa 200 Ausweichparkplätze als Grünfläche errichtet. Aus Richtung Einsiedl ließe sich dadurch sowie durch einen schnelleren Ablauf am dann mittig platzierten Mauthäuschen der Rückstau vermeiden. Weil sich die naturschutzfachliche Prüfung des Bauantrags der Bayerischen Staatsforsten mehrere Monate hinziehen könne, bat Holz diesbezüglich aber um Geduld. „Je mehr Parkplätze man anbietet, umso mehr Autos kommen“, gab hingegen Monika Hoffmann-Sailer (SPD) zu bedenken und erkundigte sich, ob als Ausgleich dafür die Parkplatzanzahl am Südufer gekürzt werde. Ob mehr Angebot wirklich mehr Nachfrage nach sich ziehe, darüber gehen in den Augen von Holz die Fachmeinungen auseinander. Er bat deshalb darum, nun nicht dies zu kritisieren oder aufzuweichen, was man in den Workshops beschlossen habe. Mit dem Angebot vor Ort könne man diejenigen, die nicht mehr in die Mautstraße reinkämen, zumindest vom Wildparken abhalten, argumentierte er. 

Als positiv wertete der Rathauschef darüber hinaus die Zusage von Staatssekretär Eck, mit Sonderpersonal die Polizeipräsenz im Walchenseegebiet in der Hochsaison zu verstärken. cw

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